Wirtschaftskanzleien trotzen der Kreditkrise
Köln, 01.10.2008 – Der Immobilien- und Kreditkrise zum Trotz haben die deutschen Wirtschaftskanzleien ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Um durchschnittlich 10,3 Prozent stieg der Umsatz der 50 führenden Sozietäten im Geschäftsjahr 2007/2008 – was vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass die Kanzleien in den letzten Jahren stark an ihrer strategischen Aufstellung gefeilt haben.
Im siebten Jahr in Folge hat die monatliche Branchenzeitschrift JUVE Rechtsmarkt die Umsatzzahlen der führenden Wirtschaftskanzleien in Deutschland ermittelt. Dabei zeigte sich der Markt an der Spitze nahezu unverändert, die Plätze eins bis drei werden wie schon in den Vorjahren von Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance und Hengeler Mueller eingenommen. Lediglich eine Kanzlei kam neu in die Top 10: Taylor Wessing, die ihren Umsatz um beeindruckende 20 Prozent steigerte. Insgesamt 3,47 Milliarden Euro setzten die Sozietäten in den JUVE 50 um, der Anteil der zehn umsatzstärksten Kanzleien daran lag bei rund 52 Prozent.
| Kanzlei | Umsatz in Mio. € | Veränderung zum Vorjahr | Berufsträger (davon Partner) |
|---|---|---|---|
| Freshfields Bruckhaus Deringer | 401,0 | 8,4% | 521 (131) |
| Clifford Chance | 225,4 | 8,0% | 395 (52) |
| Hengeler Mueller | 215,0 | 8,0% | 231 (76) |
| Linklaters | 192,0 | 3,8% | 294 (66) |
| CMS Hasche Sigle | 182,0 | 8,0% | 434 (167) |
| Lovells | 162,8 | 12,0% | 294 (48) |
| White & Case | 118,5 | 7,1% | 252 (53) |
| Taylor Wessing | 112,0 | 20,0% | 274 (81) |
| Gleiss Lutz | 109,0 | 6,9% | 206 (68) |
| Shearman & Sterling | 100,0 | 1,5% | 105 (30) |
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Quelle: JUVE Rechtsmarkt |
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Sehr hohe Wachstumsraten erreichten vor allem auf dem deutschen Markt noch recht junge internationale Kanzleien wie Simmons & Simmons (+36,4 Prozent) oder DLA Piper (+24,3 Prozent), deren Umsatzwachstum auch durch eine entsprechend gesteigerte Kopfzahl zu erklären ist. Dies gilt für das letzte Jahr ebenso wie für eine längerfristige Betrachtung über die letzten fünf Jahre. Hier finden sich unter den zehn Kanzleien mit dem rasantesten Umsatzwachstum zahlreiche Sozietäten, die mit relativ kleiner Mannschaft eröffnet haben und dann vor allem durch Quereinsteiger aus anderen Kanzleien gewachsen sind. Trieb in den ersten sechs Monaten des vergangenen Geschäftsjahres noch der exzellente Transaktionsmarkt das Umsatzwachstum voran, zeigte sich mit Aufziehen der Kreditkrise, ob es den Kanzleien in der Vergangenheit gelungen war, sich auf die richtigen Marktbereiche und profitablen Marktsegmente auszurichten. Mehr noch als am Umsatzwachstum lässt sich das an der Kennziffer Umsatz pro anwaltlicher Mitarbeiter ablesen, die Rückschlüsse auf die Produktivität zulässt. Diese Rangliste wird unverändert von Shearman & Sterling angeführt, die mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent auf hohem Niveau stabil geblieben sind. Rückschlüsse auf das laufende Geschäftsjahr sind hier allerdings kaum möglich, da 2007/2008 für Shearman das letzte Jahr vor der Trennung von ihrem Mannheimer Büro war.
| Kanzlei | Umsatz/ Berufsträger | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Shearman & Sterling | 952.000 | 1,5% |
| Hengeler Mueller | 931.000 | – 4,1% |
| Skadden Arps Slate Meagher & Flom | 913.000 | 18,2% |
| Sullivan & Cromwell | 900.000 | 14,5% |
| Weil Gotshal & Manges | 831.000 | – 7,3% |
| Freshfields Bruckhaus Deringer | 770.000 | 9,6% |
| Cleary Gottlieb Steen & Hamilton | 688.000 | 4,5% |
| Linklaters | 654.000 | 18,8% |
| Dewey & LeBoeuf | 652.000 | keine Vergleichszahl |
| Schultze & Braun | 643.000 | 7,2% |
| *gemessen nach Umsatz pro Berufsträger, gerundet auf volle Tausender Quelle: JUVE Rechtsmarkt | ||
Von den zehn umsatzstärksten Kanzleien hatte Linklaters besonders deutlich zugelegt, was vor allem dem rigorosen Restrukturierungskurs der vergangenen Jahre zuzuschreiben sein dürfte. Auch andere internationale Kanzleien wie Freshfields und Clifford Chance haben erhebliche Anstrengungen unternommen, um ihre Partnerschaft produktiver und profitabler zu machen. So steigerte Freshfields ihre Produktivität seit 2004 um über 50 Prozent, Linklaters sogar um 56,4 Prozent. Straffes Management und der klare Blick auf hochkarätige Mandate scheinen sich zu lohnen. Wie krisenfest die Kanzleien allerdings tatsächlich sind, wird sich wohl erst im laufenden Geschäftsjahr erweisen.
Zum Hintergrund:
Der JUVE Rechtsmarkt berichtet monatlich über den Markt für Rechtsberatung von Unternehmen. Im Mittelpunkt der Recherche stehen Kanzleien, Anwälte und deren Mandanten sowie Rechtsabteilungen.
Zu den Publikationen von JUVE gehören neben dem JUVE Rechtsmarkt das jährlich erscheinende „ JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien“ (12. Ausgabe in Vorbereitung, November 2009) und das englischsprachige Pendant „German Commercial Law Firms“ (10. Ausgabe, Mai 2009) sowie das Nachwuchs-Magazin „azur – Karrieremagazin für junge Juristen“ (2
Ausgaben pro Jahr) und „azur100 – Top-Arbeitgeber 2009“.
Aktuelle Nachrichten aus dem deutschen Anwaltsmarkt veröffentlichen wir im Internet unter www.juve.de und www.azur-online.de. Mit dem kostenlosen Newsletter “JUVE Newsline” machen wir zudem im wöchentlichen Rhythmus auf aktuelle Entwicklungen im Anwaltsmarkt aufmerksam (Bestell-Adresse per E-Mail: juve-newsline@juve.de).
Ihr Kontakt für Rückfragen:
Jörn Poppelbaum, Redaktionsleiter JUVE Rechtsmarkt Tel. 0221/913880-96 Aled Griffiths, Chefredakteur Tel. 0221/913880-11 Alke Hamann, Verlagspressemitteilungen Tel: 0221/913880-42 Verlag für juristische Information GmbH Sachsenring 6, 50677 Köln Tel. 0221 / 913 88 0-0 Fax 0221 / 913 88 0-18
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