UMSTRUKTURIERUNG: WELLENSIEK GEWINNT PARTNER VON BBL

Die Umbauphase bei BBL Brockdorf & Partner schreitet weiter voran: Wie geplant beruft die Kanzlei einen Geschäftsführer: Dr. Martin Dummler (59) folgt auf Interimsmanagerin Jutta Humfeldt. Wellensiek profitiert von der Umstrukturierung und nimmt BBL-Partner Andreas Pantlen (54) an Bord. Außerdem kommt von Anchor der Partner Dr. Paul Abel (51) zu Wellensiek.

Andreas Pantlen

Andreas Pantlen

Anfang des Jahres hatte BBL die organisatorische Zusammenführung von Restrukturierungs-, Insolvenzverwaltungs-, Prozessführungs- und Beratungsgeschäft in ein einziges Unternehmen beschlossen.

Diese Fusion trieb seit Februar Humfeldt als Interimsmanagerin voran. Für die Reorganisation war etwa ein halbes Jahr geplant, um danach in der dann fusionierten Gesellschaft mit derzeit rund 50 Anwälten dauerhaft einen operativen Manager zu installieren.

BBL hatte die Umstrukturierung schon im vergangenen Jahr angekündigt. Sie spielte bereits eine Rolle beim Wechsel des Teams um den bisherigen Namenspartner Dr. Georg Bernsau zu K&L Gates. Auch ein Großteil des Münchner Standorts hatte sich mit weiteren, externen Anwälten zum Jahresbeginn in der Sozietät KJK Kolmann Jakobs Kramer selbstständig gemacht. BBL will sich nun zunächst ohne das Düsseldorfer Büro um eine Stärkung ihrer verbleibenden neun Standorte kümmern.

Umbau bei BBL hinterlässt personelle Spuren

Der Jurist Dummler wird das administrative Geschäft der Kanzlei verantworten. Er arbeitete zuletzt als selbstständiger Rechtsanwalt. Von 1999 bis 2004 war er Mitglied der Geschäftsleitung bei Haarmann Hemmelrath, davor bei der DG Bank. Seine Managementtätigkeit soll durch nichtjuristisches Fachpersonal für Finanzen, Personal, IT und Marketing unterstützt werden.

Equity-Partner Pantlen kehrt nun nach sieben Jahren bei BBL zu Wellensiek zurück. Er war 2014 mit einem 20-köpfigen Team dorthin gewechselt. Pantlen ist zuletzt hauptsächlich für die Beratung von Eigenverwaltungen bekannt. Er unterstützte etwa den angeschlagenen Schuhhändler Schuhpark Fascies juristisch in der Eigenverwaltung. Als Generalbevollmächtigter engagierte er sich 2020 bei der Achimer Stadtbäckerei.

Paul Abel

Paul Abel

Wellensiek stellt sich mit Laterals breiter auf

Der andere Wellensiek-Neuzugang, Dr. Paul Abel, wurde bei Anchor von sechs bayerischen Insolvenzgerichten zum Insolvenzverwalter und Sachwalter bestellt. Er war ebenfalls bereits bei Wellensiek tätig und zwar zwischen 2004 und 2011. Bei Anchor leitete er als Non-Equity Partner den Standort Augsburg. Als Insolvenzverwalter ist er etwa seit 2020 bei den operativen Gesellschaften des Automobildienstleisters Arwe Group mit rund 4.000 Mitarbeitern tätig. In München wird er das Restrukturierungsteam um Prof. Dr. Markus Stadler ergänzen.

Wellensiek hatte bereits zum Mai den Nachlassspezialisten Christian Weiß als Partner für Köln geholt. Er war vorher bei Leonhardt Rattunde angestellt. Wellensiek beschäftigt damit nun an 16 Standorten rund 150 Mitarbeiter, darunter 46 Berufsträger.

