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13.05.2014

Strafvollzug: Hoeneß wehrt sich mit Ufer Knauer gegen Landsberg

Der Haftantritt von Uli Hoeneß steht unmittelbar bevor. Allerdings kommt der Ex-Bayern-München-Präsident womöglich nicht nach Landsberg am Lech, sondern in eine andere Justizvollzugsanstalt (JVA). Hoeneß stellte einen entsprechenden Antrag.

Steffen Ufer

Steffen Ufer

Nach dem Antrag ist keineswegs sicher, dass Hoeneß in die JVA Landsberg kommt. Zwar steht Landsberg im bayrischen Vollstreckungsplan. Davon kann allerdings in Einzelfällen abgewichen werden, wenn „die Behandlung des Verurteilten oder seine Eingliederung nach der Entlassung hierdurch gefördert wird“. Darauf beruft sich Hoeneß. Aus seiner Sicht wird ihm die kleine JVA Landsberg nicht gerecht. In dem Antrag äußert er Sicherheitsbedenken.

Auch der Tag der offenen Tür, den die JVA vor wenigen Wochen veranstaltete, stößt Hoeneß offenbar auf. Zahlreiche Medien hatten den Tag genutzt, um sich vor Ort ein Bild von den Haftbedingungen zu machen und darüber zu berichten. Hoeneß sieht darin seine Privatsphäre verletzt. Es bestehe zudem die Gefahr, dass Wärter oder Häftlinge mit Geld geködert werden, um Informationen über Hoeneß an die Medien zu liefern. Tatsächlich hatte es jüngst einen Erpressungsversuch gegeben. Der Erpresser hatte Hoeneß im Gefängnis Gewalt angedroht, wurde aber inzwischen gefasst.

Tobias Pretsch

Tobias Pretsch

Mitte März hatte das Landgericht München Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Bereits Ende April stellte das LG die Urteilsbegründung zu. Das ist gesetzlich so festgelegt: Bei mehr als drei Verhandlungstagen hat der Richter dafür sieben Wochen Zeit. Noch ist aber unklar, wann genau der ehemalige Bayern-Präsident die Haft antritt. Dafür sieht das Gesetz keine Frist vor. Das ist prinzipiell Sache zwischen Verurteiltem und Staatsanwaltschaft.

In Bayern ist es üblich, die Ladung zum Haftantritt zwischen zwei und sechs Wochen nach der Zustellung des Urteils zu verschicken, in der Regel sind es vier Wochen. Im Fall Hoeneß dürfte es eher länger dauern, weil er als sicherheitsrelevanter Häftling eingestuft wird. Spätestens Anfang Juni dürfte Hoeneß dann aber die Ladung erhalten und die Haft antreten.

Berater Uli Hoeneß
Ufer Knauer (München): Steffen Ufer; Associate: Tobias Pretsch – aus dem Markt bekannt
Nesselhauf (Hamburg): Michael Nesselhauf (Presserecht)

Staatsanwaltschaft München II
Achim von Engel

Landgericht München, Wirtschaftsstrafkammer
Rupert Heindl (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Im Prozess hatte Hoeneß auf das Verteidigertrio Hanns Feigen und Dr. Bernd Groß von Feigen Graf sowie Dr. Markus Gotzens von Wannemacher & Partner gesetzt. Für rechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Strafvollzug mandatierte Hoeneß dann die Münchner Kanzlei Ufer Knauer. Namenspartner Ufer hat viel Erfahrung in der Betreuung von Verurteilten in Strafvollstreckung und Strafvollzug. Mit Tobias Pretsch hat die Kanzlei zudem einen Anwalt in ihren Reihen, der auf dem Gebiet des Strafvollzugs sehr versiert ist. Pretsch hatte zuvor als Abteilungsleiter in der JVA Stadelheim und von 2008 bis 2013 als Jurist im bayrischen Justizvollzug gearbeitet.

Hoeneß hatte sich anfänglich im Wesentlichen von dem Strafverteidiger Prof. Dr. Werner Leitner von Leitner & Partner begleiten lassen, der schon jahrelang im Umfeld des FC Bayern München tätig ist. Er gab das Hoeneß-Mandat jedoch ab, als klar war, dass es zu einem Prozess kommen wird.

Presserechtlich setzt Hoeneß schon seit Beginn der Medienberichte auf die Hamburger Boutique Nesselhauf. Zuletzt konnte sich sein Medienanwalt vor Gericht erfolgreich gegen die Berichterstattung des ‚Stern‘ wehren. (Volker Votsmeier)