Artikel drucken
06.10.2017

Schon wieder eine Mode-Pleite: White & Case-Partner übernimmt bei Gardeur

Der Hosenspezialist Gardeur ist insolvent. Das Mönchengladbacher Unternehmen, das rund 1.700 Mitarbeiter beschäftigt, hat ein reguläres Insolvenzverfahren für vier Gesellschaften beantragt. Das Amtsgericht Mönchengladbach bestellte Dr. Biner Bähr von White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Gehälter der in Deutschland tätigen Mitarbeiter sind für drei Monate gesichert, der Betrieb soll fortgesetzt werden.

Biner Bähr

Biner Bähr

Das 1920 gegründete Unternehmen Gardeur gehört zu 51 Prozent Geschäftsführer Gerhard Kränzle, 49 Prozent der Anteile hält die NRW-Bank. Der Antrag beim Amtsgericht umfasste das Vermögen der Gardeur GmbH, der Gardeur Service GmbH, der Gardeur Beteiligungs GmbH sowie der CDS Club Du Sport Bekleidung GmbH. Wegen Absatzproblemen und Kreditverbindlichkeiten hatte das Management bereits nach neuen Investoren gesucht und Gespräche mit Banken geführt – beides soll nun auch im vorläufigen Insolvenzverfahren fortgesetzt werden.

Etwa 1.400 der rund 1.700 Gardeur-Mitarbeiter sind in eigenen Produktionsstätten in Tunesien tätig. Die von Gardeur entworfenen und produzierten Damen- und Herrenhosen sind nicht nur in Kaufhäusern wie Kaufhof, Karstadt, Appelrath und SinnLeffers zu finden, sondern werden weltweit vertrieben, auch über Versand- und Facheinzelhändler. Neben der Marke Atelier Gardeur zählt zu der Firmengruppe auch die Marke Thomas Rath Trousers.

Die Insolvenz spiegelt die anhaltenden Schwierigkeiten in der Textilindustrie wider – bei Herstellern wie Händlern. Die strauchelnde Wöhrl-Gruppe fand im Frühjahr neue Eigner im weiteren Familienkreis, die angeschlagene Bremer Modegruppe Zero gewann Investoren aus der Schweiz, SinnLeffers und Laurèl konnten ihre Insolvenzverfahren gerade erfolgreich hinter sich lassen, auch für die Firma René Lezard wurde jüngst ein mehrstufiger Insolvenzplan entwickelt. Die Modekette Basler hingegen muss abgewickelt werden.

Insolvenzverwaltung
White & Case (Düsseldorf): Dr. Biner Bähr (vorläufiger Insolvenzverwalter); Associates: Dr. Felix Höpker,  Dr. Daniel Schwartz (beide Restrukturierung; Düsseldorf)

Markus Küthe

Markus Küthe

Berater Gardeur
Kluth (Düsseldorf): Dr. Thomas Kluth, Markus Küthe (Federführung; beide Insolvenzrecht), Max Hasenclever, Rebecca Piechowiak (beide Handels- und Gesellschaftsrecht); Associate: Marcus Spangenberger (Insolvenzrecht)

Hintergrund: Biner Bähr zählt zu den bekanntesten deutschen Insolvenzverwaltern, er begleitet etwa die Teldafax-Pleite. Auch im Modehandel kennt sich Bähr aus: So hat er die mehr als 70 Warenhäuser in der Hertie-Insolvenz verwaltet und war für die Motorradbekleidungskette Hein Gericke tätig.

Das insolvenzrechtlich versierte Team von Kluth hatte die Gardeuer-Geschäftsführung schon in den vergangenen Wochen bei Verhandlungen mit den Banken und im Hinblick auf Investorengespräche unterstützt. Es begleitet sie nun auch zum Insolvenzeröffnungsverfahren. Der Kontakt kam zustande, als die Kanzlei die SinnLeffers-Sanierung in Eigenverwaltung managte. (Sonja Behrens)