Aulinger

Bewertung: Die Ruhrkanzlei transportiert ihren schon länger vollzogenen und aus Sicht von Wettbewerbern gut gelungenen Generationswechsel nun auch in ihr Management: Mit Dr. Achim Tempelmann u. Dr. Stefan Mager haben 2 Partner den Posten vom langj. Managing-Partner Dr. Andreas Eickhoff als Doppelspitze übernommen. Es ist vermutlich kein Zufall, dass beide aus erfolgreich aufgebauten Spezialgebieten wie Arbeitsrecht sowie Kartell- u. Vergaberecht stammen, wo sie viel Erfahrung mit dem Aufbau von Spezialdisziplinen gesammelt haben. Denn schon lange geht Aulinger sehr strategisch an die Aufstellung ihrer Fachpraxen heran. V.a. im Energie- u. Kartellrecht findet Aulinger einen stärkeren Widerhall im Markt als etwa die regionale Konkurrentin Kümmerlein. Auf welchem Niveau Aulinger dort inzwischen spielt, lässt sich an Mandaten ablesen, die einige Großkanzleien aus dem nahen Düsseldorf ebenfalls gerne übernommen hätten: An der Schnittstelle zur Organhaftung sind die Kartellrechtler im Anschluss an die Arbeit für einen Ex-ThyssenKrupp-Vorstand im Zshg. mit dem Schienenkartell nun auch für den Ex-DFB-Generalsekretär Schmidt wegen der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 tätig. Zudem hat sie mithilfe einer im Vorjahr gewonnenen Quereinsteigerin vorhandene Kompetenzen, etwa im Energie- u. Infrastruktursektor, hervorragend miteinander verknüpft. Diese intern enge Vernetzung führt dazu, dass sich Aulinger auch in Nischen gut positionieren kann: Die Gesellschaftsrechtspraxis hat sich bspw. eng mit dem Gemeindewirtschaftsrecht verwoben u. präsentiert einen ansehnl. Trackrecord bei Stadtwerken u. anderen kommunalen Unternehmen. So überrascht es nicht, dass Mandanten wie selbstverständlich Aulinger einschließen, wenn sie von der „starken Riege lokaler Kanzleien speziell im Ruhrgebiet“ berichten, die „bei deutlich geringeren Kosten den großen Kanzleien in nichts nachsteht“.
Dieser Ruf ist es auch, der Aulinger hilft, ausreichend Nachwuchsanwälte anzuziehen u. der sie zu einer interessanten Adresse für Quereinsteiger aus Großkanzleien macht. Gleichzeitig erfüllt sie aber auch ihr Versprechen, eigene vielversprechende Anwälte in die Partnerschaft zu bringen: Zuletzt ernannte Aulinger 2 Vollpartner im Gesellschaftsrecht.
Siehe auch: Ruhrgebiet.
Anwälte in Deutschland: 39
Internat. Einbindung: Unabhängige Kanzlei, die über ein eigenes Kontaktnetzwerk zu einzelnen ausländischen Kanzleien verfügt.
Entwicklung: Das Maß und die Qualität ihrer Spezialisierungen sind bemerkenswert. Wettbewerbern wie Kümmerlein oder Orth Kluth in Düsseldorf steht Aulinger trotz ihrer geringeren Größe damit in nichts nach – im Gegenteil: Als nächster Entwicklungsschritt steht der Aufbau einer Sektorgruppe Gesundheitswesen auf der Agenda – ein Bereich, in dem bereits jetzt versch. Praxisgruppen der Kanzlei mandatiert werden. Die Aufgabe des neuen Managements wird es sein, diesen sektorspezif. Ansatz kanzleiintern gut zu koordinieren, um Mandanten künftig umfassend mit praxisübergreifenden Teams zu beraten. Letztes gilt auch für die Compliance-Beratung, einem bislang erst zarten Pflänzchen. Mit dem Vorjahreszugang der ehem. Bird & Bird-Vergaberechtlerin, die einen Schwerpunkt in der Compliance-Beratung öffentl. Unternehmen hat, ist das Fundament zum Ausbau über die Praxen hinweg gelegt.
Eine weitere Aufgabe stellt sich für das neue Führungsduo im Gesellschaftsrecht. Während etwa im Vergabe-, Kartell- u. Regulierungsrecht das Geschäft schon gut zusammenfließt, könnte der Austausch zwischen dem angesehenen Notariat u. der klassischen Gesellschaftsrechtspraxis gerade mit Blick auf die bestehenden notariellen Kontakte in die Großkonzerne besser genutzt werden. Als Vorbild kann Aulinger hier umgekehrt die Wettbewerberin Kümmerlein dienen, der es regelm. gelingt, über das Notariat in die gesellschaftsrechtl. Konzernberatung einzusteigen.