Immobilienwirtschafts- und Baurecht

(Stand: 03. Mai 2021)

Worum geht’s?

  • Wohn- und Logistikimmobilien gefragter denn je
  • Corona rückt Miet- und Pachtrecht in den Vordergrund
  • Deals vor allem im Small- und Mid-Cap-Bereich

 

Nur eine kurze Schockstarre, dann war Corona auch schon wieder vorbei. Das gilt zumindest für den österreichischen Immobilienmarkt. Die Pandemie konnte der Branche kaum etwas anhaben: Es wird weiterhin viel gebaut, vor allem Wohnungen und Logistik, und fleißig verkauft, wenn auch mehr klein- als großvolumig. So versorgt der Markt die Immobilien- und Baurechtler mit ausreichend Geschäft – und ruft sogar einige neue Player auf den Plan.

2019 war laut Immobiliendienstleister CBRE ein Rekordjahr für den österreichischen Immobilienmarkt, denn es war das Jahr der großen Deals: Das ,Hilton am Stadtpark‘ wurde verkauft und auch das T-Center wechselte den Eigentümer (Ausgewählte Immobilientransaktionen in Österreich). Das Geschäft der Immobilien- und Baurechtler boomte – doch dann kam Corona und versetzte die Branche in eine „Schockstarre“, wie mehrere Wiener Anwälte berichten. Plötzlich berieten sie nicht mehr zu Transaktionen, sondern zu den Auswirkungen der Pandemie. Vor allem das Miet- und Pachtrecht beschäftigte die Kanzleien: Darf der Mieter den Mietzins aufgrund von coronabedingten Geschäftsschließungen und Umsatzeinbußen mindern und wenn ja, um wie viel? – Dies war wohl die am häufigsten gestellte Frage. Aber auch die Baustellen standen vorübergehend still, so dass der coronabedingte Beratungsbedarf hier ebenfalls anstieg.

Schnelle Erholung nach dem ersten Schock

Nach nur kurzer Zeit löste sich das Gespenst namens Corona allerdings in Luft auf: Auf den Baustellen nahm man wieder die Arbeit auf, und auch das Transaktionsgeschäft kam erneut in Fahrt. Spätestens Ende des Jahres 2020 lief alles so, als gebe es gar keine Krise. Zumindest fast.

Natürlich sind die Assetklassen Büro und vor allem Hotel und Einzelhandel aktuell weniger gefragt als zuvor, auch wenn es hier durchaus Akteure gibt, die aufgrund der niedrigeren Preise ihre Chancen nutzen, um in den Markt einzusteigen. Daneben kamen sogar ganz neue Akteure nach Österreich, so etwa Cosi Hospitality. Logistik und vor allem Wohnen sind dafür gefragter denn je. Wer sich ein solches Projekt sichern kann, tut es so früh wie möglich. Forward Deals sind also weiterhin en vogue. Allerdings hat das durchschnittliche Dealvolumen abgenommen: Aktuell wird vor allem im kleineren und mittleren Segment verkauft, große Deals sind selten geworden.

Automatisierung von Prozessen hält Einzug

Vielleicht ist auch deshalb der Druck bei den Kanzleien noch nicht besonders groß, um Legal-Tech-Tools bei der Due Diligence einzusetzen. Nur wenige Kanzleien haben sich hier bislang versucht, sehen den Nutzen aber auch als eher gering an. Wenn sich Kanzleien in Sachen Legal Tech engagieren, dann eher im Bezug auf die Automatisierung von Prozessen, sei es die Vertragserstellung oder der Abverkauf von Wohnungen. So wie beispielsweise Grama Schwaighofer Vondrak, die eine eigene Software für Bauträger entwickelten. Darüber hinaus würden die Kanzleien aber gut daran tun, sich auch in anderen Bereichen Legal Tech zunutze zu machen, weil die Effizienzsteigerung einen Wettbewerbsvorteil darstellt, den die Mandanten zu schätzen wissen.

Nur eher schleppend kommt auch die Planungsmethode Building Information Modelling (BIM) im Markt voran. Zwar werden schon einige Projekte auf diese neue Art, die Bauzeit und -kosten im Rahmen halten soll, umgesetzt, vor allem im Tiefbau. Doch es ist noch ein weiter Weg, bis BIM zum Standard wird. Die Einführung eines BIM-Masterstudiengangs an der Fachhochschule Joanneum in Graz kann diese Entwicklung möglicherweise beschleunigen.

Auf dem Markt der Immobilien- und Baurechtskanzleien ist es vor allem die renommierte Baurechtskanzlei KWR Karasek Wietrzyk, die in einigen BIM-Projekten vertreten ist. Aber auch die aus dem Vergaberecht kommende Kanzlei Heid und Partner hat sich dieses Thema auf die Fahnen geschrieben, ebenso wie die Beratung zu Allianz-Verträgen, die ohnehin im Trend sind.

Beraterlandschaft wird vielfältiger

Mit der anhaltend guten Immobilienkonjunktur der vergangenen Jahre, die durch Corona vorübergehend nur etwas gedämpft wurde, ist auch die Zahl der Kanzleien gestiegen, die zum Immobilien- und Baurecht beraten. Vor allem die Rechtsberatungsarme der Big Four haben zuletzt entsprechende Praxen etabliert – und das mit prominenten Namen aus den renommierten Einheiten. So wechselte Dr. Stephan Größ von Baker & McKenzie zu Pelzmann Gall Größ und Karl Koller von Wolf Theiss zu Oehner & Partner. Beide haben Geschäft aufgebaut und werden von ihren Wettbewerbern am Markt mit Respekt wahrgenommen. Aber auch Praxen einiger klassischer Kanzleien drängen an die Oberfläche, vor allem solche, die von jungen Partnern geführt werden. So etwa die erst 2017 gegründete Kanzlei FSM oder die Praxis von PHH unter der Führung von Julia Fritz.

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