Die in den vergangenen Jahren personell expansive Kanzlei Anchor verliert mit Abel nicht den ersten Verwalter in diesem Jahr. Der Equity-Partner Dr. Thomas Rieger verließ zum Januar das Stuttgarter Büro. Er ging als Salary-Partner in das noch junge Stuttgarter Büro von Görg, in deren Restrukturierungspraxis er früher schon einmal tätig war. (Ludger Steckelbach)

Auch Kirkland & Ellis wird die Gehälter ihrer jungen Anwälte kräftig aufstocken: 160.000 Euro Fixgehalt wird ein deutscher Berufsteinsteiger nach JUVE-Informationen dort künftig verdienen. Das sind 29.000 Euro mehr als bisher. Dazu kann schon im ersten Jahr ein zusätzlicher Bonus in Höhe von umgerechnet bis zu 18.000 Euro kommen.

Offiziell will die Kanzlei die Zahlen nicht bestätigen. Mehrere zuverlässige Quellen berichten jedoch, dass die US-Kanzlei nicht nur die Bezahlung der First-Year-Associates deutlich anhebt, sondern auch die der übrigen Jahrgänge. So kann ein Associate im 6. Berufsjahr bei Kirkland künftig 230.000 Euro verdienen, bislang sind es 212.000 Euro. Anwältinnen und Anwälten im 3. Jahr verdienen 24.000 Euro mehr als zuvor.

Boni werden leistungsabhängig ausgezahlt. Hinter vorgehaltener Hand wird allerdings berichtet, dass auch Junior Associates üblicherweise mindestens etwa 10.000 Euro ausgeschüttet bekommen.

Nach zwei Jahren Pause im Gehälterwettstreit hatte Willkie Farr & Gallagher kürzlich das Rennen neu eröffnet und 155.000 Euro plus Bonus für Berufseinsteiger aufgerufen. Es folgte dann Milbank mit einer Kampfansage von 160.000.

Kirkland ist neben Milbank, Willkie, Sullivan & Cromwell, Skadden Arps Slate Meagher & Flom und Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan eine der Topzahlerinnen auf dem internationalen Parkett. Sie erwirtschaftete 2020 weltweit insgesamt 4,1 Milliarden Dollar und war damit erneut die umsatzstärkste Kanzlei der Welt. (Christiane Schiffer)

Der irische Beratungsgigant Accenture übernimmt die weltweit agierende Aachener Unternehmensberatung Umlaut. Mit dem Zukauf stärkt Accenture seine sogenannte Industry-X-Sparte. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Christian Atzler

Christian Atzler

Der Zukauf hilft Accenture, seine Industry-X-Sparte auf- und auszubauen. In dem Segment, das sie seit 2017 stetig aufbaut, unterstützt die Unternehmensberatung ihre Kunden bei der Digitalisierung von Betriebsabläufen.

Insgesamt hat das Unternehmen Medienberichten zufolge in den vergangenen 4 Jahren 22 Zukäufe getätigt. In Deutschland war zuletzt der Würzburger Technologieberater Salt Solutions hinzugekommen. Zuvor gehörten die Embedded-Software-Experten von ESR Labs, der Computeranimationsspezialist Mackevision und der Designberater Designaffairs zu den Übernahmezielen.

Umlaut war 2019 aus der Spaltung der 1996 gegründeten P3 Ingenieursgesellschaft in die Unternehmen P3 und Umlaut entstanden. Seit 2018 befindet sich die Beratungsgesellschaft in einem Umstrukturierungsprozess, der Ende Oktober 2020 in die Umfirmierung zur SE mündete. Der Umatz mit rund 4.500 Mitarbeitern liegt bei rund 400 Millionen Euro. Verkäufer sind die Aktionäre der Umlaut.

Berater Accenture
Baker & McKenzie (Frankfurt): Christian Atzler, Christian Vocke (beide Corporate/M&A)

Klaus Jäger

Klaus Jäger

Berater Umlaut
CMS Hasche Sigle (Köln): Klaus Jäger, Dr. Malte Bruhns (beide Corporate/M&A)
Haver Mailänder (Stuttgart): Dr. Timo Alte (Corporate)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Accenture setzt im M&A regelmäßig auf Baker & McKenzie. Die Kanzlei stand in der Vergangenheit aber auch in gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten an der Seite des Beratungskonzerns.

