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03.06.2015

Festival-Streit: Konzertveranstalter Deag klagt mit Wilhelm und Lubberger Lehment

Das Festival ‘Rock im Revier’ ist am Wochenende in Gelsenkirchen über die Bühne gegangen – doch der Rechtsstreit um die Großveranstaltung, die ursprünglich am Nürburgring stattfinden sollte, hat gerade erst begonnen. Konzertveranstalter Deag kämpft dabei an zwei Fronten: Er verklagt den Betreiber der Eifel-Rennstrecke, die Capricorn Nürburgring (CNG), und will außerdem gegen die Gothaer Versicherung wegen Vertragsbruchs vorgehen.

Cornelis Lehment

Cornelis Lehment

Eigentlich sollte die ‘Grüne Hölle Rock’ Ende Mai über die Rennstrecke des Nürburgring hereinbrechen. Die Karten für das Festival mit prominentem Line-up verkauften sich jedoch schleppend, was vor allem an der Konkurrenz im 30 Kilometer entfernten Mendig lag. Dort findet neuerdings der Klassiker ‘Rock am Ring’ statt, das von Ex-Nürburgring-Mieter und Konzertveranstalter Marek Lieberberg veranstaltet wird. Die Tickets für dieses Festival verkauften sich auch am neuen Veranstaltungsort gut, weshalb der ‘Grüne Hölle Rock’-Veranstalter Deag auf einem Großteil seiner Karten sitzenblieb.

Weil die Bands dennoch ihre Gagen verlangten, summierten sich die Kosten für Deag schließlich laut ‘Handelsblatt’ auf fünf Millionen Euro, durch den Ticketverkauf waren allerdings erst 800.000 Euro in die Kasse gekommen. Gewinn und Verlust wollten Deag und CNG hälftig teilen, so hatten sie es vereinbart. Doch CNG zahlte auch nach mehreren Gesprächen im Februar und März nicht, als Deag schon wegen des schleppend verlaufenden Kartenvorverkaufs in den Miesen war. Im April wurde die ‘Grüne Holle Rock’ dann zu ‘Rock im Revier’ und ging in der Gelsenkirchener Veltins Arena an den Start – nun treffen sich beide Parteien vor dem Landgericht Koblenz wieder. Rund zwei Millionen Euro fordert der Konzertveranstalter Deag von CNG.

Mark Wilhelm

Mark Wilhelm

Zudem will Deag gegen die Gothaer vorgehen. Die Versicherung hatte den Ausfall der Veranstaltung mit einer 7,5-Millionen-Euro-Police versichert, will aber ebenfalls nicht zahlen. Der Versicherer könne nicht für einen wirtschaftlichen Misserfolg des Veranstalters einstehen, heißt es. Ein Vertragsbruch sei eindeutig und schriftlich mitversichert gewesen, argumentiert die Gegenseite, die eine Feststellungsklage bereits auf den Weg gebracht hat. Nun muss zunächst geprüft werden, ob die Versicherung überhaupt greift.

Der Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn hatte im März 2014 alle Vermögenswerte der insolventen Traditionsrennstrecke Nürnburgring übernommen und den langjährigen Konzertpartner Marek Lieberberg gegen Deag ausgetauscht. Im November 2014 übernahm schließlich das Investmentkonsortium mit der Firma NR Holding des russischen Milliardärs Viktor Kharitonin die Mehrheit des Rings.

Vertreter Deag
Wilhelm (Düsseldorf): Dr. Mark Wilhelm (Federführung), Lars Winkler, Christian Drave (alle Versicherungsrecht)
Lubberger Lehment (Hamburg): Dr. Cornelis Lehment; Associate: Joachim Jung (beide Wettbewerbsrecht)
Inhouse Recht (Berlin): Daniel Rothammer (Leiter Rechtsabteilung)

Vertreter CNG
Noerr (Frankfurt): Dr. Thomas Hoffmann, Dr. Sophia Habbe – aus dem Markt bekannt

Vertreter Gothaer Versicherungen
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Dr. Theo Langheid, Eva-Maria Goergen – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Zwei Verfahren, zwei Berater: Deag setzt in der juristischen Auseinandersetzung mit der Gothaer auf die Versicherungsrechts-Spezialisten von Wilhelm. Im Verfahren vor dem LG Koblenz gegen CNG steht Lubberger Lehment-Partner Lehment aufseiten des Konzertveranstalters. Der Wettbewerbsrechtler ist bereits seit Längerem für Deag tätig.

Dass BLD die Gothaer vertritt, überrascht nicht: Die Kanzlei gehört zu den bekanntesten Sozietäten im Versicherungsrecht. Im Team von Noerr tritt erstmals Dr. Sophia Habbe auf. Die Prozessanwältin war erst vor wenigen Wochen von Freshfields Bruckhaus Deringer zu Noerr gewechselt. (Eva Lienemann)