DEAL DES MONATS 02/16

Zank um Balda

Hengeler begleitet westfälischen Mittelständler durch einen komplexen Bieterkampf

 

Am 29. Januar entscheidet sich Baldas Schicksal. Wenn die Aktionäre zur außerordentlichen Hauptversammlung zusammenkommen, stimmen sie darüber ab, ob das Unternehmen an das Düsseldorfer Familienunternehmen Heitkamp & Thumann (H&T) oder den italienischen Konkurrenten Stevanato gehen wird. Denn um den Kunststoffspezialisten ist ein heftiger Bieterkampf entbrannt. Der auf Medizintechnik und Autokomponenten spezialisierte Mittelständler bietet sein operatives Geschäft zum Verkauf.

Richter_Stefan

Stefan Richter (Hengeler Mueller)

Eine wichtige Stimme hat dabei Aufsichtsratschef Dr. Thomas van Aubel. Seit 2013 bestimmt der Anwalt und geschäftsführende Gesellschafter des Minderheitsinvestors Elector die Geschicke von Balda wesentlich mit. In den Schoß gefallen ist ihm diese Aufgabe nicht, er hat sie bitter erkämpft. Zur Seite stand ihm dabei schon 2013 Stefan Richter, Partner im Berliner Büro von Hengeler Mueller. Van Aubel stützte sich damals auf ein Hengeler-Gutachten, um die Abberufung des Aufsichtsratschefs Dr. Michael Naschke durchzusetzen. Der war einst Partner in gleicher Kanzlei wie van Aubel und wollte seinen Aufsichtsratssitz bei Balda nicht einfach frei machen. Die beiden Anwälte lieferten sich einen erbitterten Kleinkrieg, aus dem van Aubel als Sieger hervorging.

Logisch, dass der Aufsichtsratschef heute die rechtliche Begleitung des Verkaufs in die Hände vertrauter Berater legt: Hengeler steht Balda bei einem Projekt zur Seite, das seinesgleichen sucht. Denn ein Verkauf des kompletten operativen Geschäfts ist selten. Komplex ist es zum einen, weil sich immer neue Bieter gegenseitig ausstechen. Und weil nun obendrein auf der – von Greenfort vorbereiteten – ordentlichen Hauptversammlung im Dezember klar wurde, dass von anderer Seite Störfeuer droht. Die Anwälte bekommen es mit einer Spezies zu tun, die nach den letzten Gesetzesänderungen im Aktienrecht als quasi ausgestorben galt: den Berufsklägern. Hengeler-Anwalt Richter stand den üblichen Verdächtigen dieser Szene nur allzu oft gegenüber, bis die Novellierung des Aktienrechts sogenannten räuberischen Erpressungen durch Kleinaktionäre einen Riegel vorschob. Die spezielle Struktur des Balda-Deals ruft sie nun wieder auf den Plan. Anders als bei einer Strukturmaßnahme können die Anwälte bei dem Verkauf potenzielle Aktionärsklagen nicht im Freigabeverfahren „neutralisieren“.

Oppen_von_Andreas

Andreas von Oppen (Greenfort)

Dabei hätte eigentlich schon im September für Balda alles klar sein können. Da stimmten die Aktionäre für das Kaufangebot der Münchner Beteiligungsgesellschaft Paragon, die den Mittelständler für knapp 67 Millionen Euro kaufen wollte. Doch dann meldete sich die erste Konkurrenz: Autozulieferer H&T konterte das Angebot von Paragon gleich zweimal und übertrumpfte den Investor schließlich. Anfang Dezember wähnten sich die Düsseldorfer schon als Sieger, als die Hauptversammlung dem Kaufpreis von 74 Millionen Euro zustimmte. 1,4 Millionen zahlte Balda an Paragon, damit diese auf den Kauf verzichtete.

Doch im letzten Moment machte auch die im Pharmasektor tätige Stevanato ein verbindliches Angebot. Nun sind die Italiener die Favoriten von Vorstand und Aufsichtsrat, sie bieten über 80 Millionen Euro, orientieren sich hinsichtlich Struktur und Garantien aber an der Offerte von Heitkamp & Thumann.

Egal, wer am Ende das Geschäft macht: Schon jetzt schlagen Aktionäre wie Manfred Klein und Caterina Steeg Krach. Sie nutzen den ungewöhnlichen Verkauf für Aktionärsklagen alter Schule und kritisieren etwa van Aubels Plan, den Börsenmantel in Cleve AG umzubenennen und mit dem neuen Private-Equity-Unternehmen Mittelstandsfinanzierung anzubieten.

Es wird heiß im Bieterkampf um Balda. Auch alte Widersacher könnten im weiteren Gefecht auf den Plan treten. (uba)

Weitere Infos zu den Beratern