Die Transaktion verhandelte für Umlaut nach JUVE-Informationen die Kölner CMS-Partner Jäger und Bruhns. Haver Mailänder kümmerte sich um die aktienrechtliche Umsetzung. Bekannt ist, dass die Haus- und Hofkanzlei des Aachener Unternehmens bereits seit einigen Jahren die Umstrukturierung begleitet. Partner Alte ist Mitglied im Aufsichtsrat der Firma. (Martin Ströder)

Der im MDax notierte Softwareanbieter CompuGroup Medical (CGM) übernimmt den Bildarchivierungsspezialisten Visus Health IT. Er zahlt dafür rund 50 Millionen Euro an die beiden Verkäufer, die Visus Beteiligungsgesellschaft und die Grönemeyer Medical, hinter welcher der bekannte Radiologe Prof. Dietrich Grönemeyer steht. Wenige Tage später angelte sich CGM auch gleich den Softwarehersteller Meta IT.

Stephan Waldhausen

Stephan Waldhausen

Visus Health IT vertreibt Content-Management-Systeme für die Healthcare-Branche und hat Module zur Bildarchivierung und Kommunikation entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse radiologischer Praxen zugeschnitten sind. Das auf dem Gesundheitscampus Bochum beheimatete Unternehmen wurde 2000 gegründet und beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete es etwa 18,5 Millionen Euro Umsatz. 

Zudem erwarb CGM sämtliche Geschäftsanteile an ihrem bisherigen Geschäftspartner Meta IT, der digitale Abrechnungen diagnosebezogener Fallgruppen ermöglicht und dessen browserbasierte Lösungen in alle relevanten Klinikinformationssystemen (KIS) integrierbar sind.

Die Koblenzer CGM bietet Anwendungssoftware für das Gesundheitswesen an, die insbesondere von Apotheken und Arztpraxen sowie Krankenhäusern und medizinischen Laboratorien genutzt wird. Die Visus-Archivierungsfunktionen sollen in die eigenen Informationssysteme integriert werden. Nach einem Umsatzrekord 2020 in Höhe von 837 Millionen Euro rechnet das transaktionsfreudige MDax-Unternehmen für das laufende Jahr mit weiterem Wachstum und etwa einer Milliarde Umsatz.   

Ankauf der Visus Health IT

Berater CompuGroup Medical (CGM)
Inhouse Recht (Koblenz): Agnieszka Mögelin-Zinger (Global General Counsel)
Inhouse Steuern (Koblenz): Thorsten Kollet (Corporate Vice President Finance)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen (Co-Federführung), Dr. Norbert Schneider (Steuerrecht), Dr. Theresa Ehlen (IT; Frankfurt), Dr. Peter Niggemann (Kartellrecht), Dr. Thomas Granetzny, Sascha Arnold (Regulatory; Berlin); Associates: Dr. Philipp Pütz (Co-Federführung), Henri Conze, Justus Pauls, Dr. Constanze Roth (alle Corporate/M&A), Thomas Richter, Dr. Magnus Bleifeld (beide Steuerrecht), Stefan Bajohr, Dr. Florian Klein (beide IP/IT), Paul Drößler, Dr. Michael Bakowitz (beide Kartellrecht), Dr. Manuel Jäger (Arbeitsrecht), Valentina Glasa (Immobilienrecht; Frankfurt)
WTS Steuerberatungsgesellschaft: Daniel Blöchle (Nürnberg), Axel Wagner; Manager: Hendrik Rennert, Jens Hartmann (alle Frankfurt; alle Steuern)
Wenger & Vieli (Zürich): Barbara Brauchli Rohrer, Marc Gerber (beide Steuern)
FAS Steuerberatungsgesellschaft (München): Thomas Kupke (Federführung), Stilianos Koulaxidis

Moritz Gröning

Moritz Gröning

Berater Visus und Grönemeyer Medical
PwC Legal
(Nürnberg): Gerhard Wacker (M&A), Moritz Gröning (Corporate/M&A; Berlin; beide Federführung), Dr. Tobias von Tucher (IP; München), Susanne Zühlke, Dr. Gerung von Hoff (beide Kartellrecht), Dr. Georg Queisner (Vergaberecht); Associates: Thomas Moritz, Stephan Söbbeke, Moritz Westermann (alle Berlin), Dr. Danielle von Hegel (Frankfurt; alle M&A), Thomas Urband, Janina Thieme (beide IP; beide München), Malte Sandhove (Kartellrecht; Berlin)
PricewaterhouseCoopers (Frankfurt):  Daniel Windsheimer (Steuern); Associates: Stefanie Tielemann, Saskia Bardens (beide Steuern)

Ankauf der Meta IT

Berater CompuGroup Medical
Inhouse Recht (Koblenz): Agnieszka Mögelin-Zinger (Global General Counsel)
Mutter & Kruchen (Düsseldorf) Dr. Carsten Kruchen; Associate: Jessica Werner (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
TCI Rechtsanwälte Stephan Schmidt, Sabine Brumme (beide IT), Stephan Breckheimer (Arbeitsrecht); Associate: Joscha Falkenhagen (IT)

Berater Meta IT-Gesellschafter
Dieter Quack (Saarbrücken) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Freshfields steht CGM schon seit Jahren  bei strategisch bedeutsamen Projekten zur Seite. Ihr  Düsseldorfer Partner Waldhausen und Principal Associate Pütz unterstützten das Unternehmen auch im Februar 2020, als es die US-Softwarefirma eMDs kaufte. Mit einem Team um Partner Dr. Frank Laudenklos und Principal Associate Alexander Pospisil brachte Freshfields eine Refinanzierung im vergangenen Jahr in Vertragsform. Der Associate Henri Conze ist derzeit auch Secondee bei CGM.

Intern steuerte Global General Counsel Mögelin-Zinger in rechtlicher Hinsicht die Transaktionen. Sie war im Dezember vergangenen Jahres von Lanxess zu dem E-Health-Unternehmen gewechselt und leitet dort nun ein sechsköpfiges Team, zu dem seit Mai auch Holger Wagener als Head of Legal M&A gehört.

Stephan Schmidt

Stephan Schmidt

WTS war erstmals für CGM aktiv und über eine Empfehlung aus dem Markt ins Mandat gekommen. Das Team um den Nürnberger Partner Blöchle kümmerte sich insbesondere um die Tax Due Diligence sowie die steuerliche Strukturierung des Visus Health IT-Zukaufs. Mit Blick auf die CGM-Tochtergesellschaft in der Schweiz und Aspekte nach schweizerischem Recht hatte WTS mit Wenger & Vieli eine Sozietät aus dem Kanzleinetzwerk WTS Global eingeschaltet. 

PwC Legal kam ebenfalls über eine Empfehlung ins Mandat bei den Gesellschaftern von Visus Health IT. Der Rechtsarm von PwC betreut das Softwareunternehmen seit mittlerweile zwei Jahren und hat den Deal mit CGM vorbereitet und verhandelt. Zu der Mannschaft um die Transaktionsanwälte Wacker und Gröning gehörte auch die Kartellrechtlerin Zühlke, die zum Jahresbeginn von Willkie Farr & Gallagher wechselte und bei dem Rechtsteam nun eine breite kartellrechtliche Beratung aufbaut  Auch die Advisory-Einheit von PwC unter der Federführung von Dr. Alexander von Friesen war in den Deal eingebunden.

Für den Ankauf der Meta IT griff CGM auf ein eingespieltes Transaktionstandem zurück: die IT-Boutique TCI Rechtsanwälte und die Corporate-Einheit Mutter & Kruchen arbeiten seit 2017 im Transaktionsgeschäft zusammen, indem Mutter & Kruchen die Legal Due Dilligence sowie Verhandlung des SPA im Bereich Gesellschaftsrecht übernimmt, TCI hingegen deckte beispielsweise  IT/IP, Datenschutz und Arbeitsrecht ab. TCI-Partner Schmidt  berät CompuGroup bereits seit 2018 regelmäßig in IT- und datenschutzrechtlichen Themen, aber hier stemmten die Sozietäten erstmals einen M&A-Deal für CGM.  Den Kontakt hatte nach JUVE-Informationen seinerzeit Baker & McKenzie-Partner Dr. Holger Lutz hergestellt. (Verena Clemens, Annika Janßen, Sonja Behrens)

Zum Juli wird der Marken- und Wettbewerbsrechtler Dr. Alexander Bayer Partner in der Münchner IP-Praxis von Preu Bohlig. Der 51-jährige kommt von Pinsent Masons, wo er ebenfalls Partner war.

Alexander Bayer

Alexander Bayer

Bayer ist auf die Beratung und Vertretung im Marken-, Wettbewerbs- und Urheberrecht spezialisiert und verfügt zudem über Erfahrung bei IT und Datenschutz. Für Bayer ist es der zweite Wechsel zu Preu Bohlig – bereits von 2003 bis 2007 war er in der Kanzlei tätig. Bevor er bei Pinsent Masons einstieg, arbeitete er bei Jones Day und Gowling.

Erst Anfang des Jahres hatte sich Preu Bohlig im Soft-IP verstärkt. In Hamburg kam der langjährige Harmsen Utescher-Partner Dr. Jan Heidenreich hinzu, mit dessen Wechsel Preu Bohlig den Wiederaufbau der Praxis vor Ort einleitete. Das frühere Team war im Sommer 2017 geschlossen zu CBH Rechtsanwälte gewechselt.

Bei Pinsent gab es zuletzt personell Bewegung. In Düsseldorf wechselte der M&A- und Corporate-Spezialist Torsten Bergau zur Beratungsgesellschaft Frankus. Zum Jahreswechsel eröffneten die Energierechtler Dr. Thorsten Volz und Dr. Torsten Wielsch mit einem sechsköpfigen Team für Watson Farley & Williams ein Büro in Düsseldorf. 

Bei Pinsent verbleiben im Soft-IP neun Berufsträger. Von den beiden Partnern arbeitet einer in München. Preu Bohlig wächst in dem Fachbereich auf acht Partner und elf weitere Berufsträger. (Helena Hauser)

Der weltweit agierende Techniplas-Konzern hat einen Großteil der börsennotierten Nanogate-Gruppe aus der Insolvenz übernommen. Der Kauf umfasste Asset-Deals und Share-Deals: Techniplas erwarb die wesentlichen Vermögenswerte der Nanogate SE und ihrer insolventen deutschen Tochtergesellschaften sowie Beteiligungen an nicht insolventen Töchtern wie Nanogate Schwäbisch Gmünd und Gesellschaften im Ausland.

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Sven Tischendorf

Nanogate mit Hauptsitz im saarländischen Göttelborn produziert Komponenten und Oberflächen vor allem für die Automobilindustrie. Durch Zukäufe war die Nanogate-Gruppe im vergangenen Jahrzehnt mehrfach gewachsen. Das Unternehmen beliefert namhafte Kunden wie Airbus, BMW, Daimler, Ford, GM und die VW-Gruppe.

Die 22 Gruppenunternehmen sind an zehn Standorten in sieben Ländern aktiv, die Aktien der Nanogate SE werden im Scale-Segment der Deutschen Börse Frankfurt gehandelt. Im Jahr 2019 erzielte Nanogate mit rund 1.800 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 243 Millionen Euro. 2018 hatte Nanogate ein Schuldscheindarlehen begeben und dadurch 50 Millionen Euro von institutionellen Anlegern eingesammelt.

Vor rund einem Jahr beantragte das Management die Insolvenz als Schutzschirmverfahren für die Muttergesellschaft und fünf deutsche Töchter. Alle übrigen Gesellschaften der Gruppe wurden außerhalb dieses Verfahrens fortgeführt. Der Käufer Techniplas ist auf Wachstumskurs, als Gesellschafter sind die Private-Equity-Fonds H.I.G Capital, Amzak Capital Management und The Jordan Company an Bord.

Berater Techniplas
act AC Tischendorf (Frankfurt): Dr. Sven Tischendorf (Federführung; M&A/Insolvenzrecht/Arbeitsrecht), Dr. Matthias Müller (Corporate/M&A, Insolvenzrecht), Dr. Fabian Brocke (M&A), Dr. Stephan Schwilden (Arbeitsrecht/Kartellrecht), Dr. Florian Wäßle (IP/IT), Dr. Fabian Laugwitz (Immobilienrecht); Associate: Sarah Landsberg (Corporate/M&A)
Flick Gocke Schaumburg (München): Christian Schatz, Corina Hackbarth; Associate: Anne-Catharine Lorek (alle Steuerrecht)

Raschke_Marlies

Marlies Raschke

Berater Nanogate
Noerr: Marlies Raschke (Federführung; Restrukturierung; Dresden), Prof. Dr. Christian Pleister (Berlin), Dr. Uwe Brendler (Dresden; beide Private Equity), Ethel Nanaeva (Corporate/M&A; Berlin), Dr. Alexander Schilling (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Stephan Schulz (Aktienrecht; Hamburg), Dr. Stefan Schwab (Arbeitsrecht; Berlin), Dr. Nikolai Warneke (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Kathrin Westermann (Kartellrecht; Berlin), Dr. Markus Zeibig (Immobilienrecht; Dresden); Associates: Dr. Theresa Bachmann (Regulierung), Tabea Gutmann (Arbeitsrecht; beide Berlin), Hans Kenschke, Felix Winkler (beide Restrukturierung; beide Dresden), Dr. Fabian Radke, Lena Behrend (beide Finanzierung; beide Frankfurt), Lukas Zöllner (Restrukturierung; Berlin)
Abel und Kollegen (St. Ingbert): Matthias Bayer, Franz Abel (Generalbevollmächtigte); Associate: Lukas Eisenhuth (alle Insolvenzrecht)

Berater Schuldscheingläubiger
Dentons (Berlin): Andreas Ziegenhagen, Dr. Jan Seelinger, Alina Bresler (München); Associates: Franziska Nordmann, David Steimle (alle Restrukturierung)

Sachwalter Nanogate
Staab & Kollegen (Saarbrücken): Günter Staab (Sachwalter; Insolvenzrecht)

Hintergrund: Zwischen H.I.G. Capital, einem der Techniplas-Gesellschafter, und AC Tischendorf besteht eine langjährige Verbindung, auch Techniplas hat die Kanzlei schon bei Transaktionen beraten. Für die Frankfurter Kanzlei war der Nanogate-Kauf ein Paradebeispiel für den Einsatz des eigenen internationalen Netzwerks – in Österreich wurde Wiedenbauer Mutz Winkler & Partner eingebunden, in der Slowakei die Kanzlei MPH, in den Niederlanden Fort. Weitere Korrespondenzkanzleien – in den USA Nexsen Pruet, in der Türkei die Kanzlei Özkan – stammten aus dem LAWorld-Verbund.

Über den Tischendorf-Partner Dr. Alexander Höpfner war die Kanzlei bereits 2020 im Saarland aktiv. Noch als Partner von BBL, bevor er Anfang 2020 zu AC Tischendorf wechselte, war Höpfner Verfahrensbevollmächtigter der Gußwerke Saarbrücken, als diese im Herbst 2019 Insolvenz in Eigenverwaltung anmeldeten. Im Saarland hat sich ansonsten in größeren Insolvenzen eine feste Rollenverteilung zwischen Staab & Kollegen und Abel und Kollegen etabliert: Wenn die eine Kanzlei die Eigenverwaltung im Unternehmen berät, ist die andere Sozietät für das Sachwalter-Amt fast schon gesetzt. So war es etwa 2019 beim Schutzschirmverfahren der Fleischwarenfabrik Schröder. Abel war zudem Sachwalter bei den Gußwerken Saarbrücken im Jahr 2019.

Der für steuerliche Aspekte eingebundene Flick Gocke-Partner Schatz war 2017 von King & Wood Mallesons gekommen. Die steuer- und aufsichtsrechtliche Beratung bei M&A-Transaktionen gehört zu seinen Spezialdisziplinen.

Noerr hat neben der Sanierungs- und Restrukturierungsberatung eine lange Geschichte mit Deals im Insolvenzkontext. Zuletzt beriet die Kanzlei den Wirecard-Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé beim Verkauf des US-Geschäfts. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008, als es eine Vielzahl von Distressed-M&A-Deals im Automobilsektor gab, war Noerr häufig in diesem Bereich für Verwalter tätig. Den M&A-Investorenprozess bei Nanogate organsierte die Beratungsgesellschaft Acxit. (Markus Lembeck)

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