Spenden 2018

GESICHT ZEIGEN!

Spendenempfänger Gesicht zeigen!

Christin Stender (JUVE Verlag) und Sophia Oppermann (Gesicht Zeigen! e.V.)

 

Der Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.“ konzipiert und realisiert Projekte, die das demokratische Miteinander in Deutschland fördern, die Zivilgesellschaft stärken und Vorurteile abbauen sollen. Ein großer Schwerpunkt ist die Rechtsextremismus-Prävention an Schulen. Gesicht Zeigen! initiiert öffentliche Kampagnen für Zivilcourage und veranstaltet regelmäßig Diskussionsrunden, Lesungen, Konzerte und Fachforen für die Einwanderungsgesellschaft.

Die künstlerische Ausstellung „7xjung – Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt“ ist der außerschulische Lernort von Gesicht Zeigen! mitten in Berlin. 7xjung bietet ungewöhnliche Zugänge zur aktiven Auseinandersetzung mit der NS-Zeit früher sowie Identität, Ausgrenzung und Zivilcourage heute. Lebendig wird 7xjung in intensiven, ganzheitlich angelegten Workshops, die dem Bewusstsein und der Motivation für couragiertes Handeln Raum geben.

Der Lernort 7xjung inszeniert in sieben Räumen sieben Themen aus der Lebenswelt von Jugendlichen. Die Räume inszenieren Alltagswelten, wie junge Leute sie heute erleben, aber auch zur Zeit des Nationalsozialismus erlebt haben. Das größte Objekt von 7xjung ist das Zerstörte Zimmer. Dieses Zimmer kann man nicht betreten, aber man kann hineinschauen. Es ist ein modern ausgestattetes, persönliches Zimmer, wahrscheinlich das Zimmer eines jungen Menschen. Allerdings ist es sehr zerstört. Auf die Außenwand sind zwei Zitate geschrieben. Kurze Erinnerungen von Menschen, die in den 1930-er Jahren als Jugendliche Razzien bei sich zuhause erlebt haben. Sie beschreiben die brutale Zerstörung ihrer Familienwohnung durch SA- und SS-Männer.

Zu einer gemeinsamen Beschäftigung mit diesem Objekt gehört, sich über die eigenen Gedanken und Gefühle angesichts dieses Raums auszutauschen. Wäre es mein Zimmer, meine Wohnung, wie würde sich das anfühlen? Immer wieder entstehen aus diesem Zugang wichtige, persönliche Gespräche.

Workshops

Für Jugendliche gibt es in 7xjung keine Führungen, sondern ausschließlich Workshops, die von der aktiven Beteiligung leben und sich mit den Grundfragen des Zusammenlebens in einer vielfältigen, inklusiven Gesellschaft befassen. Die Workshops dauern etwa vier Stunden. Themen sind zum Beispiel Antisemitismus, Demokratie oder Rechtspopulismus.

Der Verein arbeitet häufig und gerne mit Kindern und Jugendlichen, die als bildungsbenachteiligt und „schwierig“ gelten. Häufig kommt von den jungen Menschen die Rückmeldung, dass es für sie eine sehr wichtige, positive Erfahrung ist, dass ihre Stimme gehört wird und ihre Meinung etwas gilt. Daher sind die Workshops auch wichtige Demokratie-Erfahrungen für die Jugendlichen  – auch wenn Demokratie nicht immer das eigentliche Workshop-Thema ist.

Eine Basis der Arbeit am Lernort wird von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung finanziert. In diesem Rahmen können Workshops mit etwa 130 Schulklassen durchgeführt werden. Die Nachfrage ist allerdings deutlich größer. Die Kosten für einen vierstündigen Workshop mit 30 Schülern liegen bei 400 Euro. Hierfür sollen die im Rahmen der JUVE Awards 2018 gesammelten Spenden eine Unterstützung sein.

STÄDTE OHNE HUNGER

Spendenempfänger Städte ohne Hunger

Eva Flick (JUVE Verlag) und Esther Beuth-Heyer (Städte ohne Hunger e.V.)

 

12 Millionen Einwohner zählt die brasilianische Megacity São Paulo, ein Drittel davon lebt im Ostteil der Stadt. Hier befindet sich auch das Viertel São Mateus. Seit vielen Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen der Hilfsorganisation STÄDTE OHNE HUNGER und dem Energieversorger Eletropaulo. Er betreibt auf städtischem Land Hochspannungsleitungen. Die Flächen dürfen nicht bebaut werden und auch eine Nutzung als Freizeitfläche ist aus Sicherheitsgründen untersagt. Eine kontrollierte landwirtschaftliche Nutzung hingegen ist erwünscht, denn sie verhindert eine illegale Besiedlung und das Entstehen von Mülldeponien.

Im Juni 2018 hat STÄDTE OHNE HUNGER mit Eletropaulo Nutzungsverträge über vier Flächen im Stadtviertel São Mateus geschlossen. Auf einer fünften Fläche existiert bereits seit 2009 ein Gemeinschaftsgarten, der in Eigenregie betrieben wird. STÄDTE OHNE HUNGER verfügt somit über ein durchgängiges Areal von vier Hektar.

Hier entsteht ein nachhaltiges Projekt der Hilfe zur Selbsthilfe. Obst und Gemüse wird auf der Basis ökologischer Landwirtschaft von zu qualifizierenden Gemeinschaftsgärtnern angebaut. So erhalten Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, Einkommen und eine Perspektive. Die Spendengelder der JUVE-Awards fließen dabei sowohl in die Arbeitsmaterialien wie Werkzeuge, Saatgut, biologische Schädlingsabwehr und einen Traktor als auch in die Personalkosten für einen Landwirtschaftsgärtner. Für die ersten zwölf Monate werden insgesamt ca. 93.000 € benötigt. Auf den Flächen werden im ersten Schritt 50 Gemeinschaftsgärtner arbeiten. Mit ihren Familien ist so der Lebensunterhalt von 275 Personen gewährleistet.

Pilotprojekte

Bislang werden alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse in den Gemeinschaftsgärten frisch geerntet und unverarbeitet vor Ort verkauft. Nun entwickelte der Verein für die neuen Flächen das Pilotprojekt MINIMAL VERARBEITETES BIO-GEMÜSE. Die Projektbeteiligten werten ihre Produkte auf, indem sie ihre Erzeugnisse minimal verarbeiten. Mit dem Gemüse, das bereits gewaschen, geschält, geschnitten und portioniert wurde, erzielen die Gemeinschaftsgärtner einen um den fünffachen Wert gesteigerten Gesamtverkaufswert.

Im Rahmen des Pilotprojekts NEUE VERMARKTUNGSWEGE werden innovative Strategien im Hinblick auf die Vermarktung und den Vertrieb der unverarbeiteten Erzeugnisse aus den Gemeinschaftsgärten erprobt. Dazu hat STÄDTE OHNE HUNGER eine Partnerschaft mit SÓ PLANTAR geschlossen, einer digitalen Marktplattform. Die Gemeinschaftsgärtner geben Informationen zum Angebot sowie die vorhandene Menge und den Standort des Gartens in das System ein. So erhalten die Nutzer detaillierte Information darüber, wo genau in der Nähe sie frische und gesunden Lebensmittel kaufen können. Die Plattform bietet ein integriertes Zahlungssystem. Jeder Gemeinschaftsgärtner registriert seine persönlichen Daten und sein Bankkonto. Am Ende des Monats überblickt er die Erlöse aller Verkäufe, die gleichzeitig auf das registrierte Bankkonto überwiesen werden.

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