JUVE Kanzlei des Jahres

Nachfolge/Vermögen/Stiftungen

Die Internationalisierung nimmt weiter zu

Die fortschreitende Internationalisierung des ?Steuerrechts betrifft nicht nur Unternehmen – auch vermögende Privatpersonen und ihre Berater müssen die immer komplexeren Regeln im Auge behalten. Ein Grund dafür sind die sich wandelnden Lebensumstände vieler High Net Worth Individuals (HNI): Unternehmensbeteiligungen oder Immobilien in verschiedenen Ländern, die Kinder als Studenten oder gar berufstätig im Ausland, wo sie teils auch ihre künftigen Ehepartner kennenlernen – der Trend zu weit häufigeren privaten Verbindungen in die ganze Welt hält nicht nur an, sondern beschleunigt sich sogar.

Doch auch vermögende Privatpersonen aus dem Ausland müssen sich immer häufiger mit dem deutschen Recht auseinandersetzen: Der Staat schließt in seinem Kampf gegen Steuerhinterziehung zunehmend Lücken in der Gesetzgebung, bezieht in Grauzonen immer deutlicher Stellung und versucht, seine Standpunkte sehr offensiv durchzusetzen. Besonders angeheizt wird die Konfrontation internationaler HNI mit dem deutschen Steuerrecht aktuell durch das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU: Viele Begünstigungen, die das deutsche Recht für EU-Bürger kennt, könnten künftig wegfallen. Dabei geht es nicht nur um Geldvermögen, Wertpapiere, Firmenbeteiligungen und Immobilien, auch Randthemen wie EU-Steuererleichterungen für Kulturgüter rücken in den Fokus der Klientel und ihrer Berater.

Stiftungen weiterhin beliebt

Um ihre Vermögen zu sichern, greifen Vermögende unterdessen weiter auch auf das beliebte Modell der Stiftung zurück. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen (BDS) zählte im Jahr 2016 bundesweit 21.806 Stiftungen. Zwar bewegt sich die Steigerung mit 2,4 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre, doch ist der Wert dennoch beachtlich: Denn gerade in Zeiten der Niedrigzinspolitik erwarteten laut BDS nur noch zwei Drittel der Stiftungen Renditen oberhalb der Jahresinflationsrate.

Von der beständigen Attraktivität der Stiftungen profitieren auch die Kanzleien. Besonders gut steht dabei Beiten Burkhardt da, die sich mit der Rundumberatung zum Stiftungswesen gar eine eigene Nische geschaffen hat. Und bei S&P Söffing und Streck Mack Schwedhelm hat die Nachfrage nach Stiftungsberatung abermals einen Aufschwung erlebt.

Steuerliches Compliance-Management-System entwickelt

Beim Thema Brexit hingegen beraten vor allem internationale Großkanzleien wie DLA Piper und Freshfields Bruckhaus Deringer. Allerdings nicht exklusiv: So profitierte beispielsweise auch Flick Gocke Schaumburg – vor allem durch ihre Zugehörigkeit zur internationalen Taxand-Allianz – vom Brexit. Ohnehin geht die Kanzlei ganz eigene Wege: Mit einer im Herbst 2017 aufgesetzten Digitaltochter schuf FGS unter anderem ein eigens entwickeltes steuerliches Compliance-Management-System für HNI. Doch auch kleinere Sozietäten entwickelten zuletzt Geschäftsmodelle, die den Beratungsmarkt in den kommenden Jahren verändern könnten.

Bei Fragen der Unternehmensnachfolge oder der Übertragung von Familienvermögen fokussieren sie sich zielgerichtet auf Mediation, denn anstelle eines langwierigen und öffentlichkeitswirksamen Rechtsstreits suchen insbesondere familiengeführte Unternehmen nach außergerichtlichen Lösungen und Vermittlungsstrategien. Zu den Kanzleien, die sich mit diesem Thema intensiv beschäftigen, gehört Rittershaus mit einer eigens entwickelten mediationsanalogen Nachfolgeberatung.

 


Aus der Nachfolgegestaltung in Familienunternehmen (einschl. Unternehmensverkäufen) entstehen oft substanzielle Privatvermögen, deren Eigner hier als High Net Worth Individuals (HNI) oder Ultra High Net Worth Individuals (UHNI, bei Vermögen ab €100 Mio) bezeichnet werden. Das Vermögen muss strukturiert, reinvestiert, gesichert u. weitergegeben werden, häufig mithilfe von Stiftungslösungen. Immer mehr Kanzleien beraten auch vermögende angestellte Privatpersonen im beruflichen Umfeld (etwa Manager, Sportler), was aber nur als Annexkompetenz Erwähnung findet. Zentral bleibt das ?Steuerrecht (inkl. Steuerforensik, betriebs- u. finanzwirtschaftl. Beratung), dazu kommen ?Gesellschaftsrecht u. Transaktionsarbeit ( ?M&A, ?Private Equity), Erb-, Familien- u. Kunstrecht, Stiftungsrecht u. Testamentsvollstreckung.


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