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04.09.2013

Klage: Q-Cells-Insolvenzverwalter attackiert mit Taylor Wessing Sanierungsberaterin Hengeler

Henning Schorisch, Insolvenzverwalter des Solarunternehmens Q-Cells (jetzt Global PVQ), hat am 28. August beim Landgericht Frankfurt Klage gegen Hengeler Mueller eingereicht. Der Partner von hww Wienberg Wilhelm verlangt einen Teil des Honorars zurück, das Hengeler für die gescheiterte Sanierungsberatung bei Q-Cells erhalten hatte. Der genaue Streitwert ist nicht bekannt.

Michael Malitz

Michael Malitz

Neben Hengeler hatten auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sowie die Unternehmensberatung McKinsey vergeblich versucht, Q-Cells zu sanieren. Anfang April 2012 erfolgte die Insolvenz (mehr…). Schorisch wirft den Beratern vor, noch weit bis in das Jahr 2012 an der Sanierung des Unternehmens gefeilt und Honorare kassiert zu haben. Zu diesem Zeitpunkt sei aber längst klar gewesen, dass die Rettung aussichtslos ist.

Auf JUVE-Nachfrage stellte der Insolvenzverwalter klar, dass bislang noch keine weiteren Klagen eingereicht wurden: „Ob und inwieweit gegen weitere Berater oder Verantwortliche der damaligen Q-Cells Forderungen gestellt oder Klage erhoben wird, wird noch geprüft. Bis zu einer entsprechenden Entscheidung werden wir Fragen dazu grundsätzlich nicht beantworten.“ Die Tageszeitung ‚Die Welt‘ hatte allerdings berichtet, dass der Insolvenzverwalter einen hohen einstelligen Millionenbetrag von allen drei beteiligten Sanierungsberatern zurückfordert.

Für die Klage gegen Hengeler hat Schorisch ein Düsseldorfer Team von Taylor Wessing unter der Federführung von Partner Dr. Michael Malitz hinzugezogen. Weitere beteiligte Anwälte sind Partner Ingo Gerdes sowie die Associates Dr. Daniel Kunz und Alexander Welter. Über die genauen Hintergründe der Mandatierung ist nichts bekannt.

Daniel Weiß

Daniel Weiß

Der Klage sieht Hengeler gelassen entgegen. „Die Ansprüche sind unbegründet. Wir werden uns mit allen gebotenen rechtlichen Mitteln gegen die Inanspruchnahme verteidigen“, sagte eine Sprecher der Kanzlei gegenüber JUVE. Hengeler hat aktuell noch keine Kanzlei mandatiert. Allerdings zeichnet sich ab, dass sie das Verfahren nicht intern betreuen, sondern externe Hilfe in Anspruch nehmen wird. Die Sanierungsberatung von Q-Cells hatte seinerzeit federführend der Frankfurter Partner Dr. Daniel Weiß übernommen.

Neben den Beratern hat der Insolvenzverwalter auch die Ex-Vorstände Nedim Cen und Andreas von Zitzewitz im Visier. Sie seien für die Mandatierung verantwortlich gewesen und hätten zudem nicht bereits im Januar, sondern erst Anfang April 2012 Insolvenz angemeldet. Damit steht auch der Vorwurf der Insolvenzverschleppung im Raum. Rund 100 Millionen euro sollen in diesem Zeitraum noch aus dem Unternehmen abgeflossen sein, dafür sollen womöglich die Ex-Vorstände oder ihre D&O-Versicherungen geradestehen.

Aufruhr in der Sanierungsszene

Q-Cells hatte bei der Sanierung mit seiner Beraterin Hengeler darauf gesetzt, dass ein Forderungsverzicht nach neuem Recht mit Zustimmung von 75 Prozent der Gläubiger möglich sei. Das alte Recht machte noch Einstimmigkeit notwendig. Schorisch vertritt eine eindeutige Position: Spätestens nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt Ende 2011 sei klar gewesen, dass das neue Schuldverschreibungsgesetz auf derart gelagerte Fälle keine Anwendung finden könne (mehr…).

Für viele Experten überraschend kam auch das Oberlandesgericht Frankfurt einige Monate später zu diesem Ergebnis – wenn auch mit einer anderen Begründung. Demnach findet das neue Recht bei alten Schuldverschreibungen keine Anwendung. Der Fall betraf den ähnlich gelagerten Fall des Holzverarbeiters Pfleiderer (mehr…).

Der Vorstoß des Q-Cells-Insolvenzverwalters sorgt bereits jetzt für kontroverse Diskussionen unter Wirtschaftsanwälten. Sanierungsexperten fürchten, dass die Beratung von Unternehmen in Schieflage schwieriger wird, wenn sich der Q-Cells-Insolvenzverwalter durchsetzen sollte. Die Rechtsprechung sei keineswegs absehbar gewesen. Wenn sich aus solchen Entwicklungen Haftungsansprüche gegen die Berater ableiten ließen, sei das Risiko solcher Mandate kaum mehr tragbar. (Volker Votsmeier)