Gesellschaftsrecht/M&A

(Stand: 25. August 2017)

Worum geht’s?

  • Gesellschaftsrechtspraxen haben auch 2017 gut zu tun
  • Immobiliensektor sorgt weiter für gutes Geschäft
  • Nachwuchspolitik stellt manche Kanzleien vor Herausforderungen
 
Der österreichische Transaktionsmarkt feiert ein Allzeithoch. Das brummende Geschäft spiegeln auch die Gesellschaftsrechts- und M&A-Praxen wider. Insbesondere Freshfields Bruckhaus Deringer profitierte von der investitionsfreudigen Stimmung.

Transaktionen weiterhin auf hohem Niveau

Viel Luft nach oben blieb nicht. Da es schon im Vorjahr Deals sozusagen regnete, waren für 2017 keine großen Sprünge mehr zu erwarten. Und so ist es dann auch gekommen: Um einen Deal und 100 Millionen Euro Transaktionsvolumen stieg die Anzahl veröffentlichter Fusionen und Übernahmen mit österreichischer Beteiligung in der ersten Jahreshälfte 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zu dieser Einschätzung kamen spezialisierte Datendienstleister. Von den 183 Deals mit einem Gesamtvolumen von 2,9 Milliarden Euro profitierten freilich auch die österreichischen Anwälte. Nahezu jede Kanzlei mit Transaktionsfokus war gut beschäftigt. Hauptgrund für das brummende Geschäft waren vor allem Investoren, die nach Anlagemöglichkeiten suchten.

 Nachbarländer investieren in österreichische Targets

Einer der größten Deals war die Übernahme des österreichischen Automatisierungsspezialisten Bernecker & Rainer (B&R) durch den Schweizer Konzern ABB. Bei der rund zwei Milliarden Dollar schweren Transaktion setzten die Schweizer auf Freshfields Bruckhaus Deringer und die oberösterreichische B&R auf Stammberaterin SCWP Schindhelm.

Mit 2,93 Milliarden Euro noch um einiges größer war die Conwert-Übernahme durch den deutschen Wohnimmobilienkonzern Vonovia, die von Freshfields Bruckhaus Deringer für Vonovia und Eisenberger & Herzog als Conwert-Berater eskortiert wurde, während Anteilseigner Adler Real Estate auf DLA Piper setzte. Für immerhin 1,17 Milliarden Euro verleibte sich der österreichische Feuerfesthersteller RHI den brasilianischen Wettbewerber Magnesita ein. Hier kamen RHI-seitig Freshfields Bruckhaus Deringer und CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati zum Zug, die Verkäufer verließen sich u.a. auf Dorda. Ein weiterer großer Deal war mit 845 Millionen Euro die Heptagon-Übernahme durch AMS. Dabei war wie gewohnt Herbst Kinsky für AMS im Einsatz, und auf Seiten des in Singapur ansässigen Mikrooptik-Spezialisten Heptagon hieltWolf Theiss die Zügel in der Hand.

Kanzleien meistern Generationswechsel unterschiedlich gut

Neben Transaktionen waren auch gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten jeglicher Couleur ein Wachstumssegment für Berater – zwischen Gesellschaftern, zwischen Management und Gesellschaft oder auch zwischen Begünstigten und Stiftungsorganen.

Spektakuläre personelle Bewegung gab es bei Wolf Theiss zu beobachten. Die Kanzlei muss mit dem Weggang von Dr. Michael Lind den Verlust eines aufstrebenden Partners verschmerzen. Der Corporate-Anwalt war 2016 verstärkt bei Transaktionen in Erscheinung getreten, so etwa bei der Heptagon-Übernahme durch AMS. Er ist seit September Head of M&A Legal bei der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien.

Der Weggang Linds stellt auch im Lichte des Generationswechsels innerhalb der Kanzlei einen Rückschlag für Wolf Theiss dar. So befinden sich in der Riege der namhaften Köpfe der Gesellschaftsrechts- und M&A-Praxis einige Anwälte schon im Herbst ihrer Karriere oder sind wie Dr. Dieter Spranz nebenher unternehmerisch tätig, sodass der Aufbau einer nachwachsenden starken Partnerriege immer wichtiger wird. Freshfields Bruckhaus Deringer und bpv Hügel stehen vor ähnlichen Nachfolgethematiken. Besser gelöst haben dies etwa Schönherr und Dorda. Aber auch bei Binder Grösswang herrscht eine ausgeglichene Altersstruktur vor.

Kooperationen zwischen Kanzleien und Big 4

Spannend bleibt, wie sich die Zusammenarbeit mit den Rechtsberatungsarmen der Big-4-Gesellschaften auf das Geschäft der Kanzleien auswirkt. Nach Oehner, die 2016 eine Kooperation mit PwC Legal Deutschland, dem Rechtsberatungsarm des internationalen Wirtschaftreuhänders, eingegangen war, arbeitet seit 2017 die österreichische Kanzlei Jank Weiler Operenyi mit dem Rechtsberatungsarm der internationalen Wirtschafts-, Steuer- und Unternehmensberatung Deloitte. Zwar war es ein offenes Geheimnis, dass der Wirtschaftstreuhänder schon lange auf der Suche nach einer geeigneten Kanzlei war, dass es am Ende mit der jungen Einheit ehemaliger Fellner Wratzfeld-Kollegen und einem Freshfields Bruckhaus Deringer-Anwalt geklappt hat, war dann aber doch eine große Überraschung.