JUVE Kanzlei des Jahres

Vergaberecht

Ausschreibungen der Bundeswehr mischen den Markt auf

Es ging schneller als gedacht: Ein Jahr nach der Novelle des Vergaberechts ist der Schulungsbedarf zu den neuen Richtlinien deutlich abgeflaut. Nun geht es um die konkrete Anwendung des neuen Rechts in Mandaten. Nach einem kurzfristigen Boom der Ausschreibungen vor Inkrafttreten der neuen Regelungen liefen neue Vergabeverfahren erst in der zweiten Jahreshälfte 2016 wieder mit Schwung an. Dabei ergeben sich vereinzelt streitige Fragen, zum Beispiel zur richtigen Anwendung der Einheitlichen Europäischen Eigenerklärung, die nach Einschätzung einiger Marktteilnehmer in den kommenden Jahren von Gerichten geklärt werden wird.

Obwohl zum Teil gefordert, gab es im Sektor Sicherheit und Verteidigung zuletzt keine Initiativen für rechtliche Neuerungen. Im Zuge der vielen neuen, großvolumigen Ausschreibungen der Bundeswehr kam es jedoch zu zahlreichen hart umkämpften Nachprüfungsverfahren.

Viel Geschäft brachten zuletzt auch weiter IT-Ausschreibungen mit sich, weil Auftraggeber unterschiedlicher Branchen im Zuge der Digitalisierung ihren Investitionsstau abbauen. Zudem besteht auch beim Thema Selbstreinigung zunehmender Beratungsbedarf. Das ab 2019 wirksame Wettbewerbsregister, über das Unternehmen aufgelistet werden, die gegen geltende Regeln verstoßen haben, könnte dieser Entwicklung einen Schub verleihen. Ob das Wettbewerbsregister ein scharfes Schwert ist, ist unter Vergaberechtlern allerdings hoch umstritten.

Schlachtruf zur Vernetzung innerhalb der Kanzleien

Vernetzung mit anderen Fachbereichen ist für Vergabeteams in Großkanzleien schon seit Jahren der Schlachtruf, um ihre Position innerhalb ihrer Sozietät zu festigen. So arbeiten sie häufig sehr eng mit regulatorischen Branchenspezialisten, zum Beispiel im Gesundheitswesen, oder anderen Rechtsgebieten wie Kartellrecht zusammen.

Mehr Boutiquen finden ihre Lücke

Aktuell wird der Markt zudem von Boutiquen aufgerollt. Diese können ihren Mandanten zwar keinen Full-Service-Ansatz bieten, aber mit gezielter Spezialkompetenz aufwarten. Nur bei Bedarf arbeiten sie mit anderen Kanzleien zusammen und erhalten sich damit eine schlanke Kostenstruktur. Kein Wunder, dass nach dem Freshfields-Spin-off Blomstein zuletzt weitere Vergabeboutiquen eröffneten, darunter Esch Bahner Lisch, deren Partner sich von Osborne Clarke abspalteten. Die jungen, flexiblen Einheiten sind bei Mandanten jeder Größe gefragt.

Im lukrativen Sektor Sicherheit und Verteidigung profitieren verschiedenste Player wie Hogan Lovells, Heussen und aufseiten des Beschaffungsamts der Bundeswehr (BAAINBw) in beeindruckender Präsenz die Koblenzer Kanzlei KDU Krist Deller & Partner vom Anstieg dieser Vergaben.

Beim weiter wachsenden Feld der IT-Vergaben gewinnen Kanzleien wie Bird & Bird, Beiten Burkhardt und Graf von Westphalen hinzu, die für ihre IT-Kompetenz bekannt sind.

 


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die in vergaberechtlichen Fragen für Auftraggeber und/oder Bieter tätig werden. Viele Anwälte kommen aus dem Bausektor, wo traditionell bei Aufträgen für die öffentliche Hand das Vergaberecht eine wichtige Rolle spielt. Andere entwickeln ihre Expertise aus einer Spezialisierung im Öffentlichen Recht oder in bestimmten regulierten Branchen, v.a. dem Wasser-/Abfallsektor. Es empfiehlt sich daher, auch die Kapitel ?Immobilien- und ?Baurecht, ?Umwelt- und Planungsrecht sowie ?Regulierte Industrien zu konsultieren.


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