JUVE Kanzlei des Jahres

Compliance-Untersuchungen

Finanz- und Automobilindustrie im Fokus der Ermittler

Selten hat eine Gesetzeslücke den Staat derart viel Geld gekostet wie Cum-Ex. Zehn bis zwölf Milliarden Euro sollen ihm durch die Lappen gegangen sein. Die Finanzindustrie wird noch Jahre brauchen, diese Vorfälle aufzuarbeiten. Und das ist nicht die einzige Baustelle der Branche: So verglich sich die Deutsche Bank zuletzt mit den US-Behörden wegen unsauberer Geschäfte auf dem dortigen Immobilienmarkt. 7,2 Milliarden Dollar musste sie dafür berappen.

Auch die Automobilindustrie kommt noch lange nicht zur Ruhe. Die Dieselaffäre erfasst immer mehr Autobauer und Zulieferer wie Bosch. Aufsehen erregte in dem Kontext die Beschlagnahme von Unterlagen bei der VW-Kanzlei Jones Day. Alle Compliance-Anwälte wussten: Es könnte jeden treffen. Denn der Konflikt zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Rechtskultur bleibt unüberbrückbar: Gilt das ‚Attorney-Client-Privilege‘ in den USA als unantastbar, sind deutsches und britisches Recht deutlich differenzierter. In der Umsetzung befinden sich in vielen Unternehmen zudem die neuen Bestimmungen zum Datenschutz, die gerade auch bei internen Untersuchungen von Relevanz sein können. Die ab Mai gültige Datenschutzgrundverordnung sorgt für verschärfte Bedingungen.

Immer mehr Kanzleien erobern sich Marktanteile

Mit jeder weiteren gesetzlichen Regelung macht sich auch im unternehmerischen Mittelstand die Einsicht breit, dass Compliance kein Phänomen ist, das es auszusitzen gilt. Der Druck der Konzerne auf ihre Zulieferer und die wachsenden Ansprüche von Investoren an die rechtliche ,Sauberkeit‘ ihrer Zielobjekte sorgen zusätzlich dafür, dass immer mehr Kanzleien für die Compliance-Beratung mandatiert werden, v.a. die Stammberater kommen hier ins Spiel. Anlaufstelle sind meist die Strafrechtler, so etwa bei AC Tischendorf, Heuking Kühn Lüer Wojtek oder Kapellmann und Partner und Redeker Sellner Dahs.

Deutsche Kanzleien schwächeln bei Zugang zum US-Markt

Bei Compliance-Fällen mit US-Bezug setzen die Unternehmen jedoch weiterhin primär auf US-Kanzleien. So kam seinerzeit Jones Day ins VW-Mandat, und die Deutsche Bank zog deshalb Latham & Watkins bei Verhandlungen mit dem US-Justizministerium hinzu. Eine der wenigen deutschen Kanzleien mit einem exzellenten Zugang zum US-Markt ist Pohlmann & Company, die trotz der deutschen Wurzeln und der fehlenden US-Büros in internationalen Mandaten gefragt ist wie nur wenige.

Zuletzt sorgte sie für Schlagzeilen, weil VW-Monitor Larry Thompson Namenspartner Pohlmann als deutschen Berater mandatierte. Selbst deutsche Kanzleien mit gut funktionierenden internationalen Netzwerken wie Hengeler Mueller, Gleiss Lutz oder CMS Hasche Sigle tun sich schwerer. Nahezu alle Kanzleien – egal ob schon stark in der Compliance-Beratung engagiert oder noch jünger in dem Beratungsfeld – suchen Verstärkung, doch gab es wenig Wechselwillige: Lediglich White-Collar-Experte Dr. Finn Zeidler verließ Latham & Watkins in Richtung Gibson Dunn & Crutcher.


Die folgenden Bewertungen einzelner Kanzleien erfassen Kanzleien, die dieses Tätigkeitsfeld als fachübergreifende Beratung anbieten und sich präventiv mit der Überprüfung bzw. dem Aufbau von Compliance-Strukturen und akut mit konkreten Vorwürfen befasst haben. In einer separaten Übersicht werden zudem Kanzleien dargestellt, die sich vor allem in einem spezifischen Bereich der Compliance-Arbeit engagieren. Weitere Kanzleien, die sich mit einzelnen Compliance-relevanten Themen befassen, finden sich unter ?Wirtschafts- und Steuerstrafrecht. Auch Kanzleien, die sich im Wesentlichen in Hinblick auf einzelne Fachgebiete wie ?Kartellrecht, ?Informationstechnologie (v.a. Datenschutz), ?Vergabe- (v.a. drohende Vergabesperren), ?Steuer-, ?Gesellschafts- (u.a. Managerhaftung, Due Diligence), ?Arbeits-, ?Bank- und Finanz- und ?Versicherungsrecht (v.a. Aufsichtsrecht) spezialisiert haben, beraten zu Compliance-Fragen.


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