Artikel drucken
28.02.2013

S&K-Skandal: Strafverteidiger positionieren sich für mutmaßliche Abzocker-Geschäftsführer

Dr. Ulrich Endres vertritt nach JUVE-Informationen nun auch die Interessen  von Jonas Köller. Der Geschäftsführer der Frankfurter Immobiliengruppe S&K ist derzeit wegen des Verdachts auf Anlagebetrug in Haft. Sein ebenfalls inhaftierter Mitgeschäftsführer Stephan Schäfer hat Catrin Runge mandatiert. Runge betreibt in Hofheim am Taunus eine eigene Kanzlei, arbeitet aber mit Endres häufig zusammen.

GefängnisVor allem Endres ist bekannt für seine Arbeit in spektakulären Prozessen. Schon häufiger vertrat er dabei Mandanten, die in der Öffentlichkeit in einem besonders schlechten Licht erscheinen. Beispiele dafür sind die Verteidigung des Kindermörders Magnus Gäfgen und von Mitgliedern der Hells Angels. Endres´ Markenzeichen ist die Vertretung in Mord- und Totschlagsprozessen. In Wirtschaftsstrafverfahren war er dagegen bislang weniger präsent. Dennoch passt das jetzige Mandat in der S&K-Affäre zumindest in Endres Mandatsraster. Schließlich ist die S&K-Betrugsaffäre nicht nur aufgrund ihrer finanziellen Dimension besonders öffentlichkeitswirksam, sondern vor allem auch aufgrund des zweifelhaften Rufs der beiden S&K-Gründer Schäfer und Köller, die einen exzessiven, protzigen Lebensstil pflegten. Nicht zuletzt aufgrund dieses schlechten Images hätten nach JUVE-Informationen einige der bekannten, auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisierten Kanzleien einer etwaigen Mandatsübernahme kritisch gegenüber gestanden und Auswirkungen auf das eigene Image befürchtet.

Köller und Schäfer sollen mit zahlreichen Komplizen verantwortlich sein für einen der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland seit Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gewerbs- und bandenmäßiger Betrug mit Kapitalanlagen sowie Untreue vor und geht von einem Schaden im dreistelligen Millionenbereich aus. Die S&K-Chefs sollen mit weiteren Firmen in Hamburg und Köln ein betrügerisches Firmennetz aufgebaut haben, das Anleger durch ein Schneeballsystem um ihre Gelder gebracht hat. In der vergangenen Woche holte die Justiz dann zu einem großen Schlag aus. Sie führte mit 1.200 Beamten und 15 Staatsanwälten rund 130 Durchsuchungen in ganz Deutschland durch. Dabei stellte sie Vermögenswerte von über 100 Millionen Euro sicher, unter anderem Immobilien, Konten und Luxusautos.

Im Zuge der Razzia wurden zunächst sechs Verdächtige verhaftet, insgesamt wird gegen rund 50 Personen ermittelt. Unter den Verhafteten ist neben Köller und Schäfer auch der Frankfurter Hausanwalt der S&K-Gruppe, Igor P., der zugleich auch Notar ist. Ebenso in Haft kam der Ingenieur und Architekt Bernd Z., der den Wert des Immobilienbestands mit zweifelhaften Gutachten haben soll, sowie Hauke B. und Thomas G., Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors, das mit S&K kooperierte und S&K-Fonds auflegte. In dieser Woche musste dann nach JUVE-Informationen auch Daniel F. hinter Gittern, seit dem vergangenen Jahr ebenfalls Mitglied im S&K-Führungszirkel. Über ihre strafrechtlichen Vertreter ist bislang nichts bekannt.

Kurzzeitig festgenommen worden war in der vergangenen Woche auch der Regensburger Stadtrat und Anwalt Dr. Gero Kollmer, der im S&K-Geflecht als Treuhänder ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Durchsucht wurde im Zuge dessen auch Kollmers Ex-Kanzlei BLTS, für die er bis vor rund einem Jahr tätig war.

Zumindest ins Visier der Staatsanwaltschaft gerückt ist Dorothee Schöneich, bislang Herausgeberin der ‚Finanzwelt‘. Medienberichten zufolge geht die Justiz dem Verdacht nach, dass sie in dem Anlegermagazin für geschönte Berichterstattung über S&K gesorgt hat. Im Gegenzug dafür soll sie Berichten zufolge üppige Provisionszahlungen erhalten haben. Über ihren langjährigen presserechtlichen Berater Philipp von Mettenheim, Partner der Sozietät OMG in Hamburg, dementierte sie, Einfluss auf redaktionelle Berichterstattung genommen zu haben und die Trennung zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt missachtet zu haben. Im Interesse des Vertrauens in das Magazin sei sie aber mit sofortiger Wirkung als Herausgeberin zurückgetreten. Strafrechtlich lässt sich Schöneich JUVE-Informationen zufolge von Jürgen Klengel, Partner bei White & Case in Frankfurt, vertreten.

Anlegerschützer und Kapitalanlagerechtler hatten schon lange vor der S&K-Gruppe gewarnt. Bereits seit dem vergangenen Jahr beschäftigt sich beispielsweise die Anlegerschutzkanzlei Nieding + Barth intensiv mit der Gruppe. Gemeinsam mit der Tübinger Sozietät Tilp vertritt sie über die gemeinsame Rechtsanwalts-GmbH PIA Namenspartner Dr. Klaus Nieding zufolge derzeit die Interessen von mehr als 100 Anlegern. Ebenfalls schon länger im Visier hat die Siegburger Kanzlei Göddecke die S&K-Gruppe. So warnte sie bereits im vergangenen Herbst öffentlich vor Investments in deren Produkte. Die Sozietät vertritt nun ebenfalls die Interessen einer kleineren Anlegergruppe. (René Bender)