Bank- und Finanzrecht/Kapitalmarktrecht

(Stand: 20. März 2019)

Worum geht’s?

Glossar

  • Finanzielle Restrukturierungen: Großen Causen beschäftigen viele Teams  
  • Finanzierungen: Langlaufende Kredite auf dem Prüfstand
  • Kapitalmarkt: Neue Börsensegmente sorgen für Bewegung

   

Eine ganze Serie an Restrukturierungen prägte im vergangenen Jahr das Geschäft in den Finanzierungspraxen: Ob Kika/Leiner und der frühere Mutterkonzern Steinhoff oder die Insolvenz von AirBerlin und das nachfolgende Pokern um Niki Luftfahrt – der Finanzbedarf kriselnder Betriebe hielt die Berater auf Trab. Etliche Unternehmen sicherten sich außerdem die aktuell attraktiven Kreditkonditionen.

Große Sanierungen halten Finanzteams auf Trab

Kanzleien mit starken Teams für finanzielle Restrukturierungen hatten 2018 gut zu tun. Dafür sorgten die zwei großen Sanierungsfälle hierzulande, Kika/Leiner und Niki Luftfahrt: Bei Kika/Leiner spielten in Finanzfragen unter anderem die Berater von Schönherr, Eisenberger & Herzog, Fellner Wratzfeld & Partner und Arnold zentrale Rollen, bei Niki Luftfahrt vor allem Freshfields Bruckhaus Deringer, bpv Hügel sowie Graf & Pitkowitz. Gerade Schönherr war darüber hinaus in zwei internationalen Großcausen tätig, der milliardenschweren Krise des kroatischen Agrokor-Konzerns und dem Chapter-11-Verfahren des US-Förderunternehmens Seadrill (beide öffentlich bekannt).

Zinssätze treiben Finanzierungen bis vor den OGH

Die historisch günstigen Zinsen und mittelfristig drohende, höhere Kosten bei langlaufenden Krediten sorgten in den vergangenen Monaten dafür, dass Unternehmen ihre Finanzierungen unter die Lupe nahmen. Als eine besondere Blüte ist dabei das Verfahren zwischen dem Flughafen Wien und der Europäischen Investitionsbank anzusehen: Der Flughafenbetreiber wollte mit Fellner Wratzfeld eine 2006 geschlossene, lange laufende Finanzierung mit 25-jähriger Zinsbindung unter anderem wegen Sittenwidrigkeit der Zinssätze von unter 4,5 Prozent aufkündigen. Er scheiterte jedoch vor dem Obersten Gerichtshof, wo Doralt Seist Czoklich die Bank vertrat (Gz. 3 Ob 143/18b).

Das günstige Zinsumfeld sorgte weiters dafür, dass Investoren großvolumige Transaktionen angingen. Eines der prominentesten Beispiele ist der Kauf der Gasmotorensparte von General Electric durch Advent, bei der Binder Grösswang die Geldgeber beriet. Auch der weiterhin boomende Immobilienmarkt brachte den Finanzierungsberatern einiges an Geschäft.

Zarte Blüten am Kapitalmarkt

Bei den wenigen Eigenkapitalmaßnahmen der vergangenen Monate betreute die Praxisgruppe von Binder Grösswang die beiden Kapitalerhöhungen der Banken BKS und BTV Bank für Tirol und Vorarlberg. Beim Börsegang von Marinomed Anfang 2019 zogen für die Emittentin ihre langjährige hiesige Beraterin Herbst Kinsky und Clifford Chance an einem Strang; für die Banken war Weber Rechtsanwälte tätig. Dass etliche Firmen ein Listing in den neuen Segmenten ‚Direct Market‘ und ‚Direct Market plus‘ der Wiener Börse anstreben, gibt etwas Hoffnung auf mehr Beratungsbedarf im Equity-Kapitalmarktrecht.

Bei Fremdkapitalmaßnahmen machte eine Handvoll Kanzleien das Beratungsgeschäft unter sich aus – einerseits die Teams der umfassend tätigen Einheiten Wolf Theiss, CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati und Schönherr, andererseits die spezialisierten Berater von Rautner und Weber Rechtsanwälte. Trotz der notorisch niedrigen Honorare, insbesondere im Verhältnis zur möglichen Haftung, verfolgt Wolf Theiss dieses Geschäft mit Verve und hat sich inzwischen eine herausragende Marktstellung erarbeitet. Dabei setzt sie auch auf technische Lösungen, um die Mandate effizient zu bearbeiten.

Digitalisierung des Bankgeschäfts auf dem Vormarsch

Dass die Kanzlei bei IT-getriebenen Anwendungen am Ball ist, zeigte die erste Schuldscheinemission Europas mit Hilfe der ‚Distributed Ledger‘-Technik, bei der Wolf Theiss die Erste Group beriet; Darlehensnehmer war bei der Platzierung über 20 Millionen Euro die Asfinag. Die Digitalisierung des Bankgeschäfts nutzen gerade auch weniger etablierte Einheiten als Schlüssel zum Markt. So holte Oehner & Partner einen kapitalmarktrechtlich ausgerichteten Counsel von Schönherr, der sich dort unter anderem mit ‚Initial Coin Offerings‘ auseinandergesetzt hatte.

Einen Paukenschlag auf dem Markt der Finanzierungsberater setzten die Gründer von Greenlake, die gemeinsam Barnert Egermann Illigasch verließen und sich sellbständig machten. Damit verlor die Finanzierungspraxis der Kanzlei zwei angesehene und fachlich versierte Partner, die dort eigenständiges Geschäft entwickelt hatten. Das Team ausgebaut hat dagegen Schindler mit einem Partner für Kapitalmarktrecht und öffentliche Übernahmen, der von Fellner Wratzfeld kam.

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