Arbeitsrecht

(Stand: 16. Juli 2018)

Glossar

Worum geht's

  • Streitige Verfahren nehmen zu
  • DSGVO und Restrukturierungen rufen Berater auf den Plan    
  • Marktspitze und unteres Mittelfeld in Bewegung

 

Im Arbeitsrecht tut sich derzeit einiges. Das betrifft Unternehmen ebenso wie den Beratermarkt. Während sich viele Praxen in einer Umbruchphase befinden und eine Neuaufstellung vor sich haben, führen Neuerungen durch den Gesetzgeber, wie etwa die Datenschutz-Grundverordnung, gleichzeitig zu Verschiebungen beim Beratungsbedarf ihrer Mandanten.

Mehr Spielraum für Unternehmen

Mit der neuen Regierung halten auch im Arbeitsrecht maßgebliche Veränderungen Einzug. Am deutlichsten zeigte sich dies zuletzt mit der Anfang Juli 2018 vom Nationalrat beschlossenen Einführung des 12-Stunden-Tages, die auch über die Grenzen Österreichs hinaus für Diskussionen sorgte: Unternehmen können bereits ab September 2018 die maximale Arbeitszeit nach Bedarf von 10 auf 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche erhöhen. Die Normalarbeitszeit bleibt aber grundsätzlich bei 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. Durch die Flexibilisierung sollen Unternehmen mehr Spielraum erhalten und so Auslastungsspitzen besser abdecken können.

Amerikanisierung im österreichischen Arbeitsrecht

Bereits jetzt profitieren Arbeitgeber von der Einführung des Sozialversicherungs-Zuordnungsgesetzes. Mit einem seit Juli 2017 geltenden Verfahren können Arbeitgeber vor Aufnahme einer Tätigkeit klären, ob es sich aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht um einen Dienst- oder einen Werkvertrag handelt. Dies erhöht die Rechtssicherheit erheblich, da bei falscher Zuordnung zu den Sozialversicherungsträgern bisher hohe Nachzahlungen beziehungsweise Strafen drohten.

Einen Trend sehen einige Berater im Anstieg von arbeitsrechtlichen Prozessen, der durch D&O-Versicherungen und die damit verbundenen hohen Streitwerte bedingt ist. Diese „Amerikanisierung“, wie ein Anwalt es nennt, halten Berater mitunter für die prägnanteste Entwicklung im österreichischen Arbeitsrecht und gehen davon aus, dass sich diese weiter fortsetzt. All diese Änderungen haben nicht zuletzt eine katalysatorische Wirkung in den Arbeitsrechtspraxen hinsichtlich der Vertretung bei streitigen Verfahren.

Mitarbeiterdatenschutz rückt in den Fokus

Daneben bedeutete die schon länger omnipräsente und seit Ende Mai geltende DSGVO einen erheblichen Beratungsbedarf bei vielen Arbeitgebern. Arbeitsrechtliche Implikationen betrafen etwa die Arbeitsabläufe, Dokumentations- und Löschprozesse sowie Aufbewahrungsfristen von Mitarbeiterdaten. Zudem mussten viele bestehende Betriebsvereinbarungen angepasst werden. Es gab daher kaum eine Arbeitsrechtspraxis, die nicht zu Fragestellungen aus dem Datenschutzkomplex aktiv war.

Ein weiteres, stark nachgefragtes Beratungsfeld waren Restrukturierungen – sowohl im Krisenfall als auch präventiv. Hier tat sich beispielsweise Baker & McKenzie positiv hervor, die weitere neue Mandanten gewinnen konnte.

Personelle Bewegungen an der Marktspitze

Andere Kanzleien machten darüber hinaus auch mit personellen Umbrüchen von sich reden. So bedeutet der Weggang des langjährigen Arbeitsrechtlers und Corporate-Partners Dr. Stefan Köck von Freshfields Bruckhaus Deringer eine Zäsur für die Praxis. Während er nun in der Kanzlei Greindl & Köck tätig ist, sich aber insbesondere auch der Lehre widmet, liegt es in seiner ehemaligen Kanzlei an der nachfolgenden Partnerin Dr. Karin Buzanich-Sommeregger, die erfolgreiche Praxis weiterzuführen. Eine Schwerpunktverschiebung hin zu mehr Internationalität zeichnet sich bereits ab.

Die Neuausrichtung noch vor sich hat die bisherige Arbeitsrechtspraxis von Kunz Schima Wallentin. Das sich zum Spätsommer abspaltende Team um den prominenten Prof. Dr. Georg Schima schließt sich mit der auf Kartell- und Wettbewerbs- sowie Energierecht spezialisierten Kanzlei Starlinger Mayer zusammen. Die neue Konstellation soll dann unter dem Namen Schima Mayer Starlinger firmieren, während die verbleibenden KSW-Anwälte in der Kanzlei unter dem Namen Kunz Wallentin weiter arbeiten werden. Auf dem Weg zur neuen Kanzlei verlor die Arbeitsrechtspraxis allerdings die aufstrebende, bisherige KSW-Equity-Partnerin Dr. Katharina Körber-Risak. Sie machte sich mit einem Team von drei Konzipienten selbständig und erzielte insbesondere bei streitigen Causen schon erste Erfolge.

Unteres Mittelfeld sortiert sich neu

Gut etabliert hat sich im Arbeitsrecht derweil Schönherr. Der Praxis um Dr. Stefan Kühteubl gelang der erfolgreiche Wiederaufbau, der nach dem Weggang des Arbeitsrechtsteams vor rund vier Jahren nötig geworden war. Aus dem Spin-off entstand damals die Kanzlei Zeiler, die sich inzwischen neben dem Schiedsrecht auch im Arbeitsrecht einen Namen gemacht hat. Die Boutique Dr. Helmut Engelbrecht, von der Kühteubl seinerzeit gekommen war, hat indes auch weiterhin mit Fluktuation zu kämpfen. Ebenso von personellen Veränderungen betroffen ist Barnert Egermann Illigasch: Nach dem Weggang zweier Substituten erfährt Namenspartner Egermann nur noch durch seine Konzipienten Unterstützung, was insbesondere bei der Vertretung vor Gericht einen Engpass darstellt.

Bei den vielen Veränderungen im Markt bleibt eine Konstante: Unangefochtene Nummer eins ist nach wie vor CMS Reich-Rohrwig Hainz, die als führende Einheit im Moment allein an der Spitze des JUVE-Rankings steht.

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