Wirtschaftskanzleien wachsen um über zwölf Prozent
Köln, 23.09.2007 – Die deutschen Wirtschaftskanzleien haben ein exzellentes Jahr hinter sich. Um 12,4 Prozent stieg der Umsatz der 50 führende Sozietäten im Geschäftsjahr 2006/07. Das anhaltende Wirtschaftswachstum, begleitet von zahllosen Übernahmen, Börsengängen und Umstrukturierungen, hat Top-Anwälten nahezu aller Spezialisierungen die Kassen gefüllt.
Das berichtet der monatliche Branchendienst JUVE Rechtsmarkt in seiner aktuellen Ausgabe. Etwas über 3,17 Milliarden Euro haben die 50 führenden Wirtschaftskanzleien in Deutschland im vergangenen Geschäftsjahr umgesetzt. Damit beläuft sich der Umsatz, den die Top-50-Rechtsberater erzielt haben, auf ungefähr ein Drittel des Marktes der 65 größten deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, der für das vergangene Jahr auf rund 10 Milliarden Euro geschätzt wird. Die diesjährige Recherche der JUVE Redaktion zeigte eine Branche in Bestform: Kaum eine der Kanzleien musste Einbußen hinnehmen.
| Kanzlei | Umsatz in Mio € | Veränderung zum Vorjahr | Berufsträger (davon Partner) |
| Erläuterungen: Zeitraum: Die Umsatzzahlen beziehen sich auf das letzte volle Geschäftsjahr der Kanzleien (bis Ende 2006 bzw. 30.04.2007 oder 30.06.2007). Berufsträger sind Rechtsanwälte und Steuerberater der deutschen Büros, ohne Wirtschaftsprüfungs-Abteilungen. |
|||
| Freshfields Bruckhaus Deringer | 370,0 | 14,9% | 562 (141) |
|---|---|---|---|
| Clifford Chance | 206,4 | 18,6% | 394 (52) |
| Hengeler Mueller | 198,0 | 17,2% | 225 (77) |
| Linklaters | 185,0 | 10,1% | 336 (79) |
| CMS Hasche Sigle | 172,8 | 8,0% | 420 (163) |
| Lovells | 145,3 | 6,3% | 277 (47) |
| White & Case | 110,6 | 9,4% | 251 (53) |
| Gleiss Lutz | 102,0 | -1,9% | 194 (68) |
| Baker & McKenzie | 100,5 | 9,0% | 176 (43) |
| Shearmann & Sterling | 98,5 | 4,8% | 105 (29) |
Quelle: JUVE Rechtsmarkt
Der Markt wird dabei immer stärker von einer kleinen Anzahl erfolgreicher Kanzleien bestimmt: Die zehn führenden Kanzleien erwirtschafteten mehr als die Hälfte des Umsatzes der gesamten Top 50, nämlich 1,69 Milliarden. An der Spitze finden sich wie schon in den Vorjahren Freshfields Bruckhaus Deringer (+ 14,9 Prozent), Clifford Chance (+ 18,6 Prozent) und Hengeler Mueller (+ 17,2 Prozent). Profitiert haben die Kanzleien von exzellenten Rahmenbedingungen: Es gab Transaktionen im Überfluss, vor allem ausländische Investoren zeigten ein anhaltend starkes Interesse an deutschen Unternehmen. Dies kam in erster Linie M&A- und Private-Equity-Anwälten zugute, aber auch Kartellrechtlern, Finanzrechts-Experten oder Immobilienrechtlern. Entsprechend wuchsen sehr breit aufgestellte sog. Fullservice-Kanzleien ebenso wie stark auf Transaktionen zugeschnittene Spezialkanzleien.
