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04.12.2015

DFB: Verband holt Arbeitsrechtler, Staatsanwaltschaft prüft Bußgeldverfahren

In der Auseinandersetzung mit seinem in der vergangenen Woche fristlos gekündigten Vize-Generalsekretär Stefan Hans hat sich der Deutsche Fußball Bund (DFB) externe arbeitsrechtliche Unterstützung gesichert. Der Verband hat Beiten Burkhardt mandatiert. Dort befassen sich vor allem der Frankfurter Partner Dr. Thomas Drosdeck sowie der Associate Dr. Christian Bitsch mit der Sache.

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Thomas Drosdeck

Die Arbeitsrechtspraxis von Beiten genießt hierzulande ein hohes Renommee, ist aber bislang soweit bekannt noch nicht für den DFB tätig gewesen. Allerdings hat die Kanzlei schon seit Jahren gute Kontakte zum DFB, den sie seit Langem im Markenrecht begleitet.

Der geschasste Vize-Generalsekretär Hans hatte den DFB vorgestern vor dem Frankfurter Arbeitsgericht verklagt und dafür die bundesweit hoch angesehene Partnerin Nicole Engesser Means aus der Spezialkanzlei Schweibert Leßmann & Partner hinzugezogen.

Auch an anderer Stelle ist der DFB nun mit einem formellen Verfahren konfrontiert. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat JUVE-Informationen zufolge ein Bußgeldverfahren gemäß der Paragrafen 130, 30 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OWIG) eingeleitet. Danach droht dem DFB ein Bußgeld von bis zu zehn Millionen Euro.

Der DFB als Verein muss aufgrund der Norm auch für die Straftaten geradestehen, die der Vorstand oder ein Mitglied des Vorstands im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit begangen hat. Derzeit laufen Ermittlungen wegen möglicher Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall gegen die beiden Ex-DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie den früheren DFB-Generalsekretär Horst Schmidt, weil diese als Mitglieder des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 im Frühjahr 2005 eine Zahlung von rund 6,7 Millionen Euro unrechtmäßig als Betriebsausgabe steuermindernd geltend gemacht haben sollen.

Funktionärskreise bestätigten das Bußgeldverfahren gegenüber JUVE. Die Staatsanwaltschaft selbst wollte dies nicht kommentieren, auch der DFB nahm auf Nachfrage bisher keine Stellung.

Mit der Vertretung seiner steuerrechtlichen Interessen hatte der Verband erst kürzlich den Steuerstrafrechtler Olaf Leisner aus der Kanzlei Leisner Steckel Engler mandatiert. Daneben droht dem DFB auch die Aberkennung des Gemeinnützigkeitsstatus.

Für weitere führende Köpfen, die die WM 2006 organisierten, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine strafrechtlichen Konsequenzen geben, etwa für den WM-OK-Chef Franz Beckenbauer und dessen Vertrauten Fedor Radmann. Dennoch haben sich beide erfahrene Strafrechtler an die Seite geholt: So vertraut Radmann dem Münchner Partner Dr. Norbert Scharf aus der Sozietät Grub Brugger & Partner. Scharf vertritt derzeit unter anderem auch den Ex-Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer in dessen Strafprozess wegen möglichem Prozessbetrug und arbeitet öfter mit Prof. Dr. Werner Leitner zusammen (Leitner & Partner). Dass dieser Beckenbauer zur Seite steht, ist schon seit Wochen bekannt. (René Bender)