Erwachsen werden
Mit dem Erwachsenwerden ist das so eine Sache: Manche würden schon wollen, schaffen es aber nichtso recht, andere könnten schon, wollen aber partout nicht, und wieder andere müssen einfach wollen.
Zu den Ersteren gehört Osborne Clarke: Nach 15 Jahren in Deutschland umweht die Kanzlei noch immer der Hauch eines Start-ups. Dieses durchaus etwas fragwürdige Image hat sich die Kanzlei mit einer bemerkenswert unkomplizierten Kultur verdient. Doch hindert es sie auch daran, ihren endgültigen Durchbruch hierzulande zu feiern. Das soll sich ändern, die Kanzlei hat Witterung aufgenommen und präsentiert sich mit neuer interner Struktur. Ihre Kultur will sie dadurch jedoch auf keinen Fall in Frage stellen – ein Experiment mit offenem Ausgang.
Ein ganz anderes Image hängt der Bauindustrie in Deutschland an. Sie gilt als konfliktfreudig und manche Anwälte, die regelmäßig mit ihr zu tun haben, erinnern die regelmäßigen gerichtlichen Auseinandersetzungen manchmal gar an vorpubertäre Hahnenkämpfe. Abhilfe schaffen soll nach dem Willen Einiger ein neues Bauvertragsrecht. Mit klareren Regeln soll künftig mancher Streit schon im Keim erstickt werden. Doch die Initiative steht auf einem Brüchigen Fundament, nicht zuletzt, weil sich die Branche eigentlich in ihrer Streitkultur ganz gut eingerichtet hat.
Die einstigen regionalen Prüfvereine TÜV Rheinland und TÜV SÜD haben sich inzwischen zu weltweiten Akteuren gemausert. Während die Rechtsabteilung der Süddeutschen die Expansion stärker mitvollzog, mussten die Kölner im Schnelldurchgang einen nicht immer schmerzfreien Entwicklungsprozess durchlaufen. Die Rechtsabteilung ist zwar noch weit weg vom abgeklärten Erwachsenenstadium, steht aber inzwischen auch für Leidgeprüfte Qualität.
Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht
Astrid Jatzkowski
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