Schadensersatzforderungen abgewiesen: Porsche feiert mit Hengeler ersten Etappensieg
Im Streit um die gescheiterte Übernahme des VW-Konzerns hat der Autobauer Porsche einen ersten Etappensieg errungen. Das Landgericht Braunschweig wies zwei millionenschwere Schadenersatzklagen von Investoren ab (5 O 1110/11 und 5 O 2894/11). Die Aktionäre hatten Porsche Marktmanipulation im Zusammenhang mit der versuchten VW-Übernahme vorgeworfen.
Markus Meier
Die erste der beiden Klagen, angestrengt von dem Einzelkläger Ariel Cukierman, richtete sich gegen die Porsche-Holding und die Frankfurter Maple Bank, die seinerzeit den Einstieg von Porsche bei VW abgewickelt hatte. Der Kläger forderte 3,1 Millionen Euro. In der zweiten Klage forderte die Schweizer Anlagegesellschaft Mycapital 1,6 Millionen Euro. Das jetzige Urteil ist das erste in einer Reihe von ähnlich gelagerten Verfahren, es könnte eine Signalwirkung für weitere Entscheidungen haben. Es folgen noch drei weitere Prozesse, bei denen die Klagesumme insgesamt bei mehreren Milliarden Euro liegt und von denen zum Teil auch VW betroffen ist.
Porsche wollte 2008 den deutlich größeren Wettbewerber VW kaufen, verhob sich aber finanziell und wurde letztlich selbst von VW übernommen. Die Kläger werfen Porsche vor, seine Absichten zur Übernahme von VW zunächst verheimlicht zu haben, obwohl hinter den Kulissen längst daran gearbeitet wurde. In einer Pressemitteilung hatte Porsche damals noch Übernahmeabsichten dementiert. Dadurch seien sie getäuscht worden, so die beiden Kläger. Sie hatten auf fallende Kurse der VW-Aktien gesetzt, im Zuge des Übernahmeversuchs durch Porsche stieg der Wert der Papiere jedoch rasant an.
Beide Kläger prüfen bereits, ob sie gegen das Urteil Berufung einlegen.
Vertreter Cukierman
FPS Fritze Wicke Seelig (Berlin): Christoph von Arnim
Vertreter Porsche
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Markus Meier (Federführung), Manuela Roeding; Associate: Dr. Philipp Hanfland – aus dem Markt bekannt
Vertreter Maple Bank
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton (Frankfurt): Thomas Buhl
Landgericht Braunschweig, 5. Zivilkammer
Stefan Puhle (Vorsitzender Richter)
Hintergrund: Dass Porsche in den Verfahren auf Hengeler setzt, überrascht nicht, denn die Kanzlei hatte schon im ursprünglichen Übernahmekampf um VW eine wesentliche Rolle gespielt (mehr…). In der vorgeschalteten und letztlich gescheiterten Mediation hatte Hengeler-Partner Dr. Andreas Austmann Porsche betreut, im Prozess kam dann mit Markus Meier der wohl profilierteste Litigation-Anwalt der Kanzlei zum Zug.
Neben der langjährigen Mandatsbeziehung von Cleary zur Maple Bank gibt es auch eine enge personelle Verzahnung. Seit Oktober 2010 ist Jochen Mann General Counsel der kanadischen Bank (mehr…). Zuvor arbeite der Bank- und Kapitalmarktrechtler 14 Jahre lang in diversen Cleary-Büros, zuletzt als Senior Associate.
VW war im jetzigen Verfahren nicht unmittelbar beteiligt, jedoch in weiteren Prozessen. Der Konzern lässt sich dabei vom Braunschweiger Göhmann-Partner Dr. Dirk Beddies vertreten. (René Bender, Volker Votsmeier, Ulrike Barth)
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