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27.06.2011

Ferrostaal: Volk und von Galen verhandeln mit Münchner Justiz um 177 Millionen Euro

Das Landgericht München hat einen Vorschlag für eine Verständigung mit Ferrostaal auf den Tisch gelegt: Pressemeldungen zufolge soll Ferrostaal für seine U-Boot-Geschäfte in Griechenland und Portugal 177 Millionen Euro zahlen. Der Löwenanteil wäre abgeschöpfter Gewinn.

Klaus Volk

Klaus Volk

Teil des vorgeschlagenen Deals soll auch die Strafe für den bereits angeklagten Ex-Vorstand Johann Friedrich Haun und den früheren Griechenland-Verantwortlichen Hans-Dieter M. sein. Beiden sei eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt worden.

Wie es heißt, ist eine Einigung aber noch nicht in trockenen Tüchern. Die beiden Verteidiger hätten sich bislang ebenso wenig zu dem Vorschlag geäußert wie die Staatsanwaltschaft. Auch Ferrostaal überlegt noch. Die Münchner Ermittler hatten zuvor höhere Summen von dem Unternehmen gefordert. Ferrostaal hatte die Zahlung abgelehnt.

Verantwortliche des Unternehmens sollen für Aufträge in Griechenland und Portugal Schmiergeld bezahlt haben. Die genaue Höhe steht, soweit bekannt, bislang nicht eindeutig fest. Im Hintergrund gehen derweil auch die Auseinandersetzungen zwischen der früheren Ferrostaal-Eignerin MAN und dem jetzigen Mehrheitseigner IPIC weiter. Wenige Monate nach dem Deal waren seinerzeit die Vorwürfe der Korruption laut geworden. Seitdem diskutieren MAN, die am heutigen Montag ihre Hauptversammlung abhält, und IPIC über die Kosten des Korruptionsskandals sowie die Übernahme der noch von MAN gehaltenen Anteile durch IPIC. Nach einer Unterbrechung hatten die beiden Unternehmen erst vor Kurzem ihre Gespräche wieder aufgenommen.

Vertreter Ferrostaal
von Galen Gaigl Möllmann Bertke von Schlieffen (Berlin): Dr. Margarete Gräfin von Galen
Prof. Dr. Klaus Volk (München)

Vertreter Johann Friedrich Haun
Dr. Kai Hart-Hönig (Wiesbaden)

Vertreter Hans-Dieter M.
Prof. Dr. Holger Matt (Frankfurt)

Staatsanwaltschaft München
Brigitte Schroeder (Oberstaatsanwältin)

Landgericht München, 6. Strafkammer
Joachim Eckert (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt. Die Vertreter an der Seite von Ferrostaal hatten im Verlauf des Ermittlungsverfahrens gewechselt. Volk selbst kam erst vor relativ kurzer Zeit ins Mandat. Wie es heißt, habe das Unternehmen neben von Galen jemanden gesucht, der als Münchner und ehemaliger Uni-Professor bei der Staatsanwaltschaft womöglich ein besseres Standing als die anerkannte Berliner Strafrechtlerin hat. Volk verteidigt in München aktuell den früheren Chef der BayernLB Werner Schmidt (mehr…).

Matt und Hart-Hönig gehören zu den angesehenen Strafverteidigern hierzulande. Matt vertritt auch einen ehemaligen MAN-Manager im Zusammenhang mit deren Korruptionsaffäre (mehr…). Beide engagieren sich auch auf Seiten von Unternehmen.

Ferrostaal hat seit Beginn der Ermittlungen auch die interne Neuorganisation in Angriff genommen: Vor gut einem Jahr holte das Unternehmen den damaligen Chief Compliance Officer von Siemens, Dr. Andreas Pohlmann, in den Vorstand (mehr…). Auch der Posten des Chefjuristen wurde neu besetzt. Hierfür gewann Ferrostaal Dr. Thomas Sonnenberg von Sal. Oppenheim (mehr…). (Astrid Jatzkowski)