Artikel drucken
28.02.2012

Kaffeestreit: Dallmayr erwirkt mit Hoffmann Eitle einstweilige Verfügung gegen Tchibo

Tchibo darf voraussichtlich nicht mehr damit werben, Deutschland habe sich in einem Test mehrheitlich für den Tchibo-Kaffee “Feine Milde” entschieden. Konkurrent Dallmayr erwirkte vor dem Landgericht München I eine entsprechende einstweilige Verfügung. In der darauf folgenden mündlichen Verhandlung ließ das Gericht Presseberichten zufolge durchblicken, dass sie diese im Urteil bestätigen würde.

Ortrun Günzel

Ortrun Günzel

Der Hamburger Kaffee-Konzern Tchibo hatte das Marktforschungsinstitut GfK mit einer Studie beauftragt. Bei dieser waren 1.022 Testpersonen in fünf Gruppen von rund 200 Personen befragt worden. In jeder dieser Gruppe wurde den Probanden jeweils ein Tchibo-Kaffee “Feine Milde” und ein Konkurrenzprodukt zum Geschmackstest vorgelegt. Eines der getesteten Konkurrenzprodukte war Dallmayr Prodomo.

Die Ergebnisse dieser Studie nutzte Tchibo dann in einer Werbekampagne, unter anderem auf Internetbannern, in einem Youtube-Video und auf Plakaten. Der Hamburger Kaffeekonzern warb unter anderem mit der Aussage “Deutschland hat entschieden”. Die große Mehrheit der “Kaffeeliebhaber” habe sich im Geschmackstest für den Tchibo-Kaffee entschieden.

Dallmayr griff die Kampagne soweit bekannt an mehreren Punkten an: So bemängelte das Unternehmen unter anderem, dass die Vorgehensweise bei der Studie nicht zu der Aussage “Deutschland hat entschieden” führen könne, da der sogenannte “Paarvergleichstest” nicht repräsentativ sei und die Befragung zudem nur in Großstädten stattgefunden habe. Außerdem sei das Ergebnis der Befragung nicht so klar ausgefallen, wie Tchibo dies nun in der Kampagne darstelle. Berichten zufolge hielt Tchibo den Vorwürfen in der Verhandlung entgegen, die Studie sei nach wissenschaftlichen Methoden durchgeführt worden.

Vertreter Dallmayr
Hoffmann Eitle (München): Ortrun Günzel

Vertreter Tchibo
White & Case (Hamburg): Dr. Frederik Thiering

Landgericht München I, 33. Kammer
Lars Meinhardt (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Alle Beteiligten sind aus dem Markt bekannt. Die Münchner IP-Kanzlei Hoffmann Eitle verwaltet das Markenportfolio von Dallmayr und berät und vertritt das Unternehmen soweit bekannt umfassend im Marken- und Wettbewerbsrecht.

Über die Mandatsbeziehung zwischen Tchibo und White & Case im IP ist nichts bekannt. Marken des Unternehmens wurden in der Vergangenheit vor allem von Hogan Lovells bzw. der Vorgängersozietät Lovells am Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet. (Catrin Behlau)