Frankfurt

Kanzleimarkt mit ungebremster Anziehungskraft

Nach wie vor übt der Frankfurter Kanzleimarkt eine ungebremste Anziehungskraft aus. Das demonstrierten zuletzt Neueröffnungen am Standort etwa von Wülfing Zeuner Rechel und Büroerweiterungen von Pusch Wahlig.

Mit Fusionen wie der von Schalast & Partner und Salger sowie Spin-offs wurden die Karten neu gemischt. Es entstanden spezialisierte Sozietäten wie zum Beispiel die Arbeitsrechtsboutique Bluedex (mit Beiten Burkhard-Team), die von Freshfields-Anwälten gegründete Telekommunikationsboutique Neuland oder die von einem Milbank-Partner ins Leben gerufene Private-Equity-Kanzlei Memminger.

Außerdem prägen nirgendwo sonst in Deutschland starke US-Kanzleien derart die Szene. So strahlen Fusionen wie die von Arnold & Porter Kaye Scholer auch auf den Frankfurter Markt aus, da hieraus eine noch engere Verzahnung mit den weltweiten Büros der beiden Sozietäten entstehen dürfte.
Andere Kanzleien wie WilmerHale stellen sich neu auf und orientieren sich stärker am Profil ihrer US-Mütter.

Brexit kommt Frankfurt zugute

Doch nicht nur der Kanzleimarkt hat eine hohe Anziehungskraft, auch als Bankenstandort wird die Main-Metropole immer attraktiver. Grund dafür ist der bevorstehende Brexit: So kündigte Anfang Juli Japans drittgrößte Bank Sumitomo Mitsui an, ihren EU-Sitz von London nach Frankfurt zu verlegen. Binnen weniger Tage hatte sich damit nach Nomura und Daiwa Securities die dritte japanische Bank für Frankfurt entschieden.

Zudem sondierten in den vergangenen Wochen und Monaten weitere internationale Banken und Finanzinstitute den hiesigen Markt als Alternative zu London, darunter Goldman Sachs, Morgan Stanley, Standard Chartered und Citygroup. Im Wettbewerb mit Paris, Amsterdam und Dublin hat Frankfurt also gute Karten, für Banken mit Sitz in London zur favorisierten Alternative zu werden. Dass die in der Stadt ansässigen Kanzleien von einer verstärkten Bankenpräsenz profitieren würden, versteht sich von selbst.

Finanzthemen im Fokus

Aber auch ohne Brexit reißen die beratungsintensiven Themen im Bank- und Finanzrecht nicht ab. Die ab 2018 geltende Reform der Investmentbesteuerung erhöhte den Beratungsbedarf in diesem Jahr sprunghaft und sorgt voraussichtlich auch für Dauergeschäft. Dies kommt vor allem jenen Sozietäten zugute, die sich, wie so einige in Frankfurt, auf Asset-Manager und Kapitalverwaltungsgesellschaften fokussieren.

Zur klassischen Finanzmarktregulierung gesellte sich zunehmend das Thema Fintech. Die dynamischen Unternehmen, die Finanzdienstleistungen auf technischer Basis anbieten, beeinflussen mit ihren Geschäftsmodellen immer stärker das klassische Bankengeschäft an Deutschlands wichtigstem Finanzplatz – und sorgen dafür, dass sich die Kanzleien immer intensiver mit dem Thema beschäftigen.

Ein weiterer Impulsgeber für die Arbeit der Anwälte bleibt die Aufarbeitung von Cum-Ex-Fällen, an der weiterhin auch eine Vielzahl von Frankfurter Kanzleien und Strafrechtlern beteiligt sind. Auch bei den sogenannten Cum-Cum-Geschäften geht der Finanzminister nun konsequenter vor, um sich vermeintlich milliardenschwere Steuereinnahmen von den Banken zurückzuholen. Hieraus dürften sich in naher Zukunft noch einige lohnenswerte Mandate für die hiesigen Sozietäten ergeben.

Alles dreht sich um Immobilien

Neben dem Bank- und Finanzrecht sowie dem M&A-Geschäft befindet sich auch das Immobilienrecht in einer Hochphase. Angeheizt durch den Bauboom und das enorme Aufkommen an Immobilientransaktionen verstärkten Kanzleien wie Beiten Burkhardt, Graf von Westphalen oder Mayer Brown ihre Teams.

Vor diesem Hintergrund verwundert es auch kaum, dass zahlreiche Sozietäten wie Avocado, Görg oder GGV Grützmacher Gravert Viegener ihre Notariate auf- oder ausbauen, um ebenfalls vom regen Dealflow zu profitieren.

Kanzleiinsolvenz sorgt für Dynamik

Für besonders viel personelle Bewegung am Frankfurter Kanzleimarkt sorgte zum Jahreswechsel 2016/2017 der Niedergang von King & Wood Mallesons. Im Zuge der Insolvenz des europäischen Zweigs der asiatisch-pazifischen Riesenkanzlei suchten die meisten Partner bei anderen Sozietäten eine neue Heimat. Die verbliebenen sechs Berufsträger wagten mit KWM Europe den Neustart als Corporate-Boutique.

Vom Exodus bei KWM profitierten insbesondere internationale Großkanzleien wie Dentons, Taylor Wessing, McDermott Will & Emery und Allen & Overy. Sie verstärkten vor allem ihre Corporate-Praxen mit Quereinsteigern der Kanzlei, die u.a. Erfahrung im internationalen Transaktionsgeschäft mitbrachten.

Doch auch kleinere und mittelgroße Sozietäten arbeiten zunehmend grenzüberschreitend – innerhalb mehr oder weniger enger internationaler Zusammenschlüsse –, werden hierfür am Markt aber noch nicht ausreichend wahrgenommen. Einen Schritt weiter ging deshalb AC Tischendorf mit der Gründung von ACT Legal, einer Allianz aus sechs europäischen Kanzleien, die wie CMS international unter einer gemeinsamen Marke auftreten.

 Ausverkauf-  Wohin Frankfurter KWM-Partner wechselten


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