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04.05.2016

Deutsche Bahn: Rechtsabteilung auf neuen Gleisen

Gerüchte kursierten schon seit Wochen, nun ist es amtlich: Die langjährige Rechtsabteilungsleiterin der Deutschen Bahn Marianne Motherby (58) wird das Unternehmen Ende Juni verlassen. Ihr Nachfolger wird Dr. Alexander Gommlich (52), ebenfalls schon seit Jahren bei der Bahn. Seit April hat die Abteilung zudem eine neue Struktur: Aus zuvor sieben Hauptabteilungen wurden vier.

Marianne Motherby

Marianne Motherby

Motherby gehört zu den bekanntesten und angesehensten General Counsels hierzulande. Zudem sitzt sie seit 2012 in den Aufsichtsräten der Bahn-Unternehmen DB Schenker Rail und DB Regio. Nach verschiedenen Stationen in anderen Unternehmen kam sie im Dezember 2003 zur Bahn.

Nur knapp zwei Jahre später übernahm sie als Nachfolgerin von der in den Vorstand berufenen Margret Suckale die Position als General Counsel. Schon damals genoss sie bei Anwälten, die mit dem Konzern zu tun hatten, hohes Ansehen. Zuletzt erntete sie zudem Respekt für ihr Engagement im Zusammenhang mit der berufsrechtlichen Anerkennung der Syndikusanwälte. Ihre beruflichen Pläne sind derzeit nicht bekannt.

Das Personalkarussell dreht sich

Schon seit Längerem war über ihr Ausscheiden spekuliert worden. Im Sommer vergangenen Jahres hatte im Vorstand Ronald Pofalla von Gerd Becht die Verantwortung für den Bereich Recht übernommen. Seitdem wurden mehrere Positionen neu besetzt. Der frühere Sicherheitschef agiert jetzt auf europäischer Ebene für die Bahn, der Umweltbereich wurde umstrukturiert und bekam im Zuge dessen ebenfalls einen neuen Chef.

Aus dem Rechtsbereich entschied sich zudem Christopher Rother, Leiter für Regulierungs-, Wettbewerbs- und Kartellrecht, für einen Wechsel: Er eröffnete zum Jahreswechsel für die US-Kanzlei Hausfeld in Berlin. Rother war maßgeblich daran beteiligt, dass sich die Bahn einen Namen in Kartellschadensersatz-Verfahren machte. 

Rothers Abteilung ist heute Teil der Hauptabteilung Kartell-, Regulierungs- und Transportrecht, die von Dr. Friederike Finkelnburg geleitet wird. Sie war bislang Leiterin Recht Dienstleistungen und Immobilienrecht. Unter ihrer Führung sind nun die Bereiche kartellrechtliche Verfahren und Regulierung (Leitung: Dr. Eric Staebe), Kartellrecht, Schadensersatz und Ökonomie (Leitung: Dr. Tilman Makatsch), kartellrechtliche Beratung und Compliance (Leitung: Nina Simone) und Transportrecht (Leitung: George Shaw) angesiedelt.

Fürs Sparen gibt es eine eigene Abteilung

Die Hauptabteilung Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht sowie den Rechtsbereich von DB Schenker und Arriva verantwortet Dr. Alexander Wismeth, seit 2004 bei der Bahn und zuletzt Rechtschef von DB Schenker. Die Abteilung Personenverkehr und Einkauf steht unter der Leitung des designierten General Counsel Gommlich, und Andreas Clement leitet den Bereich Infrastruktur und Immobilien. Auch Gommlich und Clement sind Bahn-Urgesteine.

Zudem wurde eine Abteilung ,Insourcing‘ eingerichtet, die von Dr. Nathalie Lübben geleitet wird. Die frühere WilmerHale-Partnerin stieß 2008 zur Bahn, um den Bereich Öffentliches Recht zu führen. Nun soll sie mit einem kleinen Team dafür sorgen, dass Pofallas ambitioniertes Sparziel Realität wird. Er hatte angekündigt, die Kosten für externe Rechtsberater erheblich zu senken und mehr Arbeit ins Unternehmen zu holen. (Astrid Jatzkowski)