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17.12.2015

ORF-Deal: Wiener Philharmoniker setzen wieder auf Boehmert & Boehmert

Die Wiener Philharmoniker setzen ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem ORF fort: Neben der Ausweitung der bisherigen TV-Übertragung ihrer Konzerte wurde erstmalig auch eine Online-Auswertung vereinbart. Dafür holt sich der ORF die Expertise des Münchner Medienmanagers Jan Mojto an Bord.

Christian Czychowski

Christian Czychowski

Über ein gemeinsames kostenpflichtiges Online-Klassikportal, das im Frühjahr 2016 an den Start geht, sollen jährlich drei philharmonische Abonnementkonzerte der Philharmoniker zum Abruf bereitstehen. „ Das ist unsere Antwort auf die Wünsche der digitalen Gesellschaft“, begründete Andres Großbauer, Vorstand der Wiener Philharmoniker, den Schritt. Das selbstverwaltete Orchester dürfte für dieses Zukunftsprojekt attraktive Angebote von etablierten Musikportal-Betreibern in den Wind geschlagen haben.

Das Portal beruht auf dem neuen Joint Venture Klassik Digitalvertrieb des ORF mit der Münchner Firma Unitel. Die Rechtehändlerin ging einst aus Cosmotel hervor, die Leo Kirch mit Herbert von Karajan begründet hatte. Heute zeichnet sie Hunderte Opern und Klassikkonzerte auf und vertreibt sie als Teil der Unternehmensgruppe von Jan Mojto.

Für die ORF-Senderchefs ist die Kooperation mit den Philharmonikern zum einen Traditionspflege, schließlich überträgt der Sender das Neujahrskonzert, das mittlerweile 50 Millionen TV-Zuschauer weltweit erreicht, schon seit 1959. Darüber hinaus dient die intensivierte Zusammenarbeit der Digitalisierungsstrategie. Denn die zukünftige Internetplattform wird neben gestreamten Liveübertragungen von Klassikveranstaltungen auch ein 24-Stunden-Klassik-TV-Angebot anpeilen und musikalisches Video on Demand anbieten aus dem Bestand beider Joint-Venture-Partner.

Gleichzeit wurde der 2017 auslaufende Vertrag zur TV-Übertragung der weltweit bekannten Neujahrs- und Sommernachtskonzerte der Wiener Philharmoniker bis inklusive 2022 verlängert.

Berater Wiener Philharmoniker
Boehmert & Boehmert (Berlin): Prof. Dr. Christian Czychowski
Inhouse Recht (Highlight Event; Luzern): Ferdinand von Strantz – aus dem Markt bekannt

Berater Österreichischer Rundfunk
Inhouse Recht (Wien): Dr. Gabriela Krassnigg-Kulhavy, Dr. Stephan Hönigmann (beide Leal Counsel) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund:  Maßgeblich in die Verhandlungen eingebunden waren nach JUVE-Informationen die oben genannten Inhouse-Counsel des ORF, sowie die ebenfalls juristisch ausgebildete Alexandra Fida, die das neue Joint Venture mit Unitel leiten wird. Seit Oktober 2012 führt sie die eigene ORF-Stabstelle ‘New Business Development’  und als Commercial Managerin zeichnete sie auch für den Eurovision Song Contest 2015 in Wien mitverantwortlich.

Ferdinand von Strantz, CEO der Schweizer Highlight Event AG und ein in Deutschland qualifizierte Jurist, fungiert als Vermarkter der Philharmoniker TV-Konzerte. Sein Unternehmen ist beispielsweise auch für die weltweite Verwertung des Eurovision Song Contest zuständig. Für das Orchester war auch Philharmoniker-Geschäftsführer Harald Krumpöck eingebunden.

Aus der Berliner Sozietät Boehmert & Boehmert, die für ihre Expertise auf dem Gebiet des Geistigen Eigentums und der Patent-Litigation bekannt ist, war in den letzten Jahren vor allem der Musikrechtsexperte Christoph Schmökel als Anwalt der Wiener Philharmoniker aufgetreten. Er brachte die Mandantin schon mit, als er sich der Sozietät Anfang 2008 anschloss. Gemeinsam mit dem Wiener Einzelanwalt Dr. Albrecht Haller verteidigte er beispielsweise 2009 die Wortmarke “Neujahrskonzert” gegenüber dem Wiener Hofburgorchester. Bei den jüngsten Deals mit dem ORF lag die Federführung nun bei dem jüngeren Urheberrechtspartner Christian Czychowski. (Sonja Behrens)