Arbeitsrecht

(Stand: 15. Juli 2020)

Worum geht’s?

Glossar

  • Arbeitsrechtler profitieren von der Krise
  • Betriebsvereinbarungen und Kollektivverträge müssen angepasst werden
  • Partnerwechsel sorgen für frischen Wind

Bereits vor der Corona-Krise hatten Arbeitsrechtler in Österreich keine Langeweile. Neben gesetzlichen Änderungen brachten vor allem personelle Wechsel den Beratermarkt in Schwung. Zudem zeichnet sich ein Generationswechsel ab, den einige etablierte Einheiten zu verpassen drohen.

Keine Kurzarbeit für Arbeitsrechtler

In keinem anderen Rechtsgebiet waren Anwälte zu Beginn der Corona-Krise so gefragt wie im Arbeitsrecht. Da sich insbesondere bei der Kurzarbeit nahezu täglich die Rechtslage änderte, wandten sich selbst Unternehmen mit großer eigener Rechtsabteilung an externe Berater. Zahlreiche Unternehmen beantragten die neu eingeführte Kurzarbeitshilfe, die mit mindestens 80 Prozent des ursprünglichen Nettogehalts in keinem anderen Land so großzügig sein dürfte wie in Österreich. Auch zu Urlaubsansprüchen oder Arbeitsschutz kamen Fragen auf, die sich zuvor so noch nie gestellt hatten.

Um trotzdem schnell und kompetent unterstützen zu können, gab es im März und April einen beispiellosen Austausch unter Österreichs Arbeitsrechtlern. Aufbauend auf dem vor Jahren von Dr. Ralf Peschek ins Leben gerufenen Wiener Arbeitsrechtsstammtisch, versorgten sich die Anwälte nun regelmäßig per Videokonferenz und Mails gegenseitig mit neuen Informationen und Tipps für die Beratungspraxis.

Neues Arbeitszeitgesetz sorgt für Arbeit

Doch bereits lange vor der Pandemie hatte das hiesige Arbeitsrecht einige Neuerungen zu bieten: Im Herbst 2018 sorgte die Reform des Arbeitszeitgesetzes (AZG) für zahlreiche Proteste von Dienstnehmern und Betriebsräten. Denn sie macht eine Höchstarbeitszeit von 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche möglich. Die von Kritikern heraufbeschworene 60-Stunden-Woche bleibt jedoch die Ausnahme, an der Normalarbeitszeit von 40 Stunden (beziehungsweise je nach Kollektivvertrag sogar weniger) hat sich nichts geändert. Zudem können Arbeitnehmer Überstunden, die über der vorher geltenden Höchstgrenze von 10 Stunden pro Tag liegen, ohne Angabe von Gründen ablehnen. Zumindest dem Gesetz nach dürfen sie deswegen nicht benachteiligt werden.

Die neuen Regelungen, vor allem aber die in Zeiten der Digitalisierung und New-Work-Modelle notwendige Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort, machte Anpassungen von Betriebsvereinbarungen und Kollektivverträgen nötig.

Ein Jahr später, im Herbst 2019, wurde eine weniger umstrittene Neuerung für Angestellte eingeführt: der Papamonat. Heiß diskutiert wurde der Rechtsanspruch auf die einmonatige Freistellung einzig unter Juristen. Denn zunächst musste geklärt werden, ob Anwälte weiterhin eingetragen bleiben können, wenn sie den Familienzeitbonus in Anspruch nehmen. Auf Gleichbehandlung pochte auch ein Angestellter, der mit Unterstützung des renommierten Arbeitnehmervertreters Dr. Alois Obereder bis vor den EuGH zog und dafür sorgte, dass der Karfreitag als Feiertag für christliche Arbeitnehmer abgeschafft wurde. Stattdessen kann jeder Arbeitnehmer den von ihm gewünschten zusätzlichen freien Tag selbst festlegen.

Fit für die Zukunft

Während Freimüller Obereder Pilz ihren Schwerpunkt weiterhin klar in der Beratung von Dienstnehmern und Betriebsräten hat, verschiebt sich die Arbeit bei Gerlach weiter in Richtung Arbeitgeber. Ein Grund dafür liegt im Beitritt der Kanzlei zum weltweiten Littler-Netzwerk, das eine stärkere internationale Präsenz, aber eben auch potenzielle Konflikte mit Arbeitnehmermandaten mit sich bringt. In diesem Wandel liegt jedoch die Chance, die Kanzlei mittelfristig fit für eine Zukunft abseits des anerkannten Namenspartners Gerlach zu machen.

Einen solchen Generationswechsel einzuleiten, stünde der Boutique Burgstaller & Preyer ebenfalls gut zu Gesicht. Zwar zählt sie durch die beiden renommierten Partner nach wie vor zu den marktführenden Einheiten. Diese Position auf Dauer zu halten, dürfte ohne geeignete Nachfolger jedoch schwierig werden.

Boutiquen auf dem Vormarsch

Die mangelnde Förderung aufstrebender Talente war es auch, die die Partnerriege um Dr. Georg Schima zuletzt deutlich verkleinerte. Nach dem Wechsel zu Schima Mayer Starlinger verließen mit Maria Schedle und Dr. Natalie Hahn gleich zwei Salary-Partnerinnen das Team, um in anderen Einheiten ihren Weg zu gehen. Während Schedle frischen Wind in die Kanzlei um Dr. Helmut Engelbrecht brachte, wechselte Hahn als neue Praxisleiterin zu Doralt Seist Csoklich. Ihre Vorgängerin dort, Dr. Ingrid Korenjak, hatte die Kanzlei zum Jahreswechsel verlassen, um sich in einer Boutique ihren Mandanten widmen zu können.

Die spezialisierten Einheiten spielen im österreichischem Arbeitsrecht nach wie vor eine wichtige Rolle, so konnten sich neben den etablierten Größen die Neugründungen der letzten Jahre, wie Körber-Risak, Zeiler oder Prchal, erfolgreich positionieren.

Von den durch die coronabedingte Wirtschaftskrise voraussichtlich anstehenden Restrukturierungen dürften jedoch eher Arbeitsrechtspraxen größerer Kanzleien profitieren, die wie Eisenberger & Herzog oder Fellner Wratzfeld & Partner über starke Restrukturierungsteams verfügen. Von jeglichen Krisen und anstehenden Veränderungen im Markt unberührt steht nach wie vor CMS Reich-Rohrwig Hainz unangefochten an der Spitze des JUVE-Rankings.

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