Steuerrecht

(Stand: 24. August 2018)

Worum geht’s?

Glossar

  • Verfahrensspezialisten umworben
  • Markt verschiebt sich
  • Steuern sind nun Must-Have

Der über lange Zeit statische Steuerrechtsmarkt ist plötzlich in Bewegung geraten. Ein Grund dafür ist, dass Abgabenverfahren und Finanzstrafrecht rapide an Bedeutung gewonnen haben.

 Verfahrensspezialisten gefragt

Die Diskussion um eine gerechte Besteuerung international tätiger Unternehmen im Rahmen der BEPS-Initiative der OECD und die daraus folgende striktere Prüfungslinie der Steuerbehörden zeigen nun auch unmittelbare Wirkungen in den auf das Steuerrecht spezialisierten Anwaltskanzleien. Dies ist zwar nicht die einzige, aber eine wesentliche Erklärung dafür, dass in diesem Marktsegment so viel Bewegung herrscht wie nie zuvor.

Festzustellen ist jedenfalls, dass mit Dr. Benjamin Twardosz und Dr. Franz Althuber zwei Spezialisten für die derzeit besonders hoch im Kurs stehenden Steuer- und Finanzverfahren die Kanzleien wechselten. Angesichts der rapide wachsenden Bedeutung streitiger Steuerfragen sind Experten wie sie gefragt, denn es gibt nur sehr wenige von ihnen.

Verluste für Wolf Theiss…

Der langjährige zweite Mann bei Wolf Theiss, Benjamin Twardosz, ging Anfang des Jahres als Equity-Partner zu CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati und sorgte damit nicht nur für einen Aufschwung in seiner neuen Kanzlei, sondern gleichzeitig auch für das Ende der jahrelangen Dominanz von Wolf Theiss in der Steuerrechtsszene. Denn eine führende Steuerpraxis braucht heute – anders als in den Anfangsjahren der noch recht jungen anwaltlichen Steuerrechtsberatung in Österreich – gleichermaßen die konzernsteuerliche Gestaltungskompetenz wie die Fähigkeit, österreichischen und ausländischen Unternehmen hochkarätigen Beistand vor den Finanzbehörden und vor Gericht zu bieten. Die Einrichtung des Bundesfinanzgerichts vor wenigen Jahren, aber auch die Zurückhaltung vieler Mandanten, komplizierte Rechtsfragen allein durch Steuerberater von Wirtschaftstreuhand- und Steuerberatungsgesellschaften verhandeln zu lassen, taten dafür ihr übriges.

… und DLA Piper

Der ehemalige Steuerchef von DLA Piper Weiss-Tessbach, Franz Althuber, der diese Position für viele Jahre bekleidet hatte, machte sich dagegen in diesem Frühjahr selbstständig und schloss sich mit dem aufstrebenden PwC-Partner Martin Spornberger zusammen, um eine Spezialkanzlei für Betriebsprüfungen, Abgabenverfahren und Finanzstrafrecht zu gründen – Althuber Spornberger & Partner ist nach Aigner Buzanich überhaupt erst die zweite Steuerboutique in Wien.

Bei DLA riss der Weggang Althubers naturgemäß auch eine große verfahrensrechtliche Lücke. Jedoch scheint sich die internationale Großkanzlei – vorerst jedenfalls – vollkommen auf Transaktionsbegleitung und unternehmensteuerliche Gestaltungsberatung konzentrieren zu wollen und holte dafür von der führenden Steuerberatungsgesellschaft LeitnerLeitner den Anwalt und Steuerberater Dr. Dimitar Hristov als neuen Praxischef.

Kompetenzen geschärft

Doch bildet DLA damit eher die Ausnahme. Die meisten Kanzleien verstärken ihre verfahrensrechtliche Kompetenz, indem sie sich teamintern neu aufstellen (wie etwa Binder Grösswang) oder Experten von außen hinzuholen. Prominentes Beispiel dafür ist der an sich von jeher auf steuerliche Transaktions- und Umgründungsberatung fokussierte Dr. Clemens Schindler, der für seine vor einigen Jahren eröffneten Kanzlei zwei auch in Verfahrensfragen gestählte Counsel von Freshfields Bruckhaus Deringer und Ludwig & Partner holte.

Andere Kanzleien dagegen halten offenbar vor allem deshalb am Steuerrecht fest, um auch bei internationalen Verweismandaten keine Beratungslücken aufzuweisen. Dies gilt einerseits für das Wiener Büro von Baker & McKenzie, das in der global sehr starken Steuerpraxis der amerikanischen Großkanzlei auch österreichische Steuerkompetenz aufweisen muss, um im Netzwerk zu bestehen, und andererseits für Schönherr, die mit einem seit Ende 2016 eingetragenen Anwalt auf eigene Talente setzt, um das Team langsam, aber dafür nachhaltig aufzubauen.

Neue Zeitrechnung bei bpv

Dies ist bei bpv Hügel bereits gelungen – umso wichtiger angesichts des Schlags, den die Steuerpraxis Ende 2017 traf. Mit dem Tod des Kanzleigründers und Seniorpartners Prof. Dr. Hanns Hügel verschwand überraschend die prägende Figur der anwaltlichen Steuerberatung Österreichs schlechthin vom Markt. Er hatte es als einer der ersten verstanden, Gesellschafts- und Steuerrecht aus einer Hand anzubieten und machte sich so zum Vorbild einer Vielzahl von Kanzleien. Die bpv-Steuerpartner der nächsten Generation haben sich jedoch in den vergangenen Jahren bereits etabliert, sodass weniger ihre unzweifelhafte fachliche Expertise als vor allem ihre Akquisefähigkeiten gefragt sind, um die Bedeutung der Steuerpraxis auch in der Post-Hügel-Ära aufrechterhalten zu können.

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