Artikel drucken
15.04.2013

Korruption & Compliance: Ernst & Young stärkt FIDS-Bereich mit Ex-CCO von Daimler Bus

Bei Ernst & Young ist am Standort Wien erstmals ein Partner im Bereich Fraud Investigation & Dispute Services (FIDS) tätig. Zum April hat Andreas Frohner (45) die neu geschaffene Stelle und damit zugleich die Leitung Bereichs FIDS bei der Big-Four-Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft übernommen.

Andreas Frohner

Andreas Frohner

Der in Österreich und New York zugelassene Anwalt und österreichische Steuerberater war zuletzt CCO der Daimler-Bussparte und damit für die Implementierung und Umsetzung von Compliance-Richtlinien in der Division weltweit zuständig.

Bei Ernst & Young trägt er Verantwortung für sieben Mitarbeiter, davon ein Manager. Seinem Team gehören drei Juristen an, die alle auf Assistenzebene tätig sind. “Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz hinkt die Präsenz von FIDS bei Ernst & Young in Österreich hinterher”, sagte Frohner. Insgesamt bewege sich das Thema Compliance hierzulande auf einem Level, “das Deutschland in vielen Bereichen bereits hinter sich hat, nämlich dass die Form über die Substanz gestellt wird”.

Der Kontakt zwischen Frohner und Ernst & Young kam durch eine Reihe von Vorträgen zustande. Als Ernst & Young-Partner wird er neben rein forensischen Untersuchungen einen Fokus auf die Beratung von Compliance-Management-Systemen legen, sowohl unter rechtlichen als auch unternehmensprozessualen Aspekten. Einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt Frohners wird zudem die Integration von FIDS-Kompetenzen in Jahresabschlussprüfungen darstellen.

Erfahrung als externer Berater und als interner Compliance-Spezialist

Frohner bringt praktische Erfahrung aus seiner Zeit bei Daimler mit, wo er seit 2011 als Divisional Chief Compliance Officer für die weltweiten Compliance-Aktivitäten der Bussparte des Dax-Unternehmens verantwortlich zeichnete. Zuvor war er zehn Jahre lang, zuletzt als Counsel, Anwalt im Wiener Büro der internationalen Sozietät Skadden Arps Slate Meagher & Flom. Dort gehörte er unter anderem zu dem Team, das an SEC-Untersuchungen bei Daimler beteiligt war. Zuvor war er von 1998 bis 2001 als Steuerberater bei Arthur Andersen in Wien tätig gewesen. Seine Karriere begonnen hatte Frohner eineinhalb Jahre zuvor bei CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati.

Frohners Stelle bei Daimler wird nicht wieder besetzt. Vielmehr werden die Aufgaben unter der Leitung von Dr. Kurt Michels, bisher CCO von Daimler Trucks, gebündelt. “Daraus sollte man keinesfalls den Schluss ziehen, die Entwicklung sei eine Abwertung des Compliancethemas in der Bus Division von Daimler”, sagte Frohner. Das Gegenteil sei der Fall. Vielmehr sei die Zusammenlegung inhaltlich motiviert und Ergebnis eines Effizienzprozesses. (Geertje Oldermann)