JUVE Kanzlei des Jahres

Private Equity und Venture Capital

Der deutsche Venture-Capital-Markt wird erwachsen

Die Beratung von Finanzinvestoren floriert, Anwälte beschreiben den deutschen Venture-Capital-Markt als „extrem robust und stabil“. Mehr noch: Es ist sogar die Rede davon, dass Berlin das Potenzial besitzt, London als Spitzenstandort für Venture Capital den Rang abzulaufen. Selbst negative Nachrichten wie das Scheitern des VC-finanzierten Internetauktionsanbieters Auctionata wurden zuletzt als positive Zeichen gedeutet – als Zeichen dafür, dass der deutsche Markt reifer wird. So wurde die Insolvenz als notwendiger Lernprozess hingenommen.

Euphorie herrscht auch auf dem Private-Equity-Markt, auch wenn er weniger innovativ ist als noch vor ein paar Jahren. Die Beschwerden über zu wenige geeignete Kaufobjekte haben im Vergleich zum Vorjahr nachgelassen: Durch günstigere Kredite können PE-Häuser wieder höhere Preise bezahlen. Zudem wollen sie durch aktiveres Management und regulatorische Kompetenz – und nicht einfach nur durch die Aufnahme von Fremdkapital – einen Mehrwert schaffen. Das ist wichtig, weil die Zahl der traditionellen Zielobjekte weiter sinkt. Zudem ist der Appetit auf große Deals wieder da. Die öffentliche Übernahme von Stada war der größte PE-Deal der vergangenen Jahre.

Neue Spieler in einem segmentierten Markt

Der Markt der Private-Equity-Kanzleien bleibt stark segmentiert, für die Akteure ist es weiterhin schwierig, ins Large-Cap-Segment vorzudringen. Einheiten, die dies geschafft haben – wie White & Case –, gelang dieser Schritt v.a. dank eines gut vernetzten internationalen Teams, das sich stabile Kanzleibeziehungen zunutze machen kann, entweder aus den USA oder aus London.

Andere US-Kanzleien wie Kirkland & Ellis zeigten, was für eine große Rolle solch institutionelle Beziehungen spielen können, wenn sie mit führenden Buy-out-Anwälten gepaart werden. Dass es K&E gelang, sich die Beratung bei der öffentlichen Übernahme von Stada zu sichern, spricht in diesem Zusammenhang Bände. Allerdings musste die Kanzlei auch einige Abgänge verkraften. So wechselte für den Wiederaufbau der US-Sozietät Sidley Austin ein Team um Volker Kullmann.

Viele Wechsel in den PE-Kanzleien

Generell herrschte zuletzt ein reges Kommen und Gehen in den PE-Kanzleien. Kein Wunder: Weil der Markt zurzeit mehrere große Deals zu bieten hat, sind PE-Anwälte stark gefragt. Die beinahe vollständige Auflösung von King & Wood Mallesons war zuletzt besonders bedeutend, weil die Kanzlei über ein starkes PE-Team verfügte. Der Wechsel von Dr. Christoph Brenner zu Orrick Herrington & Sutcliffe verlieh deren PE-Praxis einen Schub, während sich Dr. Michael Cziesla McDermott Will & Emery anschloss.

Der Wechsel des hoch angesehenen Dr. Michael Bernhardt zu Milbank Tweed Hadley & McCloy, der bei Allen & Overy nahezu im Alleingang eine schlagkräftige PE-Praxis aufgebaut hatte, zählt zu den spektakulärsten Zu- und Abgängen. Ein ähnlich bedeutsamer Wechsel war der einer Gruppe von K&L Gates zu DLA Piper, wo diese ein besonders dynamischesTeam verstärkt.

Dass dienstältere Partner die Kanzlei wechseln, ist eher unüblich. Gerade deshalb sorgte der Übergang eines der erfahrensten PE-Anwälte im deutschen Markt, Christopher Kellett, von Clifford Chance zu Linklaters allgemein für Verwunderung. Hier zeigt sich erneut, dass die Kanzlei die institutionellen Beziehungen von Linklaters in London nutzen und eine Lücke in der Altersstruktur der deutschen Praxis füllen will. Das ist umso wichtiger, seitdem die Kanzlei im Vorjahr einen führenden Partner an Latham & Watkins verlor. Auf dem VC-Markt blieb es unterdessen personell ruhig.

 


Private Equity (PE) umfasst großvolumige (Large-Cap-) und mittelgroße (Mid-Cap-)Transaktionen von Private-Equity- und anderen Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Kanzleien beraten bei den M&A-ähnlichen Transaktionen die Käufer, das zu kaufende Unternehmen oder seine Aktionäre. Venture Capital (VC) bezeichnet i.d.R. die frühe Investition zu Beginn einer Unternehmensentwicklung (Start-up- oder Seed-Kapital).


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