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16.01.2014

Schmiergeldprozess: Für Ecclestone und Verteidiger Thomas wird es ernst

Dem mächtigen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wird wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue in besonders schwerem Fall der Prozess gemacht. Das Landgericht München ließ nun die Anklage gegen ihn zu. Voraussichtlich Ende April soll der Prozess beginnen. In seiner Heimat steht der Brite bereits seit dem vergangenen Jahr in der Sache in einem Zivilverfahren vor Gericht.

Sven Thomas

Ecclestone hatte 2006 dem damaligen BayernLB- Risikovorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen US-Dollar gezahlt. Er wollte damit erreichen, dass die Formel-1-Beteiligung der BayernLB an Ecclestones Wunschinvestor CVC verkauft wird und so seine Macht in der Rennserie gesichert wird, so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Ecclestone dagegen behauptet, Gribkowsky habe ihn erpresst. Gribkowsky wurde 2012 unter anderem wegen Bestechlichkeit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Im Frühjahr 2013 reichte die Staatsanwaltschaft dann Anklage gegen Ecclestone ein (mehr…).

In London läuft seit dem vergangenen Oktober bereits ein Zivilprozess gegen Ecclestone. 171 Millionen US-Dollar Entschädigung verlangt dort das Unternehmen Constantin Medien, das einst ebenfalls Formel-1-Anteile besaß. Der Vorwurf: Das Formel-1-Aktienpaket sei zu billig an CVC verkauft worden. In dem Verfahren hat Ecclestone Zahlungen an Gribkowsky zugegeben, aber ebenfalls darauf beharrt, von diesem unter Druck gesetzt worden zu sein. Zudem wurde im Dezember bekannt, dass auch die BayernLB Schadensersatz von Ecclestone fordern wird. Die Klage soll noch im Januar in London eingereicht werden.

Abseits der Verfahren macht Ecclestone aktuell durch seine Kaufofferte für den Nürburgring Schlagzeilen. Der Investorenprozess für die insolvente Rennstrecke soll in den nächsten Monaten abgeschlossen werden.

Vertreter Bernie Ecclestone
Thomas Deckers Wehnert Elsner (Düsseldorf): Dr. Sven Thomas (Wirtschaftsstrafrecht)
Grub Brugger & Partner (München): Dr. Norbert Scharf (Wirtschaftsstrafrecht)

Staatsanwaltschaft München I: nicht bekannt

Landgericht München I, 5. Strafkammer
Peter Noll (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Wie schon im Prozess gegen Gribkowsky (mehr…) findet das Verfahren vor der 5. Strafkammer unter dem Vorsitz von Noll statt. Die Vorwürfe gegen Ecclestone sind auf mehr als 200 Seiten zusammengefasst. 39 Zeugen hat die Staatsanwaltschaft für den Prozess benannt, darunter zahlreiche Ex-Formel-1- Protagonisten und bekannte Wirtschaftsakteure.

Für das Verfahren hat sich Ecclestone mit einem der bekanntesten deutsche Strafverteidiger gewappnet, dem Düsseldorfer Anwalt Thomas, der den Formel-1-Chef zusammen mit Norbert Scharf verteidigt. Die beiden Anwälte arbeiten seit vielen Jahren immer wieder zusammen. Ihr bekanntestes gemeinsames Mandat war die Vertretung des Ex-Siemens-Chefs Prof. Dr. Heinrich von Pierer in dessen Streit mit dem Konzern, der sich im Anschluss an die Korruptionsaffäre bei Siemens ergab (mehr…). (René Bender, Sonja Behrens)