Zwar finden sich unter den 40 umsatzstärksten Kanzleien ebenso viele deutsche wie internationale Sozietäten. Allerdings haben es nur drei nicht international fusionierte Kanzleien in die Top Ten geschafft: Hengeler Mueller, CMS Hasche Sigle und Gleiss Lutz. Auch wenn man die Produktivität, gemessen am Umsatz pro anwaltlicher Mitarbeiter, betrachtet, dominieren internationale Kanzleien: Hier führt Shearman & Sterling die Rangliste an. Im Durchschnitt konnten internationale Kanzleien ihre Produktivität um 11,3 Prozent steigern, die deutschen nur um 0,8 Prozent. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass der Anteil grenzüberschreitender Transaktionen immer größer wird.
Die 10 produktivsten Kanzleien Deutschlands*
| Kanzlei | Veränderung zum Vorjahr | |
| *gemessen nach Umsatz pro Berufsträger Quelle: JUVE Rechtsmarkt | ||
| Shearmann & Sterling | 938.000€ | 12,8% |
|---|---|---|
| Weil Gotshal & Manges | 897.000€ | 15,3% |
| Hengeler Mueller | 880.000€ | -3,7% |
| Sullivan & Cromwell | 786.000€ | keine Vergleichszahl |
| Skadden Arps Slate Meagher & Flom | 773.000€ | -22.7% |
| Freshfields Bruckhaus Deringer | 658.000€ | 12,4% |
| Cleary Gottlieb Steen & Hamilton | 658.000€ | -2,1% |
| P+P Pöllath + Partner | 571.000€ | -4,1% |
| Baker & McKenzie | 571.000€ | 7,8% |
| Linklaters | 551.000€ | 0,6% |
Allerdings sind es nicht nur die günstigen Marktbedingungen, die zum Erfolg der Kanzleien beigetragen haben. Gleichzeitig haben sich etlichen Sozietäten in den letzten Jahren strategisch neu aufgestellt – und dafür zum Teil viel Kritik kassiert. Beispiel Freshfields Bruckhaus Deringer: Innerhalb von drei Jahren senkte die personal- und umsatzstärkste Kanzlei Deutschlands die Anzahl der gewinnbeteiligten Equity Partner um 15 Prozent, wobei sowohl Partner die Kanzlei verließen, als auch intern in den Status des sogenannten Fixed Share-Partner wechselten, was einem angestellten Partner entspricht. Ziel dieser und weiterer Maßnahmen war es, die Kanzlei auf profitable Geschäftsfelder und hochkarätige Mandate auszurichten. Das Ergebnis: Der Umsatz stieg um 14,9 Prozent, der Umsatz pro Berufsträger um 12,4 Prozent, und das bei hohen Ausgangswerten. Inwieweit
allerdings solche und andere Umstrukturierungsmaßnahmen dauerhaft Erfolg zeigen, wird sich erst im nächsten Abschwung zeigen. Der nicht in Sicht ist: Denn für das laufende Jahr deuten sich bereits neue Rekordumsätze bei den Kanzleien an.
Zum Hintergrund:
Der JUVE Rechtsmarkt berichtet monatlich über den Markt für Rechtsberatung von Unternehmen. Im Mittelpunkt der Recherche stehen Kanzleien, Anwälte und deren Mandanten sowie Rechtsabteilungen.
Zu den Publikationen von JUVE gehören neben dem JUVE Rechtsmarkt das jährlich erscheinende „ JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien“ (12. Ausgabe in Vorbereitung, November 2009) und das englischsprachige Pendant „German Commercial Law Firms“ (10. Ausgabe, Mai 2009) sowie das Nachwuchs-Magazin „azur – Karrieremagazin für junge Juristen“ (2
Ausgaben pro Jahr) und „azur100 – Top-Arbeitgeber 2009“.
Aktuelle Nachrichten aus dem deutschen Anwaltsmarkt veröffentlichen wir im Internet unter www.juve.de und www.azur-online.de. Mit dem kostenlosen Newsletter “JUVE Newsline” machen wir zudem im wöchentlichen Rhythmus auf aktuelle Entwicklungen im Anwaltsmarkt aufmerksam (Bestell-Adresse per E-Mail: juve-newsline@juve.de).
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