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2012-10-04

Gegenangriff: Sal. Oppenheim verklagt mit Heuking Schuhunternehmer Deichmann auf 60 Millionen Euro

Wegen ausstehender Darlehensforderungen hat Sal. Oppenheim die Familie des Schuhunternehmers Deichmann auf knapp 60 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Damit antwortet die Bank auf eine Klage, die von den Deichmanns wegen Fehlinvestments in Oppenheim-Esch-Fonds schon vor Jahren gegen sie selbst und andere beteiligte Parteien eingereicht wurde.

Arndt Begemann

Arndt Begemann

Die Widerklage von Sal. Oppenheim ging Ende September beim LG Bonn ein. Die Familie Deichmann habe die Darlehen nicht so bedient, wie ursprünglich vereinbart, so der Vorwurf.

In dem Streitkomplex geht es um Fonds, die in Filmstudios in Hürth-Ossendorf und die Kölner Messehallen investiert hatten. Die Fonds konnten die Renditeerwartungen bei Weitem nicht erfüllen, so dass die Familie Deichmann zunächst gegen die Bank selbst und weitere Beteiligte vorging. Unter den Beklagten befindet sich auch die Sparkasse KölnBonn und deren ehemaliger Vorstandschef Gustav Schröder. Die Fonds waren steuergünstig mit Hilfe von Sparkassen-Darlehen finanziert worden.

Die Deichmanns wollen mit der Klage auch andere Beteiligte in Anspruch nehmen. Insbesondere ist dies die Esch-Gruppe und dort die beiden Hauptverantwortlichen Josef Esch sowie der kürzlich verstorbene Geschäftsführer Lothar Ruschmeier. Ein zentraler Vorwurf der Deichmanns ist, dass Sal. Oppenheim, die Sparkasse und die Esch-Gruppe sich zu ihren Lasten abgestimmt haben.

Sowohl die Klage als auch die Widerklage werden Gegenstand der Verhandlung sein, die am 23. Oktober vor dem LG Bonn stattfindet.

Vertreter Familie Deichmann
Luther (Essen): Dr. Arndt Begemann

Vertreter Sal. Oppenheim
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Köln): Dr. Frank Wardenbach
Inhouse (Köln): Dr. Jörg Mucke (Leiter Rechtsabteilung), Alexander Geuer

Vertreter Sparkasse KölnBonn
Görg (Köln): Dr. Yorick Ruland; Associates: Dr. Thomas Lange, Dr. Sven Erdmann

Vertreter Esch-Gruppe
Busse & Miessen (Bonn): Dr. Torsten Arp, Wolfgang Miessen, Michael Schorn, Dr. Christof Kiesgen

Vertreter Gustav Adolf Schröder
Wirtz & Kraneis (Köln): Dr. Thomas Klein

Vertreter Lothar Ruschmeier (Rechtsnachfolger)
Friedrich Graf von Westphalen & Partner (Köln): Dr. Uwe Steingröver

LG Bonn, 2. Kammer
Margret Dichter (Vorsitz)

Hintergrund: Zwischen dem Bankhaus Sal. Oppenheim und Heuking besteht schon eine langjährige Verbindung. Insbesondere Namenspartner Dr. Hans-Jochem Lüer ist früher häufig von der Privatbank mandatiert worden, auch als Gutachter im Zusammenhang mit dem umstrittenen 380-Millionen Euro ADG-Kredit an die Quelle Erbin Madeleine Schickedanz. Der ADG-Kredit beschäftigt inzwischen die Staatsanwaltschaft und Insider gehen davon aus, dass es in Kürze zu einer neuen Anklage kommen wird. Die Tragweite dieses Komplexes soll erheblich sein. Bislang geht es vor Gericht lediglich um umstrittene Grundstücksgeschäfte in Köln und Frankfurt (mehr…).

Seit der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank tritt Heuking aber im Wesentlichen nur noch in Mandaten auf, die schon seit Jahren anhängig sind, wie im Fall Deichmann oder der Klage des Bankerben Wilhelm von Finck junior, die ebenfalls vor dem LG Bonn anhängig ist (mehr…). Viele Prozessmandate vertritt inzwischen Noerr, ihre Aufträge resultieren aus einem Rahmenvertrag mit der Deutschen Bank. Vor dem LG Köln ist Noerr in der Klage des Anlegers Pfeil (mehr…) und vor dem LG Frankfurt in der Klage des Anlegers Pachmann mandatiert. In der Milliardenklage von Madeleine Schickedanz tritt Hengeler Mueller für Sal. Oppenheim auf (mehr…).

Auf Seiten der Investoren bearbeitet Luther einen Großteil der Mandate. Neben der Familie Deichmann setzen der Maxdata-Gründer Holger Lampatz, der frühere VW-Chef Dr. Carl Hahn, die Harald und Hilde Neven DuMont-Stiftung, die Familie Nanz/Korb/Baur von der Nanz-Gruppe und Gerd Reimann-Dubbers (früher Benckiser) auf den Rechtsrat von Luther. (Volker Votsmeier)