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12.11.2015

Vergütung: Allen & Overy diskutiert über Lockstep-Anpassungen

In der deutschen Partnerschaft von Allen & Overy gibt es JUVE-Informationen zufolge Diskussionen um Eingriffe in das Vergütungssystem, insbesondere um Hürden im Lockstep. Das bestätigten mehrere mit den internen Vorgängen gut vertraute Personen gegenüber JUVE. Das deutsche Management widerspricht indes konkreten Plänen.

Neil Weiand

Neil Weiand

Nach JUVE-Recherchen sollen Partner an bestimmten Stellen im Lockstep mit zunehmender Kanzleizugehörigkeit nicht mehr automatisch mehr Punkte erhalten. Beabsichtigt sei, bei 30 und 40 Punkten jeweils zusätzliche Hürden aufzubauen, die Partner nur noch nach bestimmten Umsatzkriterien überschreiten.

Auf Anfrage erklärte der deutsche Senior-Partner Neil Weiand: „Bei Allen & Overy Deutschland gibt es derzeit keine Hürden im Equity-Lockstep (Gates). Wir monitoren unsere Profitabilitätsentwicklung regelmäßig.“ Allen & Overy könne künftige Änderungen des Vergütungssystem nicht ausschließen, wenn sich die Profitabilität nachhaltig eintrüben sollte. Diese könnten dann auch Gating umfassen. „Angesichts der nachhaltigen Profitabilität der deutschen Standorte gibt es jedoch keine konkreten Pläne für Änderungen unseres derzeitigen Vergütungssystems“, so Weiand.

Nur zwei Partner auf dem Plateau

Bislang startet ein Allen & Overy-Anwalt im Lockstep mit zwölf Punkten und erhält pro Jahr der Kanzleizugehörigkeit jeweils zwei weitere Punkte dazu. Maximal kann ein Partner 50 Punkte erreichen, in Deutschland befinden sich aktuell lediglich zwei Partner auf diesem sogenannten Plateau. Nach der Anzahl der Punkte bemisst sich die Höhe der jährlichen Entnahmen. Pro Punkt entnahm ein Partner JUVE-Informationen zufolge gut 35.000 britische Pfund.

In Deutschland arbeiten derzeit 52 Partner für Allen & Overy, 2 davon ernannte die Sozietät erst zu Beginn des neuen Geschäftsjahres im vergangenen Mai.

Das sogenannte Gating ist bei der Kanzlei kein neues Instrument. Eine Barriere, die nur bei Erreichen eines bestimmten Umsatzes überschritten wird, gab es schon bislang bei 20 Punkten. Durch zusätzliche Hürden bei 30 und 40 Punkten würde die Kanzlei den Wert jedes Punktes faktisch weiter erhöhen. Um diese Hürden überspringen zu können, steht JUVE-Recherchen zufolge intern ein Umsatz von bis zu drei Millionen britischen Pfund zur Diskussion. Dies solle keine starre Vorgabe sein, dennoch erreichte zuletzt nur eine Minderheit der Partner eine solche Dimension, weshalb zahlreichen Partnern künftig der Aufstieg im Lockstepsystem und damit in der Vergütung schwerer fallen dürfte als bisher. Auch Abstufungen sind möglich, etwa wenn ein Partner über einen längeren Zeitraum bestimmte Umsatzkriterien nicht erreicht. Die maximal erreichbare Punktzahl liegt indes hierzulande weiter bei 50, in anderen Ländern wie den Niederlanden können Partner maximal 40 Punkte erreichen.

Schwacher Euro sorgt für erhöhten Druck

Wim Dejonghe

Wim Dejonghe

Als genereller Treiber für Anpassungen im Vergütungssystem und insbesondere Hürden im Lockstep gelten in der Kanzlei der weltweite Managing-Partner Wim Dejonghe sowie der globale Senior-Partner David Morley aus der Londoner Kanzleizentrale. Die Maßnahmen sorgen dabei insbesondere abseits des hochpreisigen Londoner Stammmarktes für erhöhten Druck. Für die deutsche Praxis kommt die aktuelle Euroschwäche erschwerend hinzu. Um mehr als zehn Prozent hat der Euro in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber dem britischen Pfund verloren. Ähnlich sieht die Situation für deutsche Praxen amerikanischer Kanzleien aus, auch gegenüber dem Dollar hat der Euro binnen Jahresfrist um mehr als zehn Prozent verloren. Bei Allen & Overy steigt angesichts dieser Entwicklungen die Wahrscheinlichkeit, dass die Sozietät vermehrt personelle Eingriffe in die Partnerschaft vornehmen wird.

Deutlich stärkere Restrukturierungsmaßnahmen in der Partnerschaft hatte zuletzt Clifford Chance eingeleitet, die parallel dazu ebenfalls Veränderungen an ihrem Vergütungssystem vornahm. Die Maßnahmen zielten vor allem darauf ab, außergewöhnlich starke Partner in ihren Reihen zu halten beziehungsweise dazuzugewinnen sowie weniger starke Partner herunterzustufen. So können Spitzenpartner im internen Punktesystem nun anstelle von 100 Punkten bis zu 115 beziehungsweise 130 Punkte erreichen und entsprechend mehr Gewinne entnehmen. Auch Freshfields Bruckhaus Deringer gestaltete zuletzt ihr Lockstepsystem für ihre Expansion in den USA etwas flexibler, um dort Partner aus hoch profitablen Kanzleien anheuern zu können. (René Bender)