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01.09.2017

Großwäscherei Wozabal: Insolvenzverfahren mit heimischen Verwaltern

Das oberösterreichische Miettextilien-Unternehmen Wozabal hat Insolvenz angemeldet, betroffen sind knapp 800 Mitarbeiter. Nachdem ein außergerichtlicher Rettungsversuch im Streit gescheitert war, haben die Landesgerichte Linz und Wels über sechs Teilgesellschaften Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingeleitet.

Thomas Zeitler

Thomas Zeitler

Laut dem Gläubigerschutzverband KSV1870 belaufen sich die Verbindlichkeiten der Firmengruppe insgesamt auf 104 Millionen Euro, betroffen sind rund 680 Gläubiger. Es handelt sich damit um die größte Insolvenz in Oberösterreich, seit 2013 die Drogeriekette Dayli pleite ging.

Bereits Mitte August wurde bekannt, dass Wozabal ihren Angestellten die fälligen Löhne nicht auszahlen kann. Die Hausbanken hatten die Konten gesperrt, da fällige Kredite nicht zurückgezahlt wurden.

Aktuell soll das Geschäft durch eine Zwischenfinanzierung von fünf Millionen Euro zunächst weiterlaufen, die erste Gläubigerversammlung findet am 24. Oktober in Linz statt.

Die finanziellen Schwierigkeiten von Wozabal liegen in einem schnellen Wachstum verbunden mit großen Investitionen begründet. Mit ausgeklügelten Konzepten für OP-Mehrweg-Bekleidung und Investitionen in Mikrochiptechnologien konnte das Unternehmen in den vergangenen Jahren mehrere große Ausschreibungen gewinnen, unter anderem für die Vorarlberger Krankenhausbetriebe und die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Um die neuen Aufträge zu stemmen, eröffnete Wozabal einen neuen Standort in Rankweil, baute den in Enns aus – und übernahm sich offenbar finanziell.

Erster Rettungsversuch gescheitert

Um die finanzielle Schieflage wieder in den Griff zu bekommen und eine Pleite abzuwenden, setzten die drei Hausbanken Oberbank, Raiffeisenlandesbank und Sparkasse Oberösterreich Anfang 2017 Tassilo Gruber und Andreas Gaisbauer als Sanierer ein. Christian Wozabal zog sich aus der Geschäftsführung zurück.

Bei dem von den Sanierern vorgeschlagenen Rettungskonzept sollte der Großteil des Unternehmens an einen Investor verkauft und die Familie Wozabal mit fünf Millionen Euro abgefunden werden. Medienberichten zufolge waren unter anderem der österreichische Konkurrent Salesianer und die französische Elis an einer Übernahme interessiert. Doch Christian Wozabal wollte verhindern, dass das Unternehmen zerschlagen wird und übernahm Anfang August wieder die Geschäftsführung. Das geschah gegen den Willen der Banken, die kurz darauf die Konten sperrten.

Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Enns wurde 1896 gegründet und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter. Wozabal beliefert täglich rund 2.000 Kunden – in erster Linie Krankenhäuser, aber auch Hotels, Altenheime oder Gastronomiebetriebe – mit 175 Tonnen Wäsche und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 70,1 Millionen Euro. Damit ist das Unternehmen hinter dem Wettbewerber Salesianer, der ungefähr doppelt so viel Miettextilien bereitstellt, die Nummer Zwei in Österreich.

Masseverwalter Wozabal Management
Jaeger Loidl Welzl Schuster Schenk (Linz): Christopher Schuster

Masseverwalter Wozabal Mietberufsbekleidung
Dr. Martin Stossier Dr. Roland Heitzinger Mag. Philipp Stossier (Wels): Dr. Martin Stossier, Philipp Stossier (Stellvertreter)

Masseverwalter Wozabal MPZ Medizinproduktezentrum
Grassner Lenz Thewanger & Partner (Linz): Dr. Norbert Mooseder, Dr. Günther Grassner (Stellvertreter)

Masseverwalter Wozabal Sterilgut – Systeme
Insolvenz-Treuhand Gesellschaft (Wels): Christoph Doppelbauer

Masseverwalter Wozabal Textile Logistik
Schiller (Schwanenstadt): Dr. Klaus Schiller

Masseverwalter Wozabal Textilservice Gesellschaft
Beurle Oberndorfer Mitterlehner (Linz): Dr. Thomas Zeitler, Dr. Rudolf Mitterlehner (Stellvertreter)

Hintergrund: Als Masseverwalterstellvertreter wurde außerdem René Lindner (Hengstschläger Lindner und Partner) bestellt. In dem Verfahren agieren erfahrene Insolvenzverwalter und -experten Österreichs: Lindner und Stossier waren 2016 mit der Pleite von GLS Bau und Montage befasst, Dr. Thomas Zeitler verwaltete die Insolvenz des Schlecker-Nachfolgers Dayli.

Schiller und Stossier wickelten gemeinsam mit Christoph Doppelbauer von der Kanzlei Gumboldsberger Doppelbauer Bittermann eine der größten österreichischen Insolvenzen des Jahres 2015 für die FMT-Firmengruppe ab. Im gleichen Jahr übernahmen Mooseder und Grassner übernahmen die Insolvenzverwaltung für die Bäckereigruppe Pan. (Annette Kamps)