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30.06.2016

Frankfurt: Gibson Dunn eröffnet mit Latham-Partnern Oberbracht und Reinhardt

Die US-Kanzlei Gibson Dunn & Crutcher startet in Frankfurt und hat dafür ein hochkarätiges Duo von Latham & Watkins gewonnen. In den kommenden Wochen wechseln die beiden Transaktionsexperten Dr. Dirk Oberbracht (52) und Dr. Wilhelm Reinhardt (46). Ob ihnen weitere Anwälte folgen, ist noch nicht bekannt. Gibson Dunn ist in Deutschland bisher nur mit einem knapp 20 Anwälte zählenden Büro in München vertreten.

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Dirk Oberbracht

Mit der Verpflichtung von Oberbracht und Reinhardt holt die Sozietät zwei in Partner unter ihr Dach, die zu den renommiertesten hierzulande gehören – Oberbracht für M&A-Deals und Reinhardt an der Schnittstelle von Gesellschaftsrecht und M&A.

Oberbracht startete seine Karriere 1994 bei Hengeler Mueller, im Jahr 2000 wurde er Partner bei Baker & McKenzie. 2006 wechselte er dann als Partner ins Frankfurter Latham-Büro, das er seit 2011 als Managing-Partner führt. Oberbracht verfügt unter anderem über enge Beziehungen zum Investor One Equity Partners. Zuletzt beriet er den schwedischen Werkzeug- und Maschinenbauer Atlas Copco beim Kauf einer Sparte des Schweizer Industriekonzerns Oerlikon für knapp eine halbe Milliarde Euro. 

Auch Reinhardt hatte seine Laufbahn bei Hengeler begonnen und ist wie Oberbracht auf große Transaktionen spezialisiert. Sein Fokus liegt dabei jedoch stärker auf öffentlichen Übernahmen. Zuletzt stand er bei der geplanten Übernahme der Deutsche Wohnen durch Vonovia an der Seite der Credit Suisse, die als Financial Advisor des Vonovia-Aufsichtsrats agierte. Zudem begleitete Reinhardt das Immobilienunternehmen Fair Value REIT bei der Übernahme durch die Deutsche Mittelstand Real Estate. Und auch die chinesische Investmentgesellschaft Fosun setzte bei ihrer Beteiligung am Modeunternehmen Tom Tailor auf ihn. Reinhardt war 2004 von Hengeler zu Latham gewechselt, 2008 wurde er Partner. Zusammen mit Oberbracht spielte er in den folgenden Jahren eine maßgebliche Rolle beim Ausbau des 2001 eröffneten Frankfurter Latham-Büros.

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Wilhelm Reinhardt

Entsprechend bedeutet ihr Wechsel einen Rückschlag für Latham, die zuletzt mit mehreren hochkarätigen Neuzugängen für Aufsehen im Markt gesorgt hatte. So kam von Linklaters zu Jahresbeginn in München Dr. Rainer Traugott, einer der führenden deutschen Private-Equity-Anwälte. Nur wenige Monate zuvor hatte die US-Kanzlei die Clifford Chance-Partner Oliver Felsenstein und Burc Hesse gewonnen, zwei ebenfalls hoch angesehene Private-Equity-Spezialisten. Allerdings folgte auf diese Zugänge auf schon ein prominenter Abgang: Der Münchner Partner Dr. Jörg Kirchner, lange einer der führenden Köpfe der Transaktionspraxis, wechselte zu Kirkland & Ellis. Im Frankfurter Latham-Büro zählt die M&A-Praxis nach dem Wechsel von Reinhardt und Oberbracht künftig noch vier Partner: Felsenstein, Gregor Klenk, Dr. Hans-Jürgen Lütt und Dr. Markus Krüger.

Gibson Dunn, die neue Einheit von Oberbracht und Reinhardt, gehört zu den US-Großkanzleien, die in Deutschland bisher nur mit überschaubarer Mannschaft tätig waren. Allerdings deutete sich bereits seit Längerem an, dass die Sozietät ihre Präsenz hierzulande ausbauen will. Erst kürzlich verstärkte sich die angesehene Corporate-Praxis um Dr. Lutz Englisch, zu deren Stammmandanten etwa der Bosch-Konzern zählt, durch Dr. Ferdinand Fromholzer von Freshfields Bruckhaus Deringer. Das deutsche Büro ist eng an das internationale Netzwerk der Kanzlei angeschlossen und berät hierüber auch zahlreiche namhafte internationale Mandanten wie den Chiphersteller Intel. Einen guten Ruf genießt das Team auch in Compliance-Fragen. (Marc Chmielewski, Christin Nünemann)