DEAL DES MONATS 09/15

Klassenerhalt für Prokon

Windenergiebetreiber wird mit Insolvenzverwalter Penzlin zur Genossenschaft

An Turbulenzen ist Dr. Dietmar Penzlin, Partner der Kanzlei Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin (SJPP) gewöhnt. Kein Wunder: Der Mann ist Fan des Hamburger Sportvereins (HSV). Sieben Trainer in vier Jahren, Transfertheater, Strukturreformen und der drohende Abstieg in die 2. Bundesliga halten den Verein seit mehreren Jahren auf Trab. Penzlins bisher größtes Mandat als Insolvenzverwalter für den Windparkbetreiber Prokon weist Parallelen zu seinem Lieblingsklub auf. Auch Prokon benötigte nach der Insolvenz neue Strukturen, tauschte die Führungsriege aus und die Zerschlagung des Unternehmens war nicht ausgeschlossen.

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Stefan Denkhaus (BRL Boege Rohde Luebbehuesen)

Dazu ist es letztlich nicht gekommen. Zwei Alternativen hatte Penzlin den Gläubigern aufgezeigt. Entschieden haben sie sich mit deutlicher Mehrheit dafür, die bisherige GmbH in eine Genossenschaft umzuwandeln – und damit gegen einen Verkauf an den Energiekonzern EnBW.

Das Prokon-Verfahren war für Penzlin und seine noch junge Hamburger Kanzlei in vielerlei Hinsicht herausfordernd und außergewöhnlich. Und das nicht erst seit der ersten Gläubigerversammlung – eine der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte – oder der Entlassung von Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus, der nicht nur für diese Maßnahme Penzlins wenig Sympathien zeigte. Vielmehr war schon zu Beginn des Mandats Anfang 2014 klar, dass SJPP das Verfahren nicht allein würde stemmen können. Also holte sich Penzlin Hilfe von der Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen. So weit, so normal. Außergewöhnlich war die Intensität der Zusammenarbeit zwischen Penzlin und BRL-Partner Stefan Denkhaus. „Entscheidend ist bei solchen Mandaten, dass das Kernteam eine Einheit bildet. Denn die Insolvenzrechtler sind insbesondere für den Sanierungserfolg wichtig“, sagt Penzlin. Und das habe mit Denkhaus sehr gut funktioniert. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, bei der Aufgaben wie aus einer Hand erledigt wurden – auch wenn sie aus zwei Sozietäten kamen.

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Dietmar Penzlin (Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin)

Sechs bis sieben Insolvenzanwälte aus beiden Kanzleien haben permanent an dem Verfahren gearbeitet. Für die besondere Herausforderung, über ein Dreivierteljahr zwei Insolvenzszenarien parallel zu verfolgen, holten sich die beiden Kanzleien zusätzliche Unterstützung, etwa von Clifford Chance und Dentons. Bei SJPP war bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Kanzlei in das Prokon-Mandat involviert, insbesondere bei den Verkäufen von Tochtergesellschaften wie Prokon Pflanzenöl. Spezialgebiete wie Steuerrecht und Arbeitsrecht steuerte Denkhaus‘ Sozietät bei. Schon im Mandat für N.prior, die frühere Prokon Nord, haben sie gut zusammengearbeitet – wenn auch mit anderer Rollenverteilung. Dass sie privat befreundet sind, – Denkhaus ist ebenfalls HSV-Anhänger – war nicht ausschlaggebend, hat aber sicher eine Rolle gespielt.

Mit der nun gefundenen Genossenschaftslösung ist ihre Mammutaufgabe zwar noch nicht beendet, aber auf ein überschaubares Maß reduziert. Nach einer so intensiven Zeit müssen beide erstmal durchatmen. Private Verabredungen wird es aber auch in Zukunft geben. Ein möglicher Treffpunkt wäre das Volksparkstadion. Schließlich spielt der HSV auch in der gerade begonnenen Saison in der 1. Liga. (lau)

 

Insolvenzverwaltung Prokon

Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin (Hamburg): Dr. Dietmar Penzlin (Insolvenzverwalter; Federführung), Dr. Bjarne Petersen (M&A)

 

Berater Insolvenzverwalter

BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus (Federführung mit Dietmar Penzlin), Dominik Demisch, Friedrich von Kaltenborn-Stachau (alle Insolvenzrecht/ M&A), Daniela Rossa-Heise, Alexander Oberreit (beide Arbeitsrecht), Andreas Grandt, Dr. Thomas Lübbehüsen (Steuerrecht)

Clifford Chance (Frankfurt): Sebastian Maerker (Bank- und Finanzrecht), Dr. Stefan Sax (Gesellschaftsrecht/Insolvenzrecht), Dr. Frank Scholderer (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Felix Biedermann, Kerstin Schaepersmann (beide Bank- und Finanzrecht)

Dentons (Berlin): Andreas Ziegenhagen, Dr. Bernd Schumann (beide M&A/Restrukturierung), Steffen Langner (Steuerrecht)

 

Mitglieder Gläubigerausschuss

Kebekus et Zimmermann (Bochum/Dortmund): Dorothee Madsen („Die Freunde von Prokon“)

Nieding & Barth (Frankfurt): Klaus Nieding (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz)

Markus Kienle (Frankfurt; Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger)

 

Amtsgericht Itzehoe

Sabine Wudtke (Direktorin)

 

Übernahmeangebot Prokon

Berater EnBW als Bieter

CMS Hasche Sigle (Stuttgart): Dr. Alexandra Schluck-Amend (Insolvenzrecht), Dr. Jochen Lamb (M&A/Energierecht)

Inhouse Recht (Stuttgart): Kristina Hauck

 

Berater Capital Stage als Bieter

Kirkland & Ellis (München): Dr. Björn Holland (Corporate), Sacha Lürken (Insolvenzrecht), Dr. Marcus Klie (Corporate), Dr. Ulf Kieker (Steuerrecht), Dr. Markus Feil (Finance)

Watson Farley & Williams (Hamburg): Dr. Wolfram Böge (M&A),  Dr. Malte Jordan (Corporate) – aus dem Markt bekannt