King & Wood Mallesons

Bewertung: Noch vor Jahresfrist sah es so aus, als ob KWM im Anschluss an die asiatisch-europäisch-pazifische Fusion 2013 ihre Strukturen Zug um Zug festige. Im Spätsommer 2016 vermittelt die Kanzlei dagegen ein uneinheitliches, schwer zu durchschauendes Gesamtbild. Dabei haben sich die einzelnen Fachbereiche durchaus positiv entwickelt. Die Prozesspraxis sorgte u.a. für Aufsehen, weil sie an einem BGH-Urteil zur sogenannten Netting-Klausel beteiligt war, das weitreichende Konsequenzen für die Eigenkapitalbasis vieler Finanzinstitute haben könnte. Verlass war auch auf das führende Fondsstrukturierungsteam u. die dynamische Private-Equity-Praxis. Auch der anhaltende Boom der chinesischen Auslandsinvestitionen spielte dem M&A-Team in die Karten – wenn auch KWM dabei nicht so auffällig war, wie man es von einer Kanzlei mit einer riesigen chinesischen Praxis hätte erwarten können. Ein Verlust war allerdings der Weggang des anerkannten Frankfurter Private-Equity-Partners Dr. Julian Lemor zu Mayer Brown. Dass sich zudem unmittelbar vor Redaktionsschluss ein Aushängeschild der deutschen Praxis, die Ex-Managing-Partnerin u. Fondsexpertin Sonya Pauls in München für den Wechsel zu Clifford Chance entschied, sorgte für weitere Unruhe.
Doch Sorgen bereiteten noch andere Aussichten: Die Partner mussten der Kanzlei mit einer Nachzahlung finanziell unter die Arme greifen. KWM selbst kommentierte die Finanzspritze als konsequenten Schritt einer Strategie, die das Geschäft in Europa u. dem Nahen Osten stärken soll. Doch Zweifel daran hielten sich im Markt durchaus, zumal sich KWM zuletzt nicht auf Expansionskurs befand u. international einige Leistungsträger verlor.
Die Unruhe in der deutschen Praxis war schon zuvor greifbar, nachdem die Kanzleiführung im Frühjahr angekündigt hatte, die Partnerzahl in Großbritannien, Europa u. im Nahen Osten um 15% zu reduzieren, hauptsächlich in London, aber auch in Deutschland. Dazu hatte im Frühjahr ein neues Managementteam aus Frankfurt u. München das Ruder übernommen.
Siehe auch: ?Frankfurt; ?München.
Anwälte in Deutschland: 72
Internat. Einbindung: Erste globale Kanzlei mit Hauptsitz in Asien. Ww. über 2.700 Anwälte u. 30 Büros, zusammengeschlossen unter dem Dach eines Schweizer Vereins. Starke asiat.-pazifische Achse, daneben europ. Büros in London, Paris, Madrid, Brüssel und Mailand.
Entwicklung: Die Kanzlei steht vor einem wegweisenden Jahr und durchaus mit dem Rücken zur Wand. Das neue Management soll den Restrukturierungs- u. Fokussierungskurs vorantreiben u. muss gleichzeitig die Leistungsträger vom Kurs überzeugen u. insbes. auch für Deutschland eine langfristige Wachstums- u. Expansionsperspektive vermitteln. Immerhin sind hierzulande die personellen Restrukturierungsmaßnahmen offenbar weitgehend abgeschlossen, was ein Bekenntnis zum aktuellen Team bedeutet. Dies ist zumindest ein positives Signal in Richtung der durch die Restrukturierung, die notwendige Finanzspritze u. die ungewollten Partnerabgänge verunsicherten u. teils verstimmten Mannschaft. Ganz maßgeblich wird es jetzt auf konkrete Erfolge auf der europäisch-asiatischen Achse ankommen, sprich: KWM muss das Geschäft mit u. aus China für sich nutzen. Auf allzu viel Geduld der eigenen Partner sollte die Kanzlei dabei nicht bauen.