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06.10.2017

Inhouse USA: Gehälter der Rechtschefs sind weiter im Steigflug

Die Einkommen der General Counsel in Amerikas größten Unternehmen steigen weiter. Es sind vor allem die Boni und ähnliche nicht aktienbasierte Gehaltsbestandteile, die den Verdienst der US-General Counsel ausmachen. Alle 100 General Counsel, die das US-Branchenmagazin ,Corporate Counsel‘ erfasst, kommen jeweils auf ein Einkommen von mehr als einer Million US-Dollar. Zum zweiten Mal seit 1994 steht eine Frau an der Spitze der Top-Verdiener.

2016 legten die Boni im Schnitt um 5,2 Prozent auf rund 1,4 Millionen US-Dollar zu. Die Grundgehälter sanken hingegen leicht um 1,1 Prozent auf knapp 700.000 Dollar. Insgesamt legte die Barvergütung so um 3 Prozent zu und lag 2016 im Schnitt bei 2,1 Millionen US-Dollar.

Mit deutlichem Abstand war Denise ­Keane, General Counsel des Tabakkonzerns Altria, im vergangenen Jahr die Spitzenverdienerin. Vor einigen Jahren war sie schon einmal die bestbezahlte General Counsel, und sie ist bis heute die einzige Frau, die in den letzten gut 20 Jahren das Einkommensranking anführte. Mitte dieses Jahres verabschiedet sie sich. Ingesamt ist knapp ein Viertel der Großverdiener weiblich, ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr.

Die Vergütung der US-General Counsel in den großen Konzernen steigt seit Jahren. Seit 2011 legte die durchschnittliche Barvergütung um fast 22 Prozent zu. Diese Entwicklung beruht darauf, dass sich die Rolle der Chefjuristen verändert hat. Sie gehören in den Konzernen heute selbstverständlich zum Managementteam und haben schon aufgrund deshalb an Einfluss und Verantwortung gewonnen.

Doch letztlich ist die jährliche Erhebung von ,Corporate Counsel‘ nur ein kleiner Ausschnitt der Gehaltslandschaft in den USA. Breiter angelegte Erhebungen kommen zu deutlich moderateren Einkommen. So geht der Personaldienstleister Robert Half Legal davon aus, dass im laufenden Jahr ein Unternehmensjurist mit zehn oder mehr Jahren Erfahrung je nach Unternehmensgröße auf ein Gehalt zwischen 137.500 und 269.500 US-Dollar kommt. Das liegt durchaus im Rahmen dessen, womit Chefjuristen auch in Deutschland etwa rechnen können. Und auch hierzulande legen die Gehälter nach JUVE-Erhebungen zu.

Risikozuschlag

Die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland zeigen durchaus weitere Parallelen. Hier wie dort steigen die Rechtsrisiken und entsprechend wird das interne rechtliche Know-how für die Unternehmensführung wichtiger. 

Das Vordringen US-amerikanischer Prozessrisiken in Deutschland könnte auch deutschen General Counsel künftig gute Argumente in ihren Gehaltsverhandlungen liefern. Das Vorgehen von Klägerkanzleien im Fall VW zeigt, dass es Mittel und Wege gibt, das althergebrachte, eher unternehmensfreundliche Klagegefüge in Deutschland aus den Angeln zu heben. Sollten es den Anwälten am Ende doch gelingen, Schadensersatz für Kunden des Autokonzerns zu erstreiten, dürfte das Beispiel Schule machen. Das würde auch der politischen Debatte um Sammelklagen, sei es auf nationaler, sei es auf europäischer Ebene, neuen Schwung und womöglich eine neue Richtung geben. Im Kartellrecht etabliert die 9. GWB-Novelle bereits prozessuale Rechte, die hierzulande in Zivilrechtsstreitigkeiten unbekannt sind. Sie verpflichtet die Kartellanten in einem auf das Kartell folgenden Schadensersatzprozess zur Herausgabe von Dokumenten. Von dieser Regelung ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Discovery nach US-Muster. (Astrid Jatzkowski)