JUVE Kanzlei des Jahres

Baurecht

Veränderte Kräfteverhältnisse

Bauen boomt – daran hat sich auch im vergangenen Jahr nichts geändert. In Großstädten, allen voran Berlin, reiht sich Wohnprojekt an Wohnprojekt. Doch auch jenseits des Wohnens mangelt es nicht an Vorhaben. Geändert haben sich jedoch die Kräfteverhältnisse im Markt: Gaben früher die Auftraggeber die Konditionen vor, müssen sie sich nun teilweise sehr strecken, um für ein Projekt überhaupt noch mehrere Angebote zu erhalten. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Bauherren die Risiken im Wesentlichen auf die Ausführenden abwälzen konnten. Die geänderte Marktmacht verlangt auch den Kanzleien ein Umdenken ab, bringt sie jedoch zugleich stärker in die strategische Beratung.

Beratungsbedarf wird auch das neue Bauvertragsrecht nach sich ziehen, das nach langem Hin und Her Anfang 2018 in Kraft treten soll. Es gibt zahlreiche ungeklärte Fragen und Rechtsunsicherheiten, sodass auch wieder mehr Gerichtsverfahren zu erwarten sind. Andererseits tasten sich innovative Lösungen wie das Building Information Modelling (BIM), die Rechtsstreitigkeiten gerade verhindern sollen, langsam in den baurechtlichen Alltag vor.

Bauboom steigert Bedarf an strategischer Beratung

Der Vormarsch von BIM birgt für die Kanzleien auch Chancen für die eigene Entwicklung. Dieses technikbetonte Modell könnte jungen Anwälten das oft als etwas angestaubt verschriene Baurecht näherbringen und die Möglichkeit zur Spezialisierung bieten. Die meisten Einheiten tun sich nach wie vor schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden, dabei könnten sie diesen gut gebrauchen. Anders als noch vor ein paar Jahren profitieren die Rechtsberater von der Konjunktur der Branche, weniger durch Gerichtsprozesse, aber durch eine intensivere Einbindung in strategische Überlegungen bezüglich An- und Verkauf oder Finanzierung. Kanzleien, die ihre Mandanten bereits rund um die Immobilie beraten, profitieren davon besonders. Aber es gelingt auch neuen Einheiten, sich die immobilienrechtliche Beratung zu erschließen.

Anwälte zeigten sich wechselfreudig

Der Boom und der immer ganzheitlichere Ansatz der Arbeit zeigen auch personelle Folgen bei den traditionell eher stabilen Baurechtskanzleien: So komplettierte Luther mit der Aufnahme von Prof. Christian Zanner und Daniel Wegener von Wollmann & Partner ihr Beratungsangebot im Berliner Büro. Auch Breyer verstärkte sich weiter: Zu dem erst 2014 in Frankfurt neu eröffneten Büro stieß ein eingespieltes Team von Leinemann & Partner hinzu, was die Berufsträgerzahl am Standort verdoppelte und das Münchner Büro wird künftig von einem ehem. Kapellmann-Partner geleitet. Bislang setzte die Boutique eher auf den eigenen Nachwuchs, verändert nun jedoch die Strategie, um dem Beratungsbedarf am Markt gerecht werden zu können.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die sich mit dem klassischen Baurecht befassen. Hierzu zählen Bauvertrags-, Architekten- u. Ingenieursrecht samt Honorar- u. Haftungsfragen, Makler-, Miet- u. Pachtrecht. Auch die baubegleitende Beratung u. die gerichtl. sowie außergerichtl. Vertretung der Bauwirtschaft gehören hierher. Soweit die Tätigkeit einer Kanzlei diese Fragen zwar auch, aber im Schwerpunkt einen größeren Anteil Transaktionen und/oder Finanzierungen umfasst, ist sie unter ?Immobilienwirtschaftsrecht eingeordnet. Kanzleien, die sich auch mit komplexen Projektentwicklungen u. dem Anlagenbau befassen, sind zudem in der Übersicht ?Projektentwicklung/Anlagenbau erfasst. Kanzleien, die in einem Teilgebiet des Baurechts besonderes Ansehen erworben haben, werden als Spezialkanzleien gesondert aufgeführt.


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