Gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten

Vorstände und Aufsichtsräte unter Beschuss

Organhaftung bleibt das dominierende Thema im Markt, ob es um die Durchleuchtung von Cum-Ex-Deals, große Insolvenzen oder die Aufarbeitung der Finanzkrise geht. In Sachen HSH-Pleite kassierte der Bundesgerichtshof (BGH) zuletzt den Freispruch für die Ex-Manager, weil deren Verletzung gesellschaftsrechtlicher Pflichten so gravierend war, dass sie auch eine strafrechtliche Pflichtwidrigkeit begründet.

Doch nicht nur das scharfe Schwert des Strafrechts hängt über den Köpfen der Manager. Die Anforderungen an die Vorstände sind durch Regulierung an vielen Stellen höher geworden, und mit der Umsetzung der EU-Richtlinien zu Aktionärsrechten und Corporate Social Responsibility kommen weitere Anforderungen auf die Manager zu.

Bei den aktienrechtlichen Streitigkeiten spielt die Musik weiterhin in den Spruchverfahren. Trotzdem ordnet sich das Feld der Anlegerkläger auch in Teilen neu: zum einen durch große Sammelverfahren wie bei VW in der Dieselaffäre, die Prozessfinanzierer und professionelle Anlegerkläger auf den Plan rufen, zum anderen durch einen Shareholder Activism, der – ähnlich wie Sammelklagen – aus den USA importiert wurde. Aktive Aktionäre versuchen dabei wie im Fall Stada, über rechtliche Hebel Einfluss auf die Unternehmensführung zu nehmen.

Neue Gegner bei aktienrechtlichen Streitigkeiten

Aufseiten der betroffenen Unternehmen verändert sich der Beratermarkt beim Boom-Thema Organhaftung nur wenig. Es sind die gesellschaftsrechtlichen Schwergewichte wie Freshfields Bruckhaus Deringer oder Hengeler Mueller und die breit vernetzten Kanzleien wie Hogan Lovells oder CMS Hasche Sigle, die im besonderen Maße von der derzeitigen Klagewelle bei Pflichtverletzungen profitieren. Bei den akienrechtlichen Streitigkeiten erwächst den „üblichen Verdächtigen“ allerdings eine neue Riege von Gegenspielern, wenn etwa Broich oder Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan für die sog. aktiven Aktionäre unterwegs sind.