Steuerrecht

(Stand: 30. September 2019)

Worum geht's

Glossar

  • Steuerreform 2020
  • Streitiges Steuerrecht gewinnt an Bedeutung
  • Kanzleien rücken näher zusammen

 

Nachdem 2018 viel Bewegung im Kanzleimarkt herrschte, sind die teilweise neu formierten Teams und Kanzleien dabei, ihre Position zu finden. Fest steht: Steuerrechtliche Beratung ist in Österreich gefragt wie nie – trotz politischen Stillstands.

Die Digitalsteuer kommt

Österreich im Herbst 2019: Der politische Stillstand, den die Ibiza-Affäre über das Land gebracht hatte, nähert sich dem Ende. Eine neue Regierung unter Führung der ÖVP ist in Sicht – zuvor hatte die Übergangsregierung noch schnell einige liegengebliebene steuerpolitische Projekte durchgedrückt. Das wohl spektakulärste: Mit der Steuerreform 2020 führt Österreich die Digitalsteuer ein, die es auf EU-Ebene nicht hatte durchsetzen können. Digitalkonzerne, die mit Onlinewerbeleistungen einen Umsatz von jährlich mindestens 25 Millionen Euro erzielen, zahlen künftig fünf Prozent Steuern für ihre Werbeumsätze. Die Abgabe betrifft vor allem US-Konzerne wie Google und Facebook. Kleinunternehmer profitieren hingegen von einer Steuerpauschalierung und auch für Stiftungen wurden Änderungen bei der Einkommens- und Körperschaftssteuer beschlossen.

Steuerstrafrecht im Aufwind

Für steuerberatende Anwälte und Praktiker besonders relevant war zudem, dass Österreich bis dato weder die DAC-6-Richtlinie für anzeigepflichtige Steuergestaltungen noch die Richtlinie zur Beilegung von Besteuerungsstreitigkeiten zwischen Mitgliedsstaaten umgesetzt hat – zwei steuerpolitische Großthemen. Dessen ungeachtet zeigen die Richtlinien, wo auch in Österreich die Reise hingeht: Die Compliance-Anforderungen in Banken (und Unternehmen) steigen, streitiges Steuerrecht gewinnt an Bedeutung. Für die Kanzleien bedeutet dies, den Ausbau ihrer verfahrensrechtlichen Kompetenz voranzutreiben, was kurz- und mittelfristig zu Verschiebungen in der Kanzleilandschaft führt beziehungsweise bereits geführt hat.

So ist sich der Markt einig, dass die Gründung der auf Steuerverfahren und Finanzstrafrecht fokussierten Kanzlei Althuber Spornberger & Partner zu keinem besseren Zeitpunkt hätte stattfinden können. Und bereits im zweiten Jahr ihrer Existenz zeigt sich anhand des großen Verweisgeschäfts von anderen Anwalts- und Steuerberatungskanzleien (bis hin zu den Big Four), dass sich der Schritt ausgezahlt hat. Genauso verhält es sich bei Cerha Hempel, die mit dem ebenfalls 2018 gekommenen Dr. Benjamin Twardosz alles richtig gemacht hat. Gleichzeitig hat sich dessen frühere Kanzlei Wolf Theiss wieder gefangen und verzeichnet ebenfalls ein größeres Aufkommen an verfahrens- und steuerstrafrechtlichen Nachfragen.

Das Feld wird enger

Insgesamt gilt: Allen marktprägenden Kanzleien – von Freshfields Bruckhaus Deringer über Binder Grösswang bis zu bpv Hügel – ist es mittlerweile gelungen, sich auf dieses Feld einzustellen, wenn auch in unterschiedlichem Maße.

Doch auch dahinter wird das Feld enger. So mausert sich Schindler bei internationalen Transaktionen, aber auch bei Umsatzsteuern und Verrechnungspreisstreitigkeiten immer mehr zu einer ernstzunehmenden Herausfordererin der etablierten Referral-Kanzleien wie Binder Grösswang, Wolf Theiss oder Dorda. CMS Reich-Rohrwig Hainz hingegen ist zunehmend bei (grenzüberschreitenden) Umstrukturierungen gefragt.

Höchste Zeit also, dass auch Schönherr wieder ins Geschehen eingreift. Die Kanzlei weist seit Jahren keinen klaren Kurs im Umgang mit dem Steuerrecht auf. Nachdem der Aufbau eines Steuerteams im vergangenen Jahr mit dem Weggang eines spezialisierten Rechtsanwalts wieder einen Rückschlag erlebt hatte, startet die Kanzlei einen neuen Versuch. Doch ob dieser gelingt, ist noch offen.

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