JUVE Kanzlei des Jahres

Kartellrecht

GWB-Novelle befeuert Boom bei Kartellschadensersatz

Das Kartellrecht ist in Bewegung wie schon lange nicht: Mit der 9. GWB-Novelle trat zuletzt eine umfangreiche Reform in Kraft, die Unternehmen, Gerichte und Anwälte noch Jahre beschäftigen wird. Streitstoff bieten u.a. die neuen Möglichkeiten, im Zusammenhang mit Kartellschadensersatz Auskünfte einzuklagen und die Frage, wie dies in der Praxis konkret ausgestaltet wird. Außerordentlich komplex ist etwa, dass die erweiterten Auskunftsansprüche sowohl von Anspruchstellern wie auch von Beklagten prozesstaktisch genutzt werden können.

Ältere Grundsatzfragen zu Kartellschadensersatz beschäftigen bereits den Bundesgerichtshof. Im viel beachteten Lottoblock-II-Verfahren etwa haben die Karlsruher Richter zuletzt konkretisiert, wie weit die Bindungswirkung eines amtlich festgestellten Kartellverstoßes reicht. Im Zementkartell liegt der Fall des Baustoffhändlers Kemmler beim BGH, der wegen heikler Verjährungsfragen, die zahlreiche weitere Schadensersatzkomplexe berühren, in der Kartellrechtsszene intensiv verfolgt wird.

LKW-Kartell löst Goldgräber-Stimmung aus

Im Nachgang des Lkw-Kartells hat sich beim Thema Schadensersatz geradezu eine Goldgräberstimmung bei den Beratern verbreitet. Unternehmen überlegen sich zunehmend, wie attraktiv Kronzeugenanträge eigentlich noch sind, wenn ein Rabatt beim Bußgeld gegenüber horrenden Schadensersatzforderungen kaum noch ins Gewicht fällt.

EU-Kommission und Bundeskartellamt haben auf die sinkende Zahl von Kronzeugenanträgen inzwischen mit Whistleblower-Hotlines reagiert. Allerdings: der im Sommer bekanntgewordene Skandal um mögliche Absprachen zwischen Daimler, VW, BMW und anderen Herstellern sowie entsprechende Kronzeugenanträge wird den Markt noch lange beschäftigen.

Neben Schadensersatzthemen bringt die GWB-Novelle wichtige Neuerungen zum Kartellrecht in digitalen Märkten. Die Marktmacht von Plattformen wie Amazon und Google ist den Behörden zunehmend suspekt, wie ein Rekordbußgeld der EU-Kommission im Frühsommer zeigte.

Kartellrecht und Litigation rücken zusammen

Die Verlagerung eines großen Teils der kartellrechtlichen Beratung hin zu Schadensersatzthemen fordert von den Anwälten weitaus mehr prozessrechtliches Know-how als bisher. In größeren Einheiten rücken die Kartellrechts- und Litigation-Praxen strukturell oft enger zusammen. Bei Freshfields Bruckhaus Deringer, Latham & Watkins, Hengeler Mueller oder Gleiss Lutz etwa gibt es inzwischen mehrere Litigation-Partner, die regelmäßig gemeinsam mit Kartellrechtlern in Schadensersatzfällen tätig sind. Kanzleien, die dieses Thema nach wie vor überwiegend aus dem Kartellrecht steuern, etwa Cleary Gottlieb Steen & Hamilton oder CMS Hasche Sigle, werden zur Minderheit.

Gerade Kartellrechtler in Kanzleien mit starken M&A-Praxen sind aktuell außerdem wieder stärker als in den Jahren zuvor in Fusionskontrollmandaten gefragt. Für den Trend zu einer immer früheren Einbindung von Kartellrechtlern bei der Strukturierung von Deals und dem Antizipieren von Risiken bildet der Boehringer/Sanofi-Spartentausch nur eins von mehreren prominenten Beispielen.

Partner von Freshfields Bruckhaus Deringer, Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Latham & Watkins oder Linklaters stehen hier oft als Teil von international zusammengesetzten Teams besonders im Rampenlicht. Dieser Trend offenbart sich auch darin, dass eine ambitionierte M&A-Kanzlei wie Sullivan & Cromwell in diesem Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks ihre kartellrechtliche Praxis kräftig mit Quereinsteigern ausbaute, um die nötigen Kapazitäten zu haben.

 


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die in ihrer kartellrechtlichen Beratung durchaus unterschiedliche Schwerpunkte und Schnittstellen pflegen. Das Kartellrecht ist gekennzeichnet durch eine enge Verbindung der zugrunde liegenden Sachverhalte und rechtlichen Vorschriften mit ?Vertrieb, ?Beihilfe, ?Vergabe und ?Compliance. Auch in den genannten Kapiteln finden sich daher relevante Informationen über versierte Kartellrechtsspezialisten. Das Gleiche gilt für die Branchenkapitel ?Medien, ?Telekommunikation, ?Gesundheit sowie ?Energie. Im Kapitel ?Brüssel finden Sie Kanzleien mit besonders internat. Ausrichtung.


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