JUVE Kanzlei des Jahres

Insolvenz und Restrukturierung

Billiges Geld und wenig Verfahren

An der Grundsituation der Insolvenzverwalter hat sich nicht viel geändert: Ein historisches Tief bei den Insolvenzverfahren schmälert die Chancen für alle Verwalter auf gute Geschäfte. 2016 ging die ohnehin niedrige Zahl an Unternehmensinsolvenzen noch einmal um fast sieben Prozent zurück, im laufenden Jahr ändern auch Verfahren wie Air Berlin, Solarworld oder Alno nichts an der statistischen Flaute. Nahe liegend ist ein strategisches Ausweichen auf die Sanierungsberatung.

Doch auch dieser Weg ist vielen Kanzleien versperrt. Unter den vielen möglichen Hindernissen ist eines von großer strategischer Bedeutung: Die Bearbeitung von ,normalen‘ Sanierungsmandaten bringt die Kostenstruktur einer Verwalterkanzlei ins Wanken. Der über Jahre und Jahrzehnte aufgebaute Apparat braucht Verfahren, er eignet sich weniger oder gar nicht für hochkarätige Anwaltstätigkeit.

Doch auch die Restrukturierungsberater klagen über schlecht gefüllte Auftragsbücher. Der Grund: Geld ist nach wie vor aus ihrer Perspektive zu billig zu haben. Auch deshalb wird der EU-Plan, ein präventives Sanierungsverfahren zu schaffen, so stark diskutiert. Für die Verwalterbranche könnte es schlimmstenfalls der Sargnagel sein, für die Beraterszene hingegen eine willkommene Ausdehnung ihres Einflussbereichs.

Konzentrationsprozess in vollem Gang

Jahrelang verfolgten die Insolvenzgroßkanzleien die gleiche Strategie und marschierten mit großen Schritten in Richtung bundesweiter Präsenz – hww Hermann Wienberg Wilhelm, Kübler, Schultze & Braun und Pluta strebten eine Beauftragung an möglichst vielen Insolvenzgerichten an und eröffneten Standorte nahezu im Monatstakt. Von dem Eifer ist nicht mehr viel übrig geblieben: Anwälte und Sachbearbeiter werden entlassen und Büros geschlossen,was im Falle von Kübler am offensichtlichsten wurde. Durch den Abgang mehrerer Partner gingen auch die Standorte Frankfurt und Hamburg verloren.

Kleinverfahren werden als defizitäre Last von vielen Sozietäten nur noch ungern angenommen. Bei Wellensiek hält der Bereinigungsprozess seit drei Jahren an, allerdings betrafen die Abgänge zuletzt vor allem die Berater. Nur Schultze & Braun, BBL Bernsau Brockdorff & Partner sowie vor allem Pluta setzen in der Verwaltung weiter auf Wachstum und tragen so zum Konzentrationsprozess der Verwaltersparte bei. Pluta erweitert zudem ihr Spektrum gezielt in Richtung Sanierungsberatung.

Stundensätze entwickeln sich im Marktvergleich wenig

Doch auch Restrukturierungsexperten in vielen Großkanzleien haben zu kämpfen. Die Stundensätze für Restrukturierung, die früher gut mit anderen Fachbereichen mithalten konnten, werden inzwischen meist von anderen Rechtsgebieten übertroffen. So halten sich die internationalen Kanzleien mit ihrem Engagement zurück. Nur Sidley Austin, 2016 in Deutschland neu gestartet, baut von Beginn an ein Restrukturierungsteam auf. Eng angebunden an das Londoner Team soll Kolja von Bismarck, der Linklaters nach acht Jahren verließ, dieses Feld besetzen.

 


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die sich ganz oder mit spezialisierten Teams auf die juristische Begleitung von Unternehmenskrisen spezialisiert haben und die, die im Markt durch die Größe und Komplexität der Mandate bzw. Insolvenzverfahren wahrgenommen werden. Unter Restrukturierungsberatung werden v.a. die Neuverhandlung von Krediten, Refinanzierung und Veränderung der Beteiligungs- bzw. Gläubigerstrukturen verstanden ( ?Kredite und Akquisitionsfinanzierung, ?Private Equity), während die Sanierungsberatung in erster Linie gesellschaftsrechtliche und sogar operative Probleme umfasst ( ?Gesellschaftsrecht). Für speziellere Restrukturierungsfragen im Bankensektor siehe ?Bank- und Bankaufsichtsrecht, zu arbeitsrechtlich geprägten Umstrukturierungen siehe ?Arbeitsrecht.


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