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14.04.2016

Anklage wegen Schlecker-Pleite: Firmenpatriarch setzt auf Grub Brugger

Geht es nach der Staatsanwaltschaft Stuttgart, soll sich Anton Schlecker wegen der Pleite seiner Drogeriekette vor vier Jahren vor Gericht verantworten. Die Strafverfolger werfen dem früheren Firmenpatriarchen vorsätzlichen Bankrott vor und haben Anklage erhoben.

Norbert Scharf

Norbert Scharf

Neben dem Hauptangeschuldigten Anton Schlecker erhob die Behörde auch gegen fünf weitere Angeschuldigte Anklage, gegen Schleckers Ehefrau Christa, seine beiden Kinder Lars und Meike und zwei Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft Ernst & Young. Sie sollen Anton Schlecker bei den ihm zur Last gelegten möglichen Taten geholfen haben. Anton Schleckers Verteidiger verwies darauf, dass ihm die Anklage seit vergangenen Freitag vorliege und Äußerungen zu den Anklagevonwürfen gegenüber der angerufenen Strafkammer erfolgen, nicht jedoch in oder über die Öffentlichkeit. Auch die anderen Verteidiger wollten sich bis Redaktionsschluss nicht inhaltlich äußern.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind umfangreich: Trotz Kenntnis der drohenden Zahlungsunfähigkeit seiner Drogeriekette soll Anton Schlecker in 36 Fällen Vermögenswerte beiseite geschafft und sie dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Für die Geschäftsjahre 2009 und 2010 soll er zudem die Verhältnisse seines Unternehmens beziehungsweise die Verhältnisse im Konzern unrichtig wiedergegeben haben, vor dem Insolvenzgericht falsche Angaben gemacht und sie an Eides statt versichert haben.

Schleckers Ehefrau und seine Kinder sollen ihm dabei geholfen haben, Vermögenswerte zu entziehen. Gegen die Schlecker-Kinder hat die Staatsanwaltschaft zudem Anklage wegen Untreue und Insovenzverschleppung erhoben. Sie sollen sich als faktische Geschäftsführer einer Logistiktochter mehrere Millionen Euro haben ausschütten lassen, obwohl das Unternehmen Verluste erwirtschaftete. Außerdem sollen sie es unterlassen haben, rechtzeitig Insolvenzantrag zu stellen und stattdessen weitere Zahlungen auf ein Privatkonto der Mutter veranlasst haben.

Den Ernst &Young- Wirtschaftsprüfern M., der inzwischen pensioniert ist und A. werfen die Strafverfolger vor, die falschen Bilanzierungen zwar erkannt, aber trotzdem attestiert zu haben, dass ihre Prüfung zu keinen Einwänden geführt habe. 

Seit der Pleite des Schlecker-Drogerieimperiums mit seinen einst weltweit 9.000 Filialen sind inzwischen vier Jahre vergangen. 25.000 Menschen verloren damals ihre Arbeit, Gläubiger forderten mehr als eine Milliarde Euro. Auch der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz behält sich vor, Rechte geltend zu machen. An ihn soll die Familie Schlecker Medienberichten zufolge bereits gut zehn Millionen Euro überwiesen haben. Beiseite geschafft haben soll sie insgesamt 20 Millionen Euro.

Vertreter Anton Schlecker
Grub Brugger & Partner (München): Dr. Norbert Scharf – aus dem Markt bekannt

Klaus Volk

Klaus Volk

Vertreter Christa Schlecker
Prof. Dr. Klaus Volk (München) – aus dem Markt bekannt

Vertreter Lars Schlecker
Quedenfeld (Stuttgart): Axel Sauer – aus dem Markt bekannt

Vertreter Meike Schlecker
Grub Brugger & Partner (Frankfurt): Dr. Sebastian Gall – aus dem Markt bekannt

Vertreter Wirtschaftsprüfer M.
Dierlamm (Wiesbaden): Prof. Dr. Alfred Dierlamm – aus dem Markt bekannt

Vertreter Wirtschaftsprüfer A.
Dierlamm (Wiesbaden): Ute Bottmann – aus dem Markt bekannt

Staatsanwaltschaft Stuttgart
Thomas Böttger

Hintergrund: Die Eheleute Schlecker haben sich mit der Mandatierung von Norbert Scharf von Grub Brugger und Klaus Volk erfahrene Strafverteidiger an die Seite geholt, die die Arbeit in bedeutenden und viel beachteten Strafkomplexen gewohnt sind. Nur ein Beispiel ist die juristische Aufarbeitung des Niedergangs der ehemaligen Privatbank Sal. Oppenheim, hier wurden sowohl Scharf und Volk vom ehemals persönlich haftenden Gesellschafter Christopher Freiherr von Oppenheim mandatiert – Scharf sowohl in zivil- als auch in strafrechtlicher Hinsicht. Auch im Prozessreigen um den Kauf der Hypo Alpe-Adria durch die BayernLB waren beide Anwälte vertreten. Viel beachtet ist daneben aktuell Scharfs Arbeit für den ehemaligen Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer sowie kürzlich für den renommierten Steuerrechtler Prof. Dr. Reinhard Pöllath.

Auch Meike Schleckers Anwalt ist langjähriger Partner bei Grub Brugger, einer auf Insolvenz und Sanierung spezialisierten Kanzlei. Für sie eröffnete er 2006 einen dritten Standort in Frankfurt. Axel Sauer, der Lars Schlecker vertritt, blieb an der Seite des Strafverteidigers Dietrich Quedenfeld, als sich die angesehene auf Wirtschafts- und Steuerstrafrecht spezialisierte Stuttgarter Boutique Frick Quedenfeld zum Jahresbeginn 2015 auflöste.

Angestoßen hatte die Ermittlungen gegen die Schleckers bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart kurz nach der Firmenpleite der Chef der für ganz Württemberg zuständigen Hauptabteilung für Wirtschaftskriminalität, Hans Richter. Er schied Ende September aus dem Dienst aus, seine Nachfolgerin ist seither Beate Weik. Der zuständige Staatsanwalt in Sachen Schlecker ist indes in erster Linie Thomas Böttger (René Bender)