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24.03.2016

Deutsche Bank: Drinhausen löst Weber-Rey als Chief Governance Officer ab

Das Personalkarussell bei der Deutschen Bank dreht sich weiter. Die Governance- und Compliance-Expertin Daniela Weber-Rey (58) verlässt Deutschlands größtes Geldhaus. Neuer Chief Governance Officer wird ab April Dr. Florian Drinhausen (47), zuletzt Co-General Counsel für Deutschland bei der Deutschen Bank.

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Daniela Weber-Rey

Über Weber-Reys künftige Tätigkeit ist bisher nichts bekannt, die Bank teilte lediglich mit, dass sie sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen werde. Erst vor wenigen Tagen war bereits bekannt geworden, dass die Compliance-Beauftragte Nadine Faruque der Bank nach knapp eineinhalb Jahren wieder den Rücken kehren wird – ebenfalls mit bis dato unbekanntem Ziel.

Faruque und Weber-Rey spielten zentrale Rollen in der Compliance-Aufstellung der Deutschen Bank. Weber-Rey, eine der bekanntesten Anwältinnen hierzulande, hatte Clifford Chance 2013 nach knapp 20 Jahren verlassen, um bei Deutschlands größter Bank einzusteigen. Ihre Position wurde seinerzeit neu geschaffen, sie berichtete an den damaligen Rechtsvorstand Stephan Leithner, von dem sich die Bank vor wenigen Monaten trennte.

Als Chief Governance Officer übernahm Weber-Rey in den vergangenen drei Jahren im Konzern eine maßgebliche operative Rolle in Fragen zu Grundsätzen der Unternehmensführung sowie Compliance- und aufsichtsrechtlichen Themen. Weber-Reys Einstieg war nur eine unter vielen Maßnahmen, die die Bank ergriff, um ihre Rechts- und Compliancestrukturen zu überarbeiten – eine Folge diverser Skandale und einer Vielzahl anhängiger und kostenintensiver Rechtsstreitigkeiten, die die Bank seit Jahren belasten. Bei ihrem Einsteig übernahm Weber-Rey zunächst auch die Position des Deputy Global Head Compliance, die mit dem Einstieg Faruques jedoch wegfiel.

Florian Drinhausen

Florian Drinhausen

Governance-Abteilung mit erweiterter Funktion

Drinhausen wird nun wie zuletzt Weber-Rey an Karl von Rohr berichten, der seit Herbst 2015 Rechtsvorstand der Bank ist. Drinhausen, lange Jahre Partner bei Linklaters, übernimmt die Leitung einer Einheit, die gleichzeitig strukturell erweitert wird. Neben den globalen und regionalen Governance-Abteilungen kommen nun auch das Generalsekretariat und das Aufsichtsratsbüro hinzu.

„Ich möchte Daniela Weber-Rey sehr herzlich für ihren Einsatz, ihre wegweisende Pionierarbeit sowie das im Interesse der Bank Erreichte danken“, sagte von Rohr. Diese Arbeit bilde eine wertvolle Basis. Nun gelte es den nächsten Schritt zu gehen und die Verantwortlichkeiten, Strukturen und Entscheidungsprozesse weiter zu vereinfachen.

Bis Drinhausens bisherige Position als Co-General Counsel für Deutschland wieder besetzt ist, wird der zweite Co-General Counsel Matthias Otto alleine weitermachen. Die beiden hatten im Herbst vergangenen Jahres die Führung der deutschen Rechtsabteilung gemeinsam übernommen, nachdem Dr. Christof von Dryander zusammen mit dem Briten Simon Dodds in die weltweite Leitung aller Rechtsfunktionen aufgerückt war.

Umbau der Führungsriege

Der neuen Co-Vorstandschef John Cryan krempelt seit seinem Einstieg die erweitere Führungsriege kräftig um. So stieg die Französin Sylvie Matherat zu Beginn dieses Jahres in den Vorstand auf und verantwortet dort nun die Compliance-Themen. Faruque sollte als Generalbevollmächtigte an sie berichten. Beide waren Ende 2014 zeitgleich bei der Deutschen Bank eingestiegen, die Schweizerin Faruque war zunächst weltweit für Compliance-Fragen, Matherat für die Beziehung zu den Aufsichtsbehörden zuständig. Wer auf Faruque folgen soll, ist noch nicht offiziell bekannt, Konzernkreisen zufolge soll eine Britin die Aufgaben übernehmen.

Auch Anti-Geldwäsche-Verantwortlicher ist gegangen

Faruque und Weber-Rey sind indes nicht die einzigen, die erst vor überschaubarer Zeit dazu stießen und die Bank nun wieder verlassen. Erst kürzlich war bereits Dr. Ulrich Göres gegangen, der die weltweite Verantwortung für Anti-Geldwäsche und Financial Crime trug. Ihn hatte die Bank vor gut zwei Jahren von der Erste Bank geholt. Seine Position wurde zunächst interimistisch besetzt, ein Nachfolger steht soweit bekannt noch nicht fest. Und auch abseits der Compliance-Sparte war zuletzt Bewegung. So ging auch Thomas Poppensieker, der ebenfalls 2014 zu der Bank gestoßen war. Er kam damals von der Strategieberatung McKinsey und sollte als Sonderbeauftragter die verschiedenen Kontroll-Abteilungen der Bank koordinieren und einheitliche Standards durchsetzen. Weitere Abgänge in der erweiterten Führungsriege sollen Konzernkreisen zufolge unmittelbar bevorstehen.

Dass nun auch Weber-Rey die Bank verlassen wird, kommt entsprechend für Marktbeobachter nicht überraschend, im Verlauf der vergangenen Monate war zudem immer wieder über eine Reduzierung der Machtbefugnisse und ihres Einflusses spekuliert worden. Seither hatten Gerüchte über einen bevorstehenden Abschied die Runde gemacht. (René Bender, Christine Albert)