Konfliktlösung

(Stand: 23. Oktober 2017)

Worum geht’s?

Glossar

 

  • Internationale Großverfahren sorgen für Beratungsbedarf
  • Konfliktlösungspraxen werden bedeutender
  • Generationswechsel macht sich bemerkbar

 

An großen Streitfällen und Ermittlungsverfahren herrscht kein Mangel, ob Eurofighter oder VW-Dieselskandal, ob Alpine-Insolvenz oder Linz-Swaps. Im Schiedsrecht sieht es ähnlich aus, denn viele Firmen suchen auf diesem Weg Abhilfe in Lieferstreitigkeiten oder zum Schutz ihrer Investitionen in Osteuropa. Eine Folge: Die Prozesspraxen in Wien und außerhalb sind – wie die Schiedsrechtsteams – sehr gut ausgelastet.

 Prozesse um Finanzgeschäfte und Dieselgate beschäftigen Kanzleien

Streitige Auseinandersetzungen sind für viele Kanzleien derzeit ein gutes Geschäft, obwohl einige der bank- und finanzrechtlichen Verfahren wie die Anlegerverfahren gegen die Immofinanz abflauten. Dennoch halten Prozesse um die Folgen der Nullzinspolitik im Euroraum oder die Fremdwährungsgeschäfte mit Verbrauchern, Städten und Bundesländern Gerichte wie Anwälte unverändert auf Trab.

An Nachschub aus anderen Rechtsbereichen herrscht zudem kein Mangel. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien zur Beschaffung der Eurofighter hält mehrere Kanzleien gut beschäftigt, darunter Freshfields Bruckhaus Deringer und Wolf Theiss aufseiten von Airbus. In den Verfahren zum Dieselskandal beschäftigt allein Volkswagen neben Freshfields zwei weitere Kanzleien: Dorda gelang die Abwehr der Anlegerklagen, die dem Konzern Verletzungen der Veröffentlichungspflichten vorwarfen. Der Oberste Gerichtshof (OGH) verwies die Aktionäre auf das Musterverfahren vor dem Landgericht Braunschweig, denn ihren Klagen fehle ein ausreichender Bezug zu Österreich. Pressl Endl Heinrich Bamberger wiederum vertritt den Autobauer und sein Händlernetz in Österreich in der Abwehr sämtlicher Klagen von Autokunden.

Urteil zum Baukartell ruft Berater auf den Plan

Auch mit Blick auf das sogenannte Baukartell entschied der OGH im Sommer eindeutig: Er erklärte Hausdurchsuchungen in diesem Kontext für rechtens. Schließlich ergebe sich „ein ganz massiver Verdacht jahrelanger systematischer kartellrechtswidriger Absprachen in großem Umfang“. Für die betroffenen Unternehmen haben sich schon zahlreiche Prozessrechtler, Wirtschaftsstrafrechtler und Compliance-Experten in Stellung gebracht – auch diese Causa dürfte die Juristen über einige Jahre umtreiben.

Osteuropa dominiert Schiedsverfahren

Im Schiedsrecht bilden Investitionsschutzverfahren mit Bezug zu Osteuropa unverändert ein bedeutendes Arbeitsfeld, vor allem für Kanzleien, die dort mit Büros präsent sind. Schönherr gelang auf dieser Basis ein beachtlicher Neuaufbau, den der frühere Managing-Partner Dr. Christoph Lindinger vorantreibt. Baier baute die Anzahl ihrer internationalen Desks aus, und Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche trug ihrem florierenden Geschäft dort wiederum mit der Ernennung eines Salary-Partners Rechnung. Im Handelsschiedsrecht brachte der Prospekt zum Bawag-Börsegang zudem ein nationales Verfahren zwischen der Bank und der Österreichischen Post ans Licht, in dem die Firmen unter anderem um 56 Millionen Euro an Gebühren aus den Jahren 2013 bis 2016 streiten.

Konfliktlösungspraxen wachsen und treiben Umsätze in die Höhe

Die Vielzahl an Großverfahren unterstreicht, warum etliche Kanzleien ein deutliches Umsatzwachstum im Bereich Konfliktlösung verzeichnen. Und warum der Bereich selbst bei breit aufgestellten Einheiten wie DLA Piper Weiss-Tessbach oder Fellner Wratzfeld & Partner einen sehr wichtigen Anteil zum Gesamtumsatz beiträgt. Bei anderen Einheiten lässt sich das Wachstum mehr am personellen Ausbau ablesen: Sie hatten Dispute Resolution entweder schon vor Jahren als Zukunftsthema ausgemacht und sich demgemäß ausgerichtet; das gilt beispielsweise für Dorda, die für die Immofinanz unter anderem mehr als 4.000 Verfahren gegen Anleger bestritt. Und auch für CMS Reich-Rohrwig Hainz, die mit der Abwehrarbeit für Atrium European Real Estate zu mehreren hundert Anlegerklagen im Meinl-Komplex bewies, dass sie einen festen Stand im Massengeschäft hat. Andere Praxen reagieren auf die starke Nachfrage, indem sie ihre Teams aktuell ausbauen.

Spin-offs etablieren sich

Einigen erfahrenen Anwälten half das hohe Aufkommen von Streitfällen, den Schritt in eine eigenständige Einheit zu machen. An der Marktspitze im Schiedsrecht hat sich innerhalb von gut drei Jahren die Kanzlei Zeiler Partners um den früheren Schönherr-Partner Dr. Gerold Zeiler etabliert. Er genießt höchste Anerkennung unter den Wettbewerbern und baute mit Zugängen die Bereiche Investitions- und Handelsarbitration weiter aus. Auch die um ehemalige Wolf-Theiss-Anwälte neu gegründete Kanzlei Knoetzl Haugeneder Netal hat sich – insbesondere mit erfolgreicher Arbitration-Beratung – gut am Markt eingeführt. Vor allem auf die Prozessführung und wirtschaftsstrafrechtliche Causen spezialisierte sich dagegen Petsche-Demmel Polak, die im Sommer 2016 entstand, als der jetzige PricewaterhouseCoopers Legal-Partner Dr. Christian Öhner die frühere gemeinsame Kanzlei verließ.

Nächste Generation macht sich einen Namen

Gerade in der alternativen Konfliktlösung bahnt sich parallel zu den Neugründungen ein Generationswechsel an. Seit langem renommierte Anwälte wie Prof. Dr. Dr. Hellwig Torggler (Torggler), Prof. Dr. Andreas Reiner (ARP Andreas Reiner & Partners) und der frühere Wolf Theiss-Partner Dr. Christian Liebscher agieren inzwischen weit überwiegend oder ausschließlich als Schiedsrichter. Deutlich an Marktwahrnehmung gewonnen haben jüngere Experten wie Namenspartner Dr. Christian Konrad von Konrad & Partner, sein Kanzleicompagnon Philipp Peters sowie Dr. Nikolaus Vavrovsky von Vavrovsky Heine Marth und Martin Platte. Das gilt auch für die jüngeren Anwälte bei den Großkanzleien wie Dr. Veit Öhlberger bei Dorda, Anne-Karin Grill bei Schönherr oder Dr. Valentina Wong bei Wolf Theiss.