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17.12.2015

Entscheidung gefallen: Freshfields zieht sich aus Köln zurück

Freshfields Bruckhaus Deringer will ihr Kölner Büro über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren schließen. Diese Entscheidung teilte die Kanzlei gestern den Mitarbeitern mit. Für wenige dürfte dies überraschend gekommen sein, denn schon seit mehreren Wochen hatten ein Kernteam aus Partnern beider Standorte und Vertretern des Managements über den Schritt verhandelt.

Klaus-Stefan Hohenstatt

Klaus-Stefan Hohenstatt

Um ein Signal für die anstehende Integration zu geben, wird der Kölner IP-Partner Matthias Koch in Düsseldorf die Rolle des Office-Managing-Partners übernehmen. Ab Januar geht es dann in die konkrete Planung zum Umzug der Kölner nach Düsseldorf und die Integration mit den dortigen Teams. Nach Angaben der Kanzlei werden die meisten der Kölner Partner schrittweise nach Düsseldorf überwechseln.

Nicht mit nach Düsseldorf gehen die beiden hoch erfahrenen Kölner Private-Equity-Partner Dr. Ludwig Leyendecker und Dr. Kai Hasselbach. Sie sollen ins Münchner Büro wechseln, um die dortige Praxis voranzutreiben.

Um das Zusammenwachsen zu fördern und den Aspekt der geschäftlichen Neuausrichtung zu unterstreichen, sollen außerdem die Verknüpfungen zum Frankfurter Büro und vor allem den dortigen Kapitalmarkt- und Finanzierungsspezialisten verstärkt werden. So wechseln etwa der Kapitalmarktspezialist und Leiter der globalen Corporate-Praxis Rick van Aerssen sowie M&A- und Compliance-Schwergewicht Dr. Andreas Fabritius ebenfalls ins Düsseldorfer Büro. 

Stephan Eilers

Stephan Eilers

Prof. Dr. Stephan Eilers, zugleich designierter Co-Managing-Partner der Gesamtkanzlei, sagte: „Dieser Schritt geht weit über die Zusammenlegung zweier Büros hinaus.” Vielmehr könne man dadurch die Schlagkraft in Deutschlands Industrie- und Finanzzentren erhöhen. So soll unter der Leitung von Dr. Franz Aleth in Düsseldorf ein US-Desk entstehen, das aufbauend auf den guten Beziehungen zu US-Konzernen wie HP und Apple die Verbindungen in den US-Markt strategisch entwickeln soll. In Düsseldorf sollen künftig zudem die Fäden der Global-Investigations-Praxis zusammenlaufen und noch stärker mit den etablierten Teams für Wirtschaftsstrafrecht und Compliance um Prof. Dr. Norbert Nolte, Steuern um Eilers und der Kartellrechtspraxis um Dr. Martin Klusmann verknüpft werden. 

„Diese Integration markiert den Beginn einer neuen Phase unserer Entwicklung in Deutschland”, sagte Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Managing-Partner der Kanzlei in Deutschland und Österreich. “Sie schafft einen noch stärkeren Verbund mit unseren Mandanten, um künftige Herausforderungen in Deutschland und der Welt gemeinsam zu meistern.“ Mittelfristig, so Hohenstatt, wolle man sich in Düsseldorf auch nach einer neuen Büroimmobilie umsehen.

Mit Freshfields kehrt eine weitere prominente Kanzlei einer Präsenz im Kölner Markt den Rücken. Linklaters, Beiten Burkhardt und Mayer Brown haben diesen Schritt schon vor einigen Jahren vollzogen. Obwohl Köln die größte nordrhein-westfälische Stadt ist, hat Düsseldorf ihr den Rang als bedeutender Kanzleistandort in den letzten 15 Jahren immer mehr abgelaufen. Der Grund: Die Kanzleien suchen die Nähe zu den großen Ruhrkonzernen wie RWE, E.on, ThyssenKrupp, Evonik sowie zur landespolitischen Szene im bevölkerungsreichsten Bundesland. Auch Berlin hat sich in der Vergangenheit schon als geschäftlich schwieriger Markt erwiesen, obwohl er ebenso wie Köln bei Bewerbern und Nachwuchsjuristen beliebt ist. Das Kölner Büro war 1970 durch Prof. Arved Deringer gegründet worden.

Die Standorte in Köln und Düsseldorf sind mit je rund 75 Anwälten derzeit ungefähr gleich groß. Bekannt ist aber, dass die Kanzlei immer wieder intensiv darüber diskutiert, die Präsenz in Deutschland von derzeit etwas mehr als 500 Anwälten zu verringern. (Antje Neumann)