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PRESSEMITTEILUNG 02. NOVEMBER 2015

 

Wirtschaftsanwaltsmarkt: Das Geschäft mit dem Risiko wächst

 

Köln, 02.11.2015

 

Kein Unternehmen ist davor gefeit, von gleich auf jetzt in eine globale Krise zu stürzen, das zeigt auch der Fall Volkswagen.

Kanzleien positionieren sich in dem stärker durch Risiken geprägten Marktgeschehen mit unterschiedlichen Ansätzen, die Beratungsfelder differenzieren sich zunehmend aus.

 

Je mehr sich Unternehmensjuristen, Manager und Compliance-Verantwortliche in den letzten Jahren um die Minimierung von Risiken bemühten, umso schneller scheint in den Unternehmen das Risikobewusstsein zu wachsen und das Bedürfnis nach Absicherung noch zu steigen.

Damit wächst auch der rechtliche Beratungsbedarf – das bietet Kanzleien neue Möglichkeiten. Das juristische Risikomanagement ist ein potentiell lukrativer Markt, denn im akuten Krisenfall spielen Honorarverhandlungen und finanzielle Erwägungen eine nachrangige Rolle.

Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Ausdifferenzierung der krisennahen Beratungsfelder. Die wachsende Zahl der Akteure mit ggf. widerstreitenden Interessen in derart komplexen Situationen fördert das Absicherungsbedürfnis der Unternehmensverantwortlichen und führt zu einem größeren und spezialisierteren Beratungsbedarf im juristischen Markt.

Das Beispiel VW zeigt, wie schnell sich heute auch unternehmensintern Fronten auftun können: Aufsichtsrat und Vorstand mandatieren jeweils mehrere Kanzleien, einzelne Vorstände wappnen sich und auch das ein oder andere Aufsichtsratsmitglied wird schon bei einer Kanzlei angeklopft haben.

Den Chefjuristen in den Unternehmen verlangt die gestiegene Aufmerksamkeit nationaler und internationaler Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden vor allem eines ab: Exzellente Managementqualitäten und die Fähigkeit, im Chaos eines akuten Krisenfalls die Unternehmensinteressen im Blick zu behalten.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mandanten verlangen wiederum von den Kanzleien unterschiedliche Kompetenzen. Hierin liegt der Grund für das Auseinanderdriften von Beratungsfeldern wie Compliance, Corporate Governance und Gesellschaftsrecht, die bislang nur unscharf voneinander abgegrenzt waren.

Unterschiedliche juristische Perspektiven gefragt

Governance-Berater nähern sich der guten Unternehmensführung eher als Experten für spezielle juristische Fragestellungen, sei es im Kartell- oder Aktienrecht. Als Berater von Organen oder deren Mitglieder lebt der unabhängige „Trusted Advisor“ wieder auf. Vorstände, die ihre Entscheidungen darauf abklopfen wollen, ob sie rechtlich in Ordnung sind, lieben Gutachten aus renommierten Federn bei Kanzleien wie Hengeler Mueller, Gleiss Lutz oder SZA Schilling Zutt & Anschütz. Letztere ist beispielsweise auch für VW gutachterlich im Einsatz.

An derartige Mandate ist ohne entsprechende Kontakte in die Vorstände schwer zu kommen. Dementsprechend dominieren hier die Kanzleien und Anwälte, die traditionell in diesen Kreisen gut vernetzt sind. Doch die Beratung einzelner Organmitglieder eröffnet in letzter Zeit gerade kleineren Kanzleien, die weniger Interessenkonflikte fürchten müssen, neue Chancen. Im Kartellrecht etwa ist diese Entwicklung längst zu erkennen.

Ganz anders ist die Situation bei internen Untersuchungen und dem Aufbau von Compliance-Systemen – gerade von den etablierten Governance-Beratern lange als „alter Wein in neuen Schläuchen“ abgetan. Nicht nur liegt hier die Mandatierung häufiger in der Hand der Rechts- oder Complianceabteilungen, auch die Beratung verlangt andere Qualitäten von den Juristen.

Gefragt sind hier vor allem Kanzleien, denen von jeher im Markt ein eher lösungs- und prozessorientierter Arbeitsansatz nachgesagt wird. Es sind diese Kanzleien, die auch als erste begriffen hatten, dass sich hier ein völlig neues Feld auftut – ein Feld, das ihnen einen ganz neuen Zugang zu Unternehmensverantwortlichen verschafft. Unter ihnen sind neben sehr erfolgreichen Boutiquen mit viel Unternehmenserfahrung auch Großkanzleien wie Noerr, CMS Hasche Sigle oder Hogan Lovells. Sie haben begriffen, dass krisennahe Beratung nur gelingen kann, wenn sie auch Fragen des Prozessmanagements beherrschen.

Mehr über die Dynamik im deutschen Wirtschaftsanwaltsmarkt können Sie im Essay zu Trends und Entwicklungen im neuen JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien 2015/16 „So viel Auswahl war nie“ lesen.

www.juve.de/handbuch/de/2016/kapitel/u10

 

Über den JUVE Verlag

JUVE ist Presseverlag und Informationsdienstleister für Wirtschaftsanwälte, Unternehmensjuristen und den juristischen Nachwuchs. Das JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien 2015/16 ist am 30.10.2015 in 18. Auflage erschienen. Umfangreiche Recherchen bei Kanzleien, Unternehmen, Behördenvertretern und Mitarbeitern aus Justiz und Wissenschaft schaffen die Basis für detaillierte Informationen über das wirtschaftsrechtliche Angebot von fast 800 Kanzleien.

Weitere Publikationen von JUVE in Deutschland:

  • JUVE Rechtsmarkt berichtet monatlich über den Markt für Rechtsberatung von Unternehmen
  • JUVE German Commercial Law Firms (16. Ausgabe, März 2015)
  • azur-Karrieremagazin für junge Juristen (halbjährl.), plus Ausgabe „azur 100 – Arbeitgeberranking für Juristen“ (jährl.)
  • Nachrichten aus dem Anwaltsmarkt, Stellenanzeigen und Online-Versionen der Bücher auch unter: www.juve.de und www.azur-online.de. Kostenloser wöchentlicher Newsletter zu bestellen unter: juve-newsline@juve.de

 

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