Gesellschaftsrecht/M&A

(Stand: 24. August 2018)

Worum geht’s?

Glossar

  • Schönherr und Freshfields Bruckhaus Deringer dominieren den M&A-Markt
  • Milliardendeals vor allem im ersten Halbjahr 2018
  • Steinhoff-Restrukturierung hält viele Kanzleien in Atem

Über zu wenig Arbeit sollte sich derzeit keiner beklagen müssen – zumindest nicht, wer auch nur annähernd mit Transaktionen befasst ist. Denn der österreichische M&A-Markt boomt. Besonders hervor tat sich in diesem für die meisten Berater sehr positiven Umfeld neben der Speerspitze auch Dorda. So konnten die Top-Kanzleien ihre Spitzenposition im JUVE-Ranking einmal mehr festigen und mit Dorda drang ein weiterer Player in den Kreis der Verfolger ein.

Weniger Deals, höhere Transaktionswerte

"Wer jetzt nicht viel zu tun hat, bei dem stimmt irgendwas nicht", fasst ein Wiener M&A-Anwalt die aktuelle Marktlage für Wirtschaftskanzleien zusammen. Und in der Tat gab es insbesondere im ersten Halbjahr 2018 so viele Transaktionen mit Österreichbezug, dass sich die meisten Kanzleien vor Geschäft kaum retten konnten.

Insgesamt 178 Deals wurden laut Meldung der Unternehmensberatung Ernst & Young in diesem Zeitraum verzeichnet. Damit waren es zwar etwas weniger Firmenübernahmen als im Vorjahreszeitraum, die Transaktionswerte lagen allerdings deutlich höher. Sie kletterten auf einen Rekordwert von fünf Milliarden Euro und verdoppelten sich damit beinahe im Vergleich zum Vorjahr.

Den ersten Platz der größten Deals im ersten Halbjahr 2018 sicherte sich OMV mit einem 1,2 Milliarden Euro schweren Kauf von 20 Prozent an den Konzessionen für zwei Offshoreölfelder der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc). Dieser Deal kam ohne externe österreichische Rechtsberater aus. Die Rechtsabteilung der OMV holte sich lediglich von Ashurst in Abu Dhabi Unterstützung.

Signa und Steinhoff soregen für gute Geschäfte

Den zweiten Platz auf dem Treppchen der größten Transaktionen belegte mit rund 1,1 Milliarden Euro der Kauf des Wieselburger Scheinwerferherstellers ZKW durch die koreanische LG Electronics. Dabei konnte Dorda als Beraterin für ZKW glänzen, während die Käuferin auf ein deutsch-österreichisches Team von Freshfields Bruckhaus Deringer setzte.

Der drittgrößte Deal war der Kauf des US-Unternehmens Xerium Technologies durch Andritz für rund 650 Millionen Euro. Hier vertraute der Maschinen- und Anlagenbauer mit Hauptsitz in Graz dem Vernehmen nach auf Binder Grösswang.

Für viel Aufsehen sorgte auch der Tiroler Multimilliardär René Benko, der mit seiner Signa-Gruppe unter anderem die angeschlagenen Möbelhäuser Kika/Leiner von Steinhoff übernahm. Der Investor setzte dabei – wie immer in Österreich – auf seine Stammberaterin Arnold. Doch es waren noch weit mehr Kanzleien involviert: Vor allem Fellner Wratzfeld & Partner stand mit der Arbeit für Steinhoff, die sie auch mit der Restrukturierung betraute, im Fokus. In weiteren Rollen waren unter anderem Schönherr, Wolf Theiss und Eisenberger & Herzog beteiligt.

Zwei Platzhirsche und viele Verfolger

Auch wenn die meisten Kanzleien von dem boomenden M&A-Markt profitieren konnten, stechen zwei besonders hervor: Schönherr und Freshfields dominieren insbesondere den Public-M&A-Markt. Ein Beispiel ist das freiwillige 3,6 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot von Vonovia für Buwog, beim dem Freshfields für Vonovia tätig war und Schönherr die österreichische Wohnungsgesellschaft beriet. Darüber hinaus machte Freshfields mit der Arbeit für die Air Berlin-Gruppe und Niki Luftfahrt in Bieterprozessen für Vermögenswerte der insolventen Fluglinien von sich reden und beriet Liberty Global beim 1,9 Milliarden Euro schweren Verkauf von UPC Austria an eine Deutsche Telekom-Tochter. Schönherr war unter anderem für den US-Investor Starwood Capital tätig, als dieser einen 26-prozentigen Anteil an CA Immo von der Immofinanz übernahm. Für die Verkäuferin kam hier Stammberaterin bpv Hügel zum Zug.

bpv Hügel neu positioniert

Neben der Arbeit, die die Anwälte von bpv leisteten, war es vor allem der plötzliche Tod von Prof. Dr. Hanns Hügel, der die Kanzlei in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Kanzleikollegen und Wettbewerber reagierten zutiefst betroffen auf die Nachricht vom unerwarteten Ableben des beliebten und hoch renommierten Anwalts. Nun bleibt abzuwarten, wer in seine großen Fußstapfen treten kann und wie sich die jüngeren Partner aufstellen. Wettbewerber rechnen der Kanzlei gute Chancen zu, ihr Standing zu halten. Dafür muss es den Anwälten allerdings gelingen, sich als Persönlichkeiten noch stärker als bisher im Markt zu positionieren.

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