JUVE Kanzlei des Jahres

Marken- und Wettbewerbsrecht

Digitalisierung erfordert anderen Beratungsbedarf

Kaum ein Unternehmen kann sich heute der Digitalisierung entziehen. Das sorgt auch im Marken- und Wettbewerbsrecht für neuen Beratungsbedarf. Der Schutz von Geschäftsgeheimnissen und Know-how etwa stellt Unternehmen vor große Herausforderungen: Eine 2016 in Kraft getretene EU-Richtlinie soll diesen Schutz erhöhen. Sie muss bis spätestens Sommer 2018 in deutsches Recht umgesetzt werden und sorgt bereits jetzt für viel Arbeit in den IP-Praxen.

Schon länger beschäftigt zudem das Spannungsfeld von IP-Rechten und Onlinevertrieb die Berater und auch die Justiz, ebenso werden die Überwachung von Rechtsverletzungen im Internet und Datenschutzthemen für Markenartikelhersteller immer wichtiger. Andere Themen sind sogar noch juristisches Neuland, zum Beispiel ‚Geoblocking‘ oder ‚Influencermarketing‘. „Dazu gibt es bislang kaum Rechtsprechung und es wird spannend sein, die Grenzen hier auszuloten“, sagt eine IP-Prozessrechtlerin.

Auch IP-Praxen rüsten digital auf

Auch wenn sich die Soft-IP-Praxen auf einem wenig konjunkturabhängigen Gebiet tummeln, steigt der Wettbewerbsdruck unter den Beratern eher. Kanzleien wie DLA Piper oder Fieldfisher bauen sehr engagiert ihre IP-Praxen auf. Sie und traditionell große Player wie CMS Hasche Sigle u. Hogan Lovells investieren viel in den Aufbau eigener digitaler Lösungen und passen ihre Beratung den neuen Erfordernissen schnell an.

Insbesondere aber was die prominenten zivilrechtlichen Marken- und Designverletzungsprozesse und wettbewerbsrechtlichen Auseinandersetzungen anbelangt, bringt die Digitalisierung bislang noch keinen spürbaren Vorteil, weshalb hier traditionelle Boutiquen wie Harmsen Utescher oder Lorenz Seidler Gossel unverändert präsent im Markt sind. Beide bleiben ihrer Ein-Standort-Politik treu, andere Kanzleien wie Lubberger Lehment oder CBH Rechtsanwälte dehnten ihre regionale Aufstellung aus: Lubberger eröffnete in München, der Aufschlag von CBH war mit vier neuen Büros deutlich größer, im Soft-IP dürfte v.a. der komplette Wechsel des Hamburger Preu Bohlig-Büros eine spürbare Verstärkung bedeuten.

So stabil das Geschäft für die IP-Berater ist: Aufgrund der Struktur tun sich einige internationale Großkanzleien weiterhin schwer damit. So trennte sich etwa WilmerHale mit dem Wechsel ihres Frankfurter IP-Teams zu Squire Patton Boggs von der formellen Markenpraxis. Der sogenannte Prosecution-Bereich steht unter noch größerem Wettbewerbsdruck, denn große gemischte Kanzleien wie Boehmert & Boehmert oder auch IP-Dienstleister können diese Arbeit ohne den Profitabilitätsdruck einer Großkanzlei kostengünstig anbieten.

 


Bei den folgenden Bewertungen werden Marken-, Design- u. Wettbewerbsrecht gemeinsam behandelt, denn in den spezialisierten Kanzleien gibt es meist starke Überschneidungen in personeller u. inhaltl. Hinsicht; oft werden Mandanten von einer Kanzlei in beiden Bereichen betreut. Die Schwerpunkte sind jedoch zum Teil sehr unterschiedlich, auch gibt es Bereiche wie die Betreuung von Marketingmaßnahmen oder Portfoliomanagement, die weniger Berührungspunkte zeigen. Da dementsprechend auch Wahrnehmung u. Position der Kanzleien im Markt verschieden ausfallen, gibt es für das Marken- u. das Wettbewerbsrecht je eine Tabelle. In Bezug auf Marken sind auch zahlreiche sog. ‚gemischte‘ Kanzleien aus Patent- und Rechtsanwälten tätig; eine Besprechung in diesem Kapitel erfolgt aber nur, sofern die dort tätigen Rechtsanwälte auch intensiv in zivilrechtl. Prozessen tätig u. im Markt dafür bekannt sind. Marken- u. wettbewerbsrechtl. Aspekte sind zudem oft bei Vertriebssystemen ( ?Vertrieb/Handel/Logistik) wichtig. Bitte beachten Sie auch die Kapitel ?Lebensmittelrecht und ?Gesundheitswesen. Urheberrechtl. Expertise wird wg. der engen Verknüpfung mit den Branchen TV/Film/Entertainment und Verlage im Kapitel ?Medien besprochen